"Die Schöne und das Biest" im Kino Alle reden über LeFou

Sie tanzen exakt so, wie sie auch schon im Zeichentrickfilm von 1991 getanzt haben: Das Biest (ein Computerwesen, aber mit der Stimme von Dan Stevens) und die Schöne (ein Zauberwesen, aber die echte Emma Watson).

(Foto: Disney)

"Die Schöne und das Biest" wurde mit Emma Watson neu verfilmt. Aber ausgerechnet eine Nebenrolle löst kontroverse Diskussionen über Homosexualität aus.

Von Susan Vahabzadeh

Selbst im Vergleich zum Grimm'schen "Froschkönig" schneidet das französische Volksmärchen "Die Schöne und das Biest" nicht unbedingt als besonders frauenfreundlich ab: Mädchen wird von zum Biest verwunschenem Prinzen eingekerkert - und verliebt sich dann in ihn? Das ist, von heute aus betrachtet, schon ein seltsam düsteres Motiv; und Disneys "Die Schöne und das Biest" ist trotzdem ein ganz lichter, zauberhafter Film. Es reichen dafür ein paar Kunstgriffe - anders als im Märchen ist Disneys Belle kein Pfand, sie zieht selbstbestimmt in ihr Gefängnis, gegen den Willen ihres Vaters, der dort lieber selbst einsitzen würde. Das hilft schon mal. Und der Weg zu Belles Herz, die auch schon im Märchen eine Leseratte war, führt durch die Bibliothek.

Es gab dann in den letzten Wochen trotzdem eine Feminismus-Debatte um Disneys Neuverfilmung - Hauptdarstellerin Emma Watson, sonst als Frauenrechtlerin unterwegs, hatte nur mit einem Spitzenbolero bekleidet für ein Magazin posiert; das ist den Frauenrechten nicht zuträglich, möglicherweise aber auch nicht abträglich. Doch Watson wurde trotzdem als Verräterin angegriffen; und reagierte darauf dünnhäutig. Das macht aber nichts - "Die Schöne und das Biest" ist nicht misogyn. Emma Watson macht ihre Sache großartig, und die Teetassen und Kandelaber, mit denen sie es zu tun bekommt, sind niedlich und weise.

LeFou tanzt mit einem Mann, was schon Bekenntnis zu einem Weltbild ist

Belles Vater (Kevin Kline) ist versehentlich auf einer Kutschfahrt im Schloss des Biests gelandet und wird eingesperrt. Belle findet ihn mit Hilfe seines entlaufenen Pferdes - und nimmt dann seinen Platz in der Zelle ein. Das schlecht gelaunte Biest (Dan Stevens) ist eigentlich ein Prinz, der von einer Fee verflucht wurde, und mit ihm das gesamte Personal - das sich nun als Ehestifter versucht, denn alle werden nur erlöst, wenn das Biest ein Mädchen dazu bringt, es zu lieben. Was bei so viel Gestrüpp auf dem Kopf und Reißzähnen besonders viel innere Werte erfordert.

"Ich weiß wirklich nicht, was meine Brüste damit zu tun haben"

Auf einem Foto für die "Vanity Fair" ist Schauspielerin Emma Watson ohne BH zu sehen. Sie muss dafür viel Kritik einstecken. Jetzt hat die Feministin darauf reagiert. mehr ...

Das ist alles sehr schön. Wenn auch nicht schöner als in der Zeichentrickvariante von 1991. Bei Disney, geführt von Bob Iger, werden seit Jahren alle erfolgreichen Stücke zu einem Franchise gemacht und dann gemolken - einstweilen ist das sehr lukrativ. Die Real-Fassung hat der alten aber nicht viel hinzuzufügen; Kerzenleuchter, Uhr und Teekanne sind animiert, hier wie da, nur verwandeln sie sich diesmal irgendwann in Ewan McGregor, Ian McKellen und Emma Thompson.

Es ist in diesem Wunderland ohnehin nur wenig real. Da gibt es beispielsweise eine wunderbare Musiknummer, in der das Geschirr im Speisesaal einen ornamentalen Tanz aufführt, der eindeutig vom Musical-Regisseur Busby Berkeley inspiriert ist. Aber gemessen an den perfekt choreografierten Tänzen, bei denen Berkeley in den Dreißigerjahren echte Menschen zu grafischen Mustern zusammenfließen ließ, ist es nun eigentlich keine so große Kunst, Computergrafiken zu grafischen Mustern zusammenfließen zu lassen. Sieht aber toll aus.