Smalltalk Ziel: Etwas Neues entdecken

Daher komme es beim geschäftlichen Smalltalk weit mehr auf ein gutes Gespür für das Gegenüber als auf einen hohen Wortanteil an. "Es geht nicht darum, möglichst viel zu reden. Das Ziel sollte sein, durch den Smalltalk etwas Neues bei meinem Gegenüber zu entdecken und nach Gemeinsamkeiten zu fahnden. Darum sind Selbstdarstellungen unter dem Motto ,Mein Haus, mein Auto, mein Boot' echte Killer", warnt Cyriax.

Smalltalk funktioniert also wie ein kommunikatives Abtasten. Auf Belehrungen oder großmundige Prophezeiungen sollte man daher genauso verzichten wie auf Themen, die zu kompliziert sind, um sie in einer kurzlebigen und losen Runde zu besprechen. "Lieber übers Wetter reden als über Politik" - diese Faustregel gilt heute mehr denn je, findet Stephan Lermer, Kommunikationscoach aus München. "Als geübter Internet-Nutzer meint man heute, über viele noch so komplizierte Dinge Bescheid zu wissen. Doch wenn wir darüber reden, entlarvt sich das, was wir sagen, sehr häufig als fatales Halbwissen."

Bei politischen Themen ist die Gefahr des Missverstehens besonders groß. "Nehmen Sie eine Person wie Franz Josef Strauß", sagt Lermer. "Das politische Wirken dieses Mannes ist so ambivalent, dass man sich bei einer Meinungsäußerung über ihn schnell in die Nesseln setzt. Und wenn ich mich nach meiner Aussage erst einmal umständlich erklären muss oder inhaltlich zurückrudere, dann ist die Leichtfüßigkeit, die einen gelungenen Small Talk auszeichnet, längst ruiniert."

Mit dieser Leichtigkeit ist es auch vorbei, wenn die Gesprächsstimmung plötzlich ins Negative kippt. Zum Beispiel, wenn Themen wie Fitness und Gesundheit in eine Krankheitslitanei münden. In dieser Hinsicht gefährlich sind - besonders heute - die Themen Wirtschaft und Finanzen: Die Krisen dauern an, und es gibt gute Gründe für dunkle Prognosen, erst recht auf geschäftlichem Parkett. Doch im beruflichen Smalltalk darf nach Ansicht von Lermer die Apokalypse keinen Platz bekommen. "Ich will schließlich, dass der Smalltalk zur Eintrittskarte in ein Netzwerk wird. Mit düsteren Prophezeiungen oder Lästereien ist man dort jedoch wenig erwünscht."

Unverkrampft üben

Trotz der vielen Fallen: Smalltalk ist kein Hexenwerk. "Man sollte auch nicht übertrainiert in die Gespräche gehen, da man sonst nur noch wie eine Schablone wirkt und nicht mehr wie ein Mensch", sagt Beraterin Cyrax, die ungeübten Smalltalkern rät, gezielt nach Situationen Ausschau zu halten, in denen sie unverkrampft üben können: "Man kann zum Beispiel in Ruhe zu Hause bei der Zeitungslektüre nach Themen fahnden, die einen interessieren, und dann das Gespräch mit dem Nachbarn suchen, um diese zu testen."

Lermer gibt Lernwilligen gleich zwei Orte an die Hand: "Erstens die USA, wo die Leute es einfach drauf haben, sich zunächst abzutasten, sich dadurch kennenzulernen - und dann zur Sache zu kommen. Und zweitens die Taxis. Die Gespräche mit dem Fahrer sind Smalltalk pur. Wer auf den Weg zu Bewerbungsgesprächen in verschiedenen Städten die diversen Smalltalk-Mentalitäten kennenlernt, den wirft später so leicht nichts mehr um."