Die Proteste gegen diesen Ansatz unterstützt indes nur ein kleiner Teil der Berichterstatter, die Mehrheit äußert keinerlei moralische Einwände. Vielmehr wird die Ausstellung überwiegend als konsequente Fortsetzung der "Ars Erotica" von 1994 gesehen: Diese war genuin politisch, sie zeigte, wie Künstler im Realsozialismus mit seiner rigiden Sexualmoral die Zensur unterliefen. In der jetzigen Ausstellung wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass im Kommunismus Homosexualität als kriminell galt und Homosexuelle wie Verbrecher behandelt wurden.

Dass auf diesem Feld die Positionen der untergegangenen Partei und der Kirche nahezu deckungsgleich waren, wird in den Ausstellungstexten keineswegs verhehlt. Leszkowicz hat in diesem Sinen den Polen-Teil der umstrittenen Installation "Entropa" des tschechischen Künstlers David Cerny in der Eingangshalle platzieren lassen: Eine Gruppe von Priestern in Soutane versucht, die Regenbogenfahne der Homo-Bewegung in einen Kartoffelhaufen zu pflanzen. Die gesamte Installation, mit der sich Cerny mit nationalen Klischees auseinandersetzt, hatte im vergangenen Jahr im Foyer des Europa-Parlaments für Aufsehen gesorgt, in Polen hatte man damals auf den Kartoffelhaufen pikiert reagiert.

Bild: ap

14. Juni 2010, 10:29 2010-06-14 10:29:28