Abschied von der ARD Talfahrt für Hansi Hinterseer

Auch wenn die blondierten Haare nach wie vor perfekt sitzen - Hansi Hinterseer muss nach 18 Jahren seine Volksmusiksendung in ARD und ORF aufgeben. Seine Fans beklagen den Jugendwahn, dem ihr Idol zum Opfer gefallen sein soll.

Von Claudia Fromme

In der Farbpsychologie steht Weiß für Vollkommenheit, Unsterblichkeit und ewige Jugend. Der immerfrische Sascha Hehn sprang weiland in der "Schwarzwaldklinik" nicht ohne Grund aus einem weißen Golf, Tom Wolfe macht sein weißer Anzug zum alterslosen Dandy.

Als Hansi Hinterseer also am Samstag im weißen Skianzug mit korrespondierenden Fellboots in den Schladminger Schnee trat, um zur Musi vor Alpenkulisse einzuladen, war das von hoher Symbolkraft. Der innere Zirkel der Volksmusik wusste da längt, dass es um eine Beerdigung ging. Am Ende der Sendung kraulte Hinterseer seine Begleiterin, eine Berner Sennenhündin, und sagte: "Gina. Es ist aus." Abgang Hinterseer.

Die Verträge bei ARD und ORF wurden nicht verlängert

Nach 18 Jahren moderiert der Tiroler keine Fernsehsendung mehr. Jedenfalls nicht bei seinen Heimatsendern ARD und ORF, die seine nach ihm benannte Volksmusiksendung verantworten und die Verträge nicht verlängert haben. Bei der ARD lobt man Hinterseer immerhin als "einen der beliebtesten Volksmusikstars" und spricht von "Wehmut". Gründe für das Ende werden nicht genannt - was Spekulationen befeuert, zumal die Quote solide war.

Das jüngere Publikum aber, das viel umworbene, konnte mit seinen in loser Reihenfolge gesendeten Heimatklängen nie viel anfangen. Manche Fans, mit denen er zu Tausenden durch die Alpen wanderte, sehen das als Grund für das Ende des Hinterseer-TV, sie beklagen den Jugendwahn der Sender. Hinterseer kommentiert das subtiler. Im letzten Lied am Samstag, seinem 59. Geburtstag, sang er: "Man sagt nicht Goodbye, bei uns heißt das Servus."

Hans Hinterseer wurde 1954 in Kitzbühel geboren, er wuchs bei seinen Großeltern auf der Seidlalm auf. Die Zeiten waren andere, seine Mutter, unverheiratet und mittellos, hatte ihn verlassen. Ist er mit seiner zweiten Frau und seinen beiden Töchtern heute Intimus der Kitzbüheler Schickeria, war die Kindheit karger. Strom und fließend Wasser gab es nicht auf der Alm.

In den Siebziegern war Hinterseer ein talentierter Skiläufer

Schon als Zweijähriger stand er auf Skiern, alsbald trainierte ihn sein Vater, der 1960 Olympiasieger im Slalom wurde. In den frühen Siebzigern galt Hansi als einer der talentiertesten österreichischen Skiläufer, am Ende errang er sechs Weltcupsiege in Slalom und Riesenslalom.

Die Berge blieben sein Thema, er kommentierte für den ORF Skirennen - bis er den Schlagerzampano Jack White traf. Der erkannte sein Potenzial, 1993 erschien Hinterseers erste Single "Du hast mich heut' noch nicht geküsst". Ein Debütalbum folgte, er moderiert, schauspielert und verkaufte bis heute vier Millionen Alben.

Hinterseer, der sich seine Haare blondiert und jeden Tag mit der Rundbürste föhnt, will sich nun wieder auf seine Karriere als Sänger konzentrieren. Zornig klingt er nicht, wenn er über sein mediales Ende spricht. Eher enttäuscht. "Es gibt Leute", sagt er zur Süddeutschen Zeitung, "die die Musik nicht mehr zeitgemäß finden. Die wollen lieber mehr Action, Kochsendungen und Talkshows."