Gaucho-Tanz Scheu vor jeder Form des Patriotismus

In Deutschland werden die Fußballweltmeisterschaften nun schon seit dem deutschen Sommermärchen vor acht Jahren mit nationalen Befindlichkeiten überfrachtet, vor allem mit der Scheu vor jeder Form von Patriotismus.

Da gibt es zum einen die Generation, welche die Tragödie der deutschen Geschichte und die Last der historischen Schuld nicht einmal mehr aus den Erzählungen ihrer Großeltern kennt. Die suchen immer wieder aufs Neue nach Wegen, ihr Land zu lieben oder ihre Heimat zu feiern.

Das aber ist zum anderen immer noch nicht ganz einfach. Denn die Last der historischen Schuld ist ja keineswegs getilgt. Der Fußball, diese wunderbare, berauschende Zivilreligion wird gerne als Ventil benutzt. Da aber nun die Rolle Deutschlands als moralischen Phoenix hineinzuinterpretieren, ist von einer Gruppe junger Sportler doch sehr viel verlangt.

Bekenntnis zum Triumph über die Verlierer

Was beim #gauchogate so unangenehm berührt, ist nicht nur die Verhöhnung der Argentinier als kreuzlahme Viehhüter, als vielmehr die Erkenntnis, dass zu jedem Sieg auch eine Niederlage gehört. Das war das eigentliche Stein des Anstoßes - das öffentliche Bekenntnis zum Triumph über den Verlierer.

Wen das so richtig empört, dem sei ein Besuch in einem deutschen Fußballstadion empfohlen. Da kann man diese Konsensfindung, wie man sie aus amerikanischen Großstädten kennt, seit einigen Jahren ganz gut beobachten. Rassismus und Homophobie sind da schon lange auf dem Rückzug. Das heißt aber keineswegs, dass man sich über den Gegner nicht so richtig lustig machen darf. Vor allem, wenn er verliert. Und nicht erst seit dem Dienstag in Berlin - auch mit solchen Tänzen.