Digital-Konferenz DLD Warum Putzfrau ein Beruf mit Zukunft ist

Paketroboter wie dieser könnten menschliche Jobs bedrohen. Auf der diesjährigen DLD beschäftigten sich die Tech-Optimisten mit den Schwachstellen der Digitalisierung.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Angesichts von Automatisierung und künstlicher Intelligenz werden Teilnehmer der Münchner Digitalkonferenz DLD nachdenklich. Sie machen drei Gefahren für die Freiheit aus.

Von Alexandra Borchardt

Das Lenkrad soll bleiben. Mindestens in den nächsten 30 bis 40 Jahren werde der Mensch noch selbst eingreifen können, wenn sein Auto nicht so fahre, wie er das wolle, sagt BMW-Vorstand Klaus Fröhlich, und zwei der anderen Gäste auf dem Podium zum Thema autonomes Fahren nicken kräftig.

Man könnte dort jetzt einfach drei Männer sehen, die sich gegenseitig ihrer Autofahrer-Qualitäten rühmen. Aber tatsächlich steht die Lenkrad-Frage symbolisch für eines der großen Themen in der Debatte um die digitale Welt: Wie viel Freiheit bleibt dem Menschen, wenn er ständig mit Maschinen und Geräten vernetzt ist, Daten sendet und empfängt, von ihnen beeinflusst und gesteuert wird?

Viele Teilnehmer klingen nachdenklich

Darum ging es erfreulich oft in den Diskussionen auf der Digital-Konferenz DLD des Medienkonzerns Burda, die an diesem Dienstag in München endet. Hatte man früher zuweilen den Eindruck, die Veranstaltung biete in erster Linie fröhlichen Millionären und Milliardären aus dem Silicon Valley eine Plattform, um für ihre Produkte zu werben, klangen viele Teilnehmer in diesem Jahr nachdenklicher. Natürlich konnte man auch ab und an in Tech-Optimismus baden. Aber spätestens die Wahl von Donald Trump hat die Schwachstellen-Suche verstärkt. Schließlich kann man die neue Welt und ihre Technologien nur gestalten, wenn man deren Risiken kennt.

Nun mögen einem Konzerne wie Apple, Amazon, Google oder Facebook suggerieren, dass Freiheit in erster Linie die Freiheit des Konsumenten sei: sich zu jeder Zeit mit möglichst geringem Aufwand alle erdenklichen Wünsche zu erfüllen und sich damit das Leben so bequem wie möglich zu gestalten. Der Erfolg von Amazon Echo, einem Gerät, das als virtueller persönlicher Assistent funktioniert und auf Spracheingabe reagiert, zeigt, dass dieses Bedürfnis recht verbreitet ist.

Die Angriffe auf die Freiheit kommen von mehreren Seiten

Diese Art Freiheit sollte man aber nicht verwechseln mit dem bürgerlichen Ideal, für das unzählige Menschen gekämpft haben und gestorben sind. Denn Freiheit bemisst sich vor allem an Selbstbestimmung, Teilhabe an der Gesellschaft und einem guten Maß an Privatsphäre. Hinzu kommt die wirtschaftliche Freiheit, die es dem Einzelnen idealerweise ermöglicht, über sich hinauszuwachsen und Klassengrenzen zu überwinden.

Lange war es Konsens, dass Bildung die Grundlage dieser Freiheit ist. Aber mit dem Vordringen künstlicher Intelligenz ist eine große Verunsicherung darüber eingezogen, welche Art von Bildung sinnvoll und zwingend ist in einem Zeitalter, in dem Algorithmen um ein Vielfaches schneller "lernen" und deutlich mehr über Verhaltensmuster "wissen", als dies der klügste Mensch je abrufen könnte. "Wenn Bildung mit Technologie nicht mehr Schritt hält, ist Ungleichheit das Ergebnis", heißt es in einem Leitartikel des Wirtschaftsmagazins The Economist, das sich in seiner jüngsten Ausgabe mit der Zukunft der Arbeitswelt beschäftigt. Eine zu stark ausgeprägte Ungleichheit gefährdet jedoch Freiheit, vor allem, aber nicht nur, am unteren Ende der Einkommenspyramide.