Überfordert und dem Zusammenbruch nahe: Ein Studium hält heute nur durch, wer die richtigen Strategien des Stressmanagements kennt.
Die Bologna-Reform an den Hochschulen ist im Jahr 2009 zehn Jahre alt geworden. Die Verantwortlichen haben ihr "Geburtstagskind" jüngst auf einer Jubiläumskonferenz einmal hochleben lassen. Viele Studenten wollten aber nicht gratulieren: Sie klagen über Leistungsdruck, Prüfungsstress und zu volle Lehrpläne. Daran scheitern auch viele Studienabbrecher in Bachelor-Studiengängen, wie eine Studie ergeben hat. Studenten müssen in Bologna-Zeiten daher vor allem eins lernen: mit Stress umzugehen.
Bild vergrößern
Wer studieren will, muss mit Stress umgehen können. (© Foto: iStock)
Anzeige
Überfordernde Lehrpläne
Schuld am Bachelor-Blues mancher Aussteiger ist, dass die neuen Lehrpläne viele Studierende überfordern: Leistungsprobleme und Prüfungsversagen sind die Hauptgründe für einen Studienabbruch. Das hat das Hochschul-Informationssystem (HIS) in Hannover ermittelt, das Abbrecher befragt hat.
Auch wenn Politiker und Hochschulvertreter jetzt beteuern, die mangelnde Studierbarkeit sei bereits erkannt worden und solle schleunigst geändert werden - für die momentan eingeschriebenen Studenten kommt das zu spät. "Jetzt werden erstmal zwei Generationen von Studenten da durchgeschleust", sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk in Berlin. "Und die sind nun die Dummen", ergänzt Walburga Wolters, Studienberaterin an der Uni Köln. Denn sie müssten vorerst zurechtkommen mit Dauerstress und Prüfungen am Fließband. "Das ist zum Teil ein echter Marathon."
Management und Evaluation
Jugendliche dürfen daher keine falschen Vorstellungen vom Studentenleben haben: "Im Bachelor ist eine 40-Stunden-Woche vorgesehen. In der Praxis sind es oft mehr", sagt Wolters. Mit den anderen Dingen des Lebens lässt sich das nur durch ein gutes Zeitmanagement vereinbaren. "Am besten legt man Semester-, Wochen- und Tagespläne an. In die gehören die Zeiten in der Uni, aber auch die Zeit für das Selbststudium. Da verschätzen sich viele." Auch müssen Bachelor-Studenten sich mental wappnen:
"Dinge wie Stressmanagement und Selbstorganisation gehören heute zum Studium dazu", sagt Grob. Das sei für manche gewöhnungsbedürftig: "Ein Studium klingt heute ein bisschen wie ein Managementkurs." Zum Management kommt noch die Evaluation der eigenen Studienleistung. So sei im Bachelor mehr Selbstkontrolle gefragt, meint Wolters: "Ich muss mich fragen: Halte ich Lernzeiten ein?" Das hilft, eine Überforderung zu erkennen. Und Studenten müssten die eigenen Schwächen kennen. "Dafür gibt es jetzt Self-Assessments", also Tests, um sich selbst besser einschätzen zu können.
Rechtzeitig Hilfe holen
Geraten Studenten in eine Krise, sollten sie sich nicht scheuen, psychologische Hilfsangebote zu nutzen, sagt Grob. Schließlich sei Prüfungsangst nichts Ungewöhnliches, "man gilt dann nicht als krank." Studenten dürfen aber nicht erst Alarm schlagen, wenn sie durch den Leistungsdruck schon völlig am Ende sind. "Man darf das nicht verschleppen, sondern muss sich rechtzeitig Hilfe holen", sagt Wolters.
Die Angst vor Prüfungen lasse sich überwinden, indem Studenten solche Situationen regelmäßig üben. Ein gutes Mittel seien Rollenspiele. So bekämen Studenten die eigene Unsicherheit besser in den Griff, wenn sie eine Prüfung vorab mit Kommilitonen durchspielen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Überlastung im Studium Reif für die Klinik - schon vor dem Diplom 12.03.2010
- 10 Jahre Bologna-Reform Lasst die Korken knallen! 11.03.2010
- Arbeitsmarkt Studiert - und am Ende überqualifiziert 22.02.2010
- Bachelor-Studenten Leiden für die Leistung 18.02.2010
- Steuervorteile Hoffnung für Studenten 18.02.2010
- Laptops in der Vorlesung Klappe zu, Student allein 20.05.2010
- Bologna-Konferenz Randale während der "Schavan-Show" 17.05.2010
Eurovision Song Contest
"Glückliche Archäologen finden im Zweifel eher einen Job als unglückliche BWLer."
Klingt nett, stimmt aber nicht. Abseits solch schöner Sätze, die man Studienanfängern in geisteswissenschaftlichen Fächern in den Einführungsveranstaltungen erzählt, sind die Berufsaussichten mit Fächern wie Sinologie oder Archäologie einfach erschreckend. In allzu vielen Bereichen gilt ein Abschluss eines geisteswissenschaftlichen Studiums als leichte Form der Behinderung...
Nicht schön, aber wahr.
welche rente?
die hat sich die Generation der jetztigen Studierenden, zu der ich auch gehör, eh schon abgeschminkt.
zitat:
" Abbrecher sollten aber nicht alles hinwerfen, sondern neu starten."
...ob's bis zur rente was wird?
Archäologie ist also der neue Boommarkt?
"Glückliche Archäologen finden im Zweifel eher einen Job als unglückliche BWLer"
Sehr kompetenter Gesprächspartner!
Den BWLer der jetzt einen guten Job findet, den soll er mir mal zeigen :)
Das trifft max. auf 10% der Absolventen zu...