22. Januar 2013, 12:16 James-Bond-Film mit Lücken China zensiert "Skyfall"

In den meisten Ländern der Welt lief "Skyfall" bereits im Herbst an, nun ist das neue Abenteuer von James Bond auch in chinesischen Kinos zu sehen. Allerdings unvollständig und zensiert, wie oft bei ausländischen Produktionen. Kinofans machen ihrem Ärger online Luft.

Einen Tag nach der Kinopremiere des James-Bond-Films "Skyfall" in China machen zahlreiche Chinesen ihrem Ärger über eine zensierte Version des jüngsten 007-Films Luft.

Bereits die Vorgeschichte hatte für Unmut gesorgt: Am 1. November 2012 startete "Skyfall" in den deutschen Kinos, zeitgleich auch in vielen anderen Ländern der Welt. Auch China sollte darunter sein, doch die Behörden verzögerten den Kinostart bis zum 21. Januar. Es wird vermutet, dass die Verzögerung verhindern sollte, dass "Skyfall" einigen parallel anlaufenden chinesischen (und vom Staat unterstützen) Filmen zu große Konkurrenz machen würde.

"Es ist jedes Mal das Gleiche"

Die nun freigegebene zensierte Version wird von chinesischen Zuschauern harsch kritisiert: "Das ist nervig, es ist jedes Mal das Gleiche", schreibt Internetnutzer Niccilee in einem chinesischen Mikroblog. "Wir haben so lange auf diesen Film gewartet, und jetzt ist überall daran herumgeschnitten worden", fügt er hinzu.

Wie oft bei ausländischen Produktionen, so etwa bei Men in Black 3 und Fluch der Karibik, wurde auch die chinesische Version des Agentenfilms an mehreren Stellen verändert. Der Zensur zum Opfer fiel beispielsweise die Szene, in der ein französischer Profikiller einen chinesischen Wachmann in einem Wolkenkratzer in Shanghai tötet. "Haben sie Angst vor einem Nachahmungseffekt?", fragt Zuschauerin Leslie Zhuang online. Wenn solche Szenen weggeschnitten würden, solle der Film überhaupt nicht importiert werden.

Undurchsichtige Zensurregeln

Von Zensur betroffen sind zudem die Dialoge, die chinesischen Untertitel entsprächen oft nicht dem eigentlichen Text. Beseitigt wurde demnach unter anderem eine Anspielung Bonds über Prostitution in Macao. So fragt Bond seine Begleitung Severine (Berenice Marlohe) im Original, ob ihr Tattoo daher stammt, dass sie als junge Frau zur Arbeit als Prostituierte gezwungen wurde. Im Chinesischen fragt Bond sie, ob das Tattoo etwas mit der Mafia zu tun habe. Auch der Wortlaut eines Berichts des von Javier Bardem gespielten Film-Bösewichts über Folter durch chinesische Einsatzkräfte wurde geändert.

Die Zensurregeln in China sind undurchsichtig. Wenn ein Film ein nicht besonders schmeichelhaftes Bild des Landes oder seiner Bewohner zeigt, ist es selten, dass dieser die Prüfung durch die mächtige Radio-, Kino- und Fernsehaufsichtsbehörde unbeschadet übersteht. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Dienstag von Forderungen nach Reformen des Systems der Filmkontrolle in China. Der Bericht machte deutlich, dass Kritik an der Zensur inzwischen auch in der staatlichen Presse kein Tabu mehr ist.

Einstweilen umgehen viele Chinesen das Problem auf ihre Weise: Wie die BBC berichtet, sind seit Wochen Raubkopien des vollständigen Originals von "Skyfall" im Umlauf.