Immer schneller, immer mehr: In der modernen Welt wird der Mensch zum Getriebenen. Die Kommunikationsflut macht es schwer genug, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Und wo ist die Zeit, die wir durch moderne Technologien eigentlich einsparen wollen?
Fernbeziehungen, Dienstreisen, Laptops und Smartphones halten den Menschen ständig in Bewegung. Wohin auch immer er reist, die Arbeit kommt mit. Uneingeschränkt arbeiten zu können, das ist Fluch und Segen zugleich: "Die neuen Technologien haben ein Janusgesicht. Zunächst bedeutete es große Freiheit, dass wir plötzlich auch von zu Hause aus arbeiten konnten", sagt der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup in der Diskussionsrunde von Bayerischem Rundfunk und Süddeutscher Zeitung. "Das Problem ist aber, dass der Arbeitnehmer dadurch immer mehr zum Unternehmer seiner selbst wird, zum Getriebenen - durch den Chef, aber auch durch sich selbst."
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Im SZ-Forum diskutierte Bert Rürup mit SZ-Redakteurin Sibylle Haas (mitte) über Mobilität. Moderiert hat Sybille Giel (rechts). (© Alessandra Schellnegger)
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Wir sind Getriebene, weil nicht nur alles immer schneller wird, sondern auch immer mehr, sagt Beschleunigungsforscher Hartmut Rosa. Der Soziologe lehrt an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und fragt sich, wo die Zeit geblieben ist, die wir durch schnellere Reisemittel oder Kommunikationskanäle einsparen. "Mit jeder neuen Technologie werden wir Opfer einer Selbsttäuschung", sagt er. "E-Mails sind zwar schneller als Briefe. Aber wir schreiben so viel mehr als früher, dass diese Mengensteigerung die Zeitersparnis überwiegt."
Durch neue Technologien gewinnt der Mensch ständig neue Möglichkeiten hinzu. "Das ist eine große Chance", so erlebt es Agnes Justen-Horsten, Psychotherapeutin vor allem für Menschen, die mobil leben. "Doch gleichzeitig wird es für uns immer schwerer, Entscheidungen zu treffen." Angesichts der großen Auswahl müsse der Mensch viele Chancen vorbei ziehen lassen. Das könne ihn sehr belasten: "Wir müssen ständig innerpsychisch rechtfertigen, warum wir uns so entschieden haben."
Ein natürlicher Reflex ist es daher, alle Möglichkeiten ausschöpfen zu wollen. Die Menschen versuchen, vieles gleichzeitig zu erledigen, bleiben abends länger im Büro und nehmen ihr Blackberry sogar mit ins Bett, um auch nachts nur nichts zu verpassen. Schlauer oder leistungsfähiger werden sie dadurch nicht, sagt Gehirnforscher Manfred Spitzer: "Das Gehirn lernt ständig. Wenn es alles auf einmal machen soll, dann lernt es, unkonzentriert zu sein." So entstehe ein Aufmerksamkeitsdefizit.
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Das bedeutet doch zu 98% TV, oder?
Ausserdem kann man solcherlei amerikanische Studien getrost ungelesen in die Ablage P entsorgen. Informationswert NULL, wie halt auch der Grossteil "der Medien".
Das Problem ist nicht, dass wir immer schneller an immer mehr Informationen kommen [könnten]. Das Problem ist die Anspruchshaltung, die daraus entsteht. Kinder dürfen heute nicht mehr spielen, sie müssen schon im Kiga englisch und bruchrechnen lernen, kaum sind sie zuhause, wartet tennis und Klavieruntericht auf sie. Dass sie "medienkompetenz" schin im Vorschulalter haben müssen, versteht sich von selbst. Gefühlte 3/4 aller 10-Jährigen verfügen über ein Smart-Phone. Wozu? Sie benützen die technik souverän, haben aber zu 99,99% nicht den blassesten Dunst einer Ahnung, was sie da eigentlich machen und wie es funktioniert. Die Frage "braucht man das?" darf man nicht stellen. Sie wachsen in einer Scheinwelt auf, deren einziges Ziel "immer schneller immer mehr" ist.
Das ist jedoch kein Problem der Medien oder der technik, es ist ein gesellschaftliches. Und kann auch nur so gelöst werden. Solange bei uns die BWLer und Steuerberater das Sagen haben, solange Marketing und Trends mehr Macht als Erkenntnis besitzt, wird sich nichts ändern.
später wird dann der Laptop zum Bettgenossen.