"13 Hours" im Kino So unpolitisch, dass es knallt

Safety last - John Krasinski, kämpferisch in Bengasi.

(Foto: Christian Black)

Michael Bay ist einer der letzten großen Naiven des Hollywoodkinos. Sein Actionfilm "13 Hours" über eine Attacke auf die US-Botschaft in Libyen 2012 ist Heldenkino, dem der politische Hintergrund komplett abgeht.

Filmkritik von Fritz Göttler

Normalerweise hat Michael Bay immer irgendwo demonstrativ einen Frauenhintern in seinen Filmen, erklärte im Wall Street Journal Mark Geist, Mitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens, von dessen Erlebnissen der neue Bay-Film "13 Hours" teilweise inspiriert ist.

Also hat er dem Regisseur - spaßeshalber, als Test - auch in diesem Film eine Stelle vorgeschlagen, an der man so ein Stück platzieren könnte. Nein, nein, habe Michael Bay, der Meister des scheppernden Blockbuster-Kinos - "The Rock", "Transformers", "Pearl Harbor" - sofort erwidert, wir machen das diesmal nicht.

"13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi" versteht sich also als ein seriöser Bay-Film. Er erzählt von den Attacken militanter und militärisch bestens ausgerüsteter Islamisten auf die amerikanische Botschaft in Bengasi im September 2012, bei denen der Botschafter J. Christopher Stevens und drei weitere Mitarbeiter getötet wurden.

Der damaligen Außenministerin Hillary Clinton wurde danach heftig vorgeworfen, die Entwicklung in Libyen falsch eingeschätzt und beim Schutz der Männer versagt zu haben - die Vorwürfe wurden dann in diversen Ausschüssen und werden immer noch im laufenden Wahlkampf in den USA zur Sprache gebracht.

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Nein, nein, hat Michael Bay bei der Präsentation der "13 Hours" in Amerika versichert: Natürlich sei das kein politischer Film. Es gehe allein um die Erlebnisse der tapferen Männer, die damals für die Sicherheit der Botschaft und eines benachbarten geheimen CIA-Zentrums zuständig waren, die 13 Stunden einer gewaltigen Übermacht trotzten, bis sie von einer US-Army-Einheit gerettet wurden.

Selten hat es ein Verschweigen gegeben, das lautstärker gesprochen hätte

Ein Alamo-Effekt, ein kleines Team erprobter, verschworener Kämpfer. Der Name Hillary Clinton fällt an keiner Stelle des Films. Selten hat es eine Lücke, ein Verschweigen gegeben, das lautstärker gesprochen hätte.

Michael Bay ist einer der letzten großen Naiven des Hollywoodkinos, in seiner Attitüde mehr noch als in seinen Filmen. Man spürt da eine Sehnsucht nach dem reinen Americana, nach Momenten, in denen die Helden ganz bei sich sind, wie Mark Wahlberg und seine Tochter es in der ersten halben Stunde von "Transformers 4" sind. Aber dann packt all diese Filme ein Misstrauen diesen Momenten gegenüber, sie schlagen um in Hektik und fühlen sich sehr viel wohler dabei.

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John Krasinski ist der Held der "13 Hours", man hat ihn noch in Erinnerung als den schweigsamen Piloten in Cameron Crowes "Aloha", der nicht redet und wenn, dann in Untertiteln.

Hier redet Krasinski, und er macht das, wie man es kennt aus diesen Barrikadenfilmen: Erinnerungen austauschen mit den Kumpels, skypen mit der Familie daheim in Amerika, den Schatten von 9/11 beschwören - es ist am 11. September 2012, als der brutale Angriff startet.

Man fühlt sich sogar an Kurosawa erinnert

So entwickelt sich "13 Hours" zum klassischen Western, mit Islamisten als Indianern, die das Fort bestürmen. Das Feld vor den Mauern ist labyrinthisch mit Tüchern an Leinen verhängt, das sieht ein wenig aus wie in den verrückten Schlachtenszenen von Kurosawa, der in den Siebzigern und Achtzigern die Jungs des neuen amerikanischen Kinos inspirierte und von Coppola und Lucas bei der Produktion seiner späten Filme unterstützt wurde.

Bengasi ist einer der gefährlichsten Orte im Nahen Osten, wird uns versichert, aber man erlebt dennoch Reste von Kommunikationsversuchen in der unkontrollierbaren Stadt. Immer wieder ziehen die Amerikaner unverdrossen los, in kleinen Konvois, um sich mit Politikern oder Wirtschaftsleuten in der Stadt zu treffen, und in diesen lustvollen Momenten hektischer Ungewissheit in den Straßen und Cafés, in diesem Geflecht aus nervösen Blicken und subversiven Gesten, in sinnlosen, aggressiven Straßensperren fühlt Michael Bay sich doch sehr wohl.

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Einmal schafft er auch starke Emotion, schmerzlich und horrend - beim Tod des Botschafters und seiner Leute, der überhaupt nichts Heroisches an sich hat.

13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi, USA 2016 - Regie: Michael Bay. Buch: Chuck Hogan. Nach dem Buch von Mitchell Zuckoff. Kamera: Dion Beebe. Musik: Lorne Balfe. Schnitt: Pietro Scalia, Calvin Wimmer. Mit: John Krasinski, James Badge Dale, Pablo Schreiber, David Denman, Dominic Fumusa, Alexia Barlier. Paramount, 144 Minuten.