Wie in Bernd Heydens großartigen, etwas früheren Fotos, die wir an dieser Stelle vor zwei Jahren zu rühmen hatten, hält auch Danigel eine stehenbleibende Zeit fest, mit architektonischen Kulissen, die 1910 oder 1930 kaum anders ausgesehen hätten. Denn Prenzlauer Berg war fast unbeschädigt durch den Bombenkrieg gekommen, allerdings war später auch nur wenig zu seiner Erhaltung getan worden. So entwickelte sich hier eine oft düstere, den reichen Graustufen des Schwarzweißmediums entgegenkommende Fassadentinktur, in Tönen der Verfalls, vor denen die mageren Versuche der DDR-Ökonomie, mit Schaufenstern, Parolen und Reklamesprüchen Aufmerksamkeit zu erregen, oft umso komischer wirkten.

Reklamespruch an einer Fassade in Radeberg bei Dresden.

Bild: Lehmstedt Verlag 11. Juli 2011, 17:352011-07-11 17:35:11 © SZ vom 12.7.2011/pak