"Abraham Lincoln Vampirjäger" im Kino Sezession der Blutsauger

Abraham Lincoln ist ein amerikanischer Mythos, dem sich nun Regisseur Timur Bekmambetov in "Abraham Lincoln Vampirjäger" zuwendet. Er kombiniert echte Details aus Lincolns Leben mit einer erdichteten Vampirjägertätigkeit, was zunächst vollkommen überdreht klingt. Doch die einzelnen Elemente, die hier gemixt werden, sind allesamt erfolgserprobt und funktionieren auch in diesem Film.

Von David Steinitz

Dunkles Blut spritzt von der silbernen Axt des künftigen Präsidenten. Mit der Eleganz eines Tänzers hantiert er da, lässt seine ganze jugendliche Kraft und Wut in sie übergehen, eine rauschhafte Choreografie, bis das tobende Wesen endlich am Boden liegt - Abraham Lincoln killt nachts Vampire, natürlich die der fiesen Sorte, ohne Twilight-Charme.

So hat es sich Seth Grahame-Smith in seinem Mash-up-Roman "Abraham Lincoln Vampirjäger" einfallen lassen, den er nun mit Produzent Tim Burton und Regisseur Timur Bekmambetov fürs Kino adaptiert hat. Lincoln, der gegen die Sklaverei kämpfte und die Nordstaaten durch den amerikanischen Bürgerkrieg führte, bis das gespaltene Land wiedervereinigt war und als moderne Industrienation zur Weltmacht aufsteigen konnte, ist ein amerikanischer Mythos.

Tausende Biografien sind über ihn geschrieben worden, und trotzdem ist er den Amerikanern immer ein bisschen fremd geblieben. Er war ein Frontier-Kind, in der Wildheit des Grenzlands aufgewachsen, um seine Jugendjahre und seinen verblüffenden Aufstieg in der Washingtoner Politik ranken sich wüste Legenden . . .

Grahame-Smith kombiniert echte Details aus Lincolns Leben mit einer erdichteten Vampirjägertätigkeit, die mit zentralen Stationen der amerikanischen Geschichte zusammenfällt. Geheime Tagebücher enthüllen dieses Mysterium, ein alter Trick der Schauerliteratur, schon Bram Stoker verließ sich darauf und auf Briefwechsel, die die blutige Fiktion wirklicher erscheinen lassen.

Durch die brüchigen Dielen des Dachbodens muss Abraham (Benjamin Walker, ein gelernter Balletttänzer und Broadway-Star, der mit der Axt zu tänzeln weiß) zusehen, wie ein Vampir seine Mutter tötet; er wird zum Jäger, sinnt auf Rache. Diese muss er allerdings in großem Stil anlegen, denn die Sauger werden nicht nur zum persönlichen, sondern auch zum nationalen Problem, sie treiben das Land als böse Südstaatler in den Sezessionskrieg. Heimlich haben sie im Süden die Macht übernommen, wollen die Sklaverei erhalten, um sich ein solides Blutreservat zu schaffen.

Liebe in allen Aggregatzuständen

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Was in der Synopsis vollkommen überdreht klingt, gehen Bekmambetov und Grahame-Smith mit einer bewundernswerten Ernsthaftigkeit an, und anders hätte dieser Film wohl auch kaum funktioniert. Die Komik kommt, wie so oft im Kino, nur durch rücksichtslose Seriosität. Die einzelnen Elemente, die hier gemixt werden, sind allesamt erfolgserprobt. Vampirklüngel in der Neuen Welt waren schon die Grundlage für die Bestseller von Anne Rice, allen voran ihrem "Interview mit einem Vampir"; auch ein Präsident als Actionheld hat in Hollywood Tradition.

Und natürlich sind die Filmemacher immer wieder auf Lincoln zurückgekommen. D. W. Griffith hat ihn porträtiert, in einem seiner wenigen Tonfilme, John Ford hat mehrere seiner Filme um ihn herumgesponnen, Robert Redford einen der Prozesse nach seiner Ermordung analysiert.

Und bald läuft in den USA Steven Spielbergs "Lincoln", eins seiner seit Jahren hartnäckig gehegten Projekte. Während Spielberg, der schon lange nicht mehr der anarchische Filmemacher ist, als der er einst das Kino auf den Kopf stellte, nun ein lexikontreues Biopic bewirbt, versuchen sich die "Vampirjäger"-Macher lieber am Mythos - bis der alte Abe am Ende doch noch von der Geschichte eingeholt wird, um mit der Kutsche, in Ford's Theatre zu fahren und endgültig zur Legende zu werden.

Totale Effektentfesselung

Diese Legende inszeniert Timur Bekmambetov actiongeladen und 3D-begeistert, sein Kino ist deutlich von der Bildsprache der Wachowski-Brüder und ihrer "Matrix" inspiriert. Die totale Effektentfesselung dabei erstickt ein wenig, dass Bekmambetov auch ein heißer Verehrer des deutschen Stummfilms ist. Gerne schwärmt er von Murnau und dessen "Nosferatu", von dem er sich ein paar Schattenspiele abgeguckt hat und die Lehre, dass auch kleine Effekte eine große Wirkung haben. Zum Beispiel als dem schüchternen Abraham, dem die Frauen mehr Angst machen als die Vampire, sein Zylinder zu Boden fällt und seine große Liebe Mary (Mary Elizabeth Winstead) einfach darauf steigt, um ihren Abraham besser küssen zu können.

Abraham Lincoln: Vampire Hunter, USA 2012 - Regie: Timur Bekmambetov. Buch: Seth Grahame-Smith, nach seinem Roman. Kamera: Caleb Deschanel. Mit: Benjamin Walker, Dominic Cooper, Anthony Mackie, Mary Elizabeth Winstead. Fox, 105 Min.