Yahoo-Chefin Mayer Gewagt in der "Vogue"

"Too sexy for IT?" In der aktuellen "Vogue" räkelt sich Yahoo-Chefin Marissa Mayer in High Heels und blauem Kleid auf einer Chaiselongue. Nun diskutiert Amerika: Wie sexy darf eine Chefin sein?

Von Kathrin Werner, New York

Bei den meisten Konzernchefs will es schlicht keiner sehen, wenn sie sich lasziv auf Gartenliegen räkeln. Bei Marissa Mayer ist das anders. In der Septemberausgabe der amerikanischen Modezeitschrift Vogue zeigt die Yahoo-Chefin ihre glamouröse Seite: in einem spektakulären blauen Kleid und High Heels liegt sie kopfüber und blondhaarwallend auf einer Chaiselongue, in der Hand ein Tabletcomputer, auf dem ihr Gesicht in Nahaufnahme zu sehen ist. Sie sieht sehr, sehr gut aus.

Wie sexy darf ein Unternehmenschef sein - beziehungsweise in diesem Fall: eine Chefin? Mayers Foto hat eine Diskussion losgetreten in Amerikas Wirtschaftswelt, in der neben Mayer nicht allzu viele Vorstandsvorsitzende gibt, die als sexy durchgehen.

"Too sexy for IT?", fragt die PR-Beratungsfirma Impact Infotech auf Twitter. Dutzende Artikel mit der Überschrift "Too sexy for CEO", also zu heiß für eine Unternehmenschefin (Chief Executive Officer), sind im Internet erschienen. "Marissa Mayer wirkt wie eine nerdige karrieresüchtige Barbie", twittert eine Leserin. "Marissa Mayer, mein persönlicher! (OK, ich träume) Informationsguru hat's endlich in die Vogue geschafft", schreibt der deutsche Moderator Cherno Jobatey.

Hochschwanger auf den Chefposten

Sie sollte sich seriöser präsentieren und mehr mit ihren fachlichen Leistungen als ihrem Aussehen hausieren gehen, glauben viele. Schließlich hat sie einiges vorzuweisen.

Bei Google zählte sie jahrelang zu den wichtigsten Managern, dort war sie IT-Ingenieurin - und die erste Frau im Unternehmen. Hochschwanger und gerade 37 Jahre alt wechselte sie auf den Chefposten beim angeschlagenen Internetkonzern Yahoo. Mit dem geht es seither bergauf. Sie übernahm hippe Web-Start-ups, zahlte etwa für den Blog-Dienst Tumblr 1,1 Milliarden Dollar. Seit ihrem Amtsantritt im Sommer 2012 ist der Aktie um fast 74 Prozent gestiegen.

Zu dem Foto hat die Vogue ein langes Portrait über die Yahoo-Chefin geschrieben, es geht sehr viel um Mode - auch das ist ein kleiner Tabubruch für viele Managerinnen, die lieber als Amtsträgerin denn als Frau wahrgenommen werden wollen. Ihre Arbeitsuniform, so die Zeitschrift, seien Strickjäckchen des Designerlabels Oscar de la Renta. Zum Interview trägt sie den Kaschmirbolero in braun, aber im Kleiderschrank hinge das gleiche Modell noch in den Farben elfenbein, marineblau, schwarz, pink, petrolblau, rot und königsblau, neue Farben kämen in jeder Saison dazu. "Sie ist ein ungewöhnlich stylischer Geek", schreibt das Magazin.

Wie ein Geek, also ein etwas merkwürdiger aber nicht unsympathischer Freak, wirkt Mayer wirklich: Lange erzählt sie über ihre Liebe zu Zahlen. Primzahlen mag sie gar nicht, ungerade Zahlen sind bei ihr insgesamt unbeliebt. "Ich mag gerade Zahlen sehr gern, und besonders solche, die viele Teiler haben. Die zwölf ist meine Glückszahl - ich liebe es einfach, wie schön man sie teilen kann", sagt sie.

Passend zum Artikel stellt die Vogue übrigens eine Bildergalerie: "Was würde Marissa Mayer tragen? Ein Ratgeber durch die Woche für Bürokleidung."