Gleichberechtigung Warum weinen Frauen bei "Wonder Woman"?

Gal Gadot als Wonder Woman: Es ist die Erkenntnis, dass man so etwas noch nicht gesehen hat.

(Foto: dpa)

Der erste große Superhelden-Blockbuster mit einer Frau als Hauptfigur macht sehr, sehr viel richtig, - und rührt Frauen damit regelmäßig zu Tränen. Was ist da los?

Von Kathleen Hildebrand

Wer sich entschließt, einen Actionfilm im Kino anzusehen, weiß eigentlich, was emotional so kommen wird. Langsam anschwellende Grundsympathie für den Helden. Dann sanfte Anspannung, wenn er auf die Mütze kriegt. Und schließlich Erleichterung, wenn die Welt mal wieder vor dem ultimativ Bösen gerettet ist.

Was man eher nicht erwartet, ist Rührung. So stark, dass sie Tränen in die Augen treibt und das gleich in einer der allerersten Szenen.

Doch genau das passiert in "Wonder Woman". Der Film hat seit seinem Kinostart in den USA vor zwei Wochen weltweit 450 Millionen Dollar eingespielt. Es ist das beste Ergebnis, das je eine weibliche Regisseurin (Patty Jenkins) erzielt hat. Und er hat viele Frauen zum Weinen gebracht. Auf Twitter und in den Online-Ausgaben großer englischsprachiger Zeitungen finden sich diverse Tränen-Geständnisse - zu lesen etwa hier im Guardian oder hier in der Los Angeles Times.

Wieso weinen diese Frauen? Der Selbstversuch zeigt: Es geht ganz schnell. Der Film beginnt auf der Amazoneninsel Themyscira. Die kleine Diana, sie wird später Wonder Woman sein, büxt ihrer Lehrerin aus, weil sie lieber den großen Amazonen beim Training zusehen will. Verständlich ja auch. Denn wie da auf einer Terrasse über dem Meer diese hochathletischen Frauenkörper durch die Luft wirbeln, wie sie Bögen im Sprung spannen und Pfeile irrwitzig genau ihre Ziele treffen lassen, das ist eine der bestchoreografierten Kinoszenen seit Langem.

Aber was man bei diesen Bildern empfindet, ist etwas anderes als ästhetische Befriedigung. Es ist die Erkenntnis, dass man so etwas noch nicht gesehen hat. Egal, wie viele Actionfilme man kennt: Ein Dutzend attraktiver Frauen, das sich gekonnt bewegt, dabei einigermaßen knapp bekleidet ist - und trotzdem sieht keine nach Sex-Symbol aus. Diese Frauen sind Subjekte, nicht Objekte einer lüsternen Kamera. Und von nirgendwoher fällt ein Blick auf sie, der etwas anderes in ihnen sieht als edle Kämpferinnen für das Gute.

Jede Einstellung scheint diese Frauen zu bewundern. Aber nicht, weil sie erotisch sind. Sondern weil sie stark sind. Und weil sie gut sind in dem, was sie tun. Vor allem aber, und vielleicht ist das wirklich nur auf einer mythischen Insel ohne einen einzigen Mann möglich, weil sie die unangefochtenen Hauptrollen spielen. Nirgends ist da ein Batman in Sicht, oder ein Tony Stark, in dessen Team auch mal eine Frau mitkämpfen darf. Es geht um sie. Man muss darauf nicht bewusst gewartet haben, um zu fühlen, dass es gefehlt hat.

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Und dann passiert es eben: Die Tränen drücken gegen die untere Augenkante.

Es ist, als zeigte erst die utopische Frauenwelt auf Themyscira, dass es ja tatsächlich so sein könnte: Keine gesellschaftliche Position, auf der keine Frau zu finden ist. Niemand, der überrascht ist vom noblen, königlich-stolzen Verhalten dieser Frauen. Man würde gern länger auf Themyscira bleiben, herausfinden, wie das ist, in dieser Frauengesellschaft. Was gibt es da zum Frühstück? Wie wird getanzt? Wie geht das mit der Fortpflanzung? Leider spielt der restliche Film woanders. In der Männerwelt des Ersten Weltkriegs nämlich, in einem Europa, wo Frauen noch nicht einmal das Wahlrecht haben.