Raumfahrt Zwei Frauen für eine Raketenkarriere

Die beiden Bewerberinnen, die sich im Wettbewerb "Die Astronautin" durchgesetzt haben, sind in jeder Hinsicht fit für den Weltraum. Vielleicht endet ihre Mission jedoch schon vor dem Abflug.

Von Larissa Holzki

Nicola Baumann, Eurofighter-Pilotin aus Köln oder Insa Thiele-Eich, Meteorologin aus Bonn - eine von ihnen soll als erste deutsche Frau zur Internationalen Raumstation ISS fliegen. Die beiden haben sich im Wettbewerb einer privaten Initiative gegen rund 400 Ingenieurinnen, Pilotinnen und Wissenschaftlerinnen durchgesetzt und sollen nun an ersten Astronauten-Trainings teilnehmen. Ob tatsächlich etwas wird aus der für 2020 geplanten zehntägigen Weltraummission, bei der eine der beiden dann den Flug ins All antreten sollen, ist jedoch noch nicht sicher: Das Vorhaben, das inklusive der Astronautinnen-Ausbildung auf Kosten von 50 Millionen Euro geschätzt wird, soll von privaten Sponsoren ermöglicht werden und ist noch nicht finanziert.

Eine ungewöhnliche Karriere können die beiden Gewinnerinnen allerdings jetzt schon vorweisen. Welche von ihnen zur ISS fliegt, entscheidet sich während der zweijährigen Ausbildung.

Nicola Baumann hat nach dem Abitur eine Offiziersausbildung durchlaufen und in den Vereinigten Staaten gelernt, ein Kampfflugzeug zu fliegen. Für die Bundeswehr hat sich die gebürtige Münchnerin entschieden, weil sie für eine Ausbildung bei der Lufthansa fünf Zentimeter zu klein war. Damals hat es sie allerdings viel Mut gekostet, sich als Frau bei der Luftwaffe nach Karrierechancen zu erkundigen. Heute arbeitet sie auf dem Fliegerhorst in Nörvenich bei Köln und ist eine von drei Frauen in Deutschland, die den Eurofighter fliegen können. Um die Aussichten auf eine Raumfahrtkarriere zu verbessern, hat die 31-Jährige Maschinenbau studiert.

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Insa Thiele-Eich arbeitet daran, die Wetter- und Klimavorhersage zu verbessern. An der Universität in Bonn untersucht die studierte Meteorologin unter anderem, wie Wasser und Energieaustausch zwischen Boden, Vegetation und Atmosphäre vonstatten gehen. In ihrer Doktorarbeit befasst sie sich mit den Auswirkungen des Klimawandels in Bangladesh. Wenn die 33-Jährige für zehn Tage zum Forschen auf die ISS geschossen wird, wird wohl ihr Mann auf die beiden Töchter aufpassen. Die jüngere malt jetzt schon Bilder von Mama in der Rakete.

Den Initiatorinnen von "Die Astronauten" geht es neben dem ersten Weltraumflug einer Deutschen vor allem um die Vorbildfunktion, die damit verbunden ist: Mädchen in Deutschland zu zeigen, dass auch Frauen in Fächern wie Physik, Maschinenbau und Raumfahrttechnik buchstäblich ganz hoch hinaus kommen können.

Das unterstützt auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries: "Mit Insa Thiele-Eich und Nicola Baumann schickt Deutschland zwei hervorragende Frauen in die Ausbildung zur Astronautin", sagt sie. Sie seien gute Vorbilder, um auch andere junge Frauen für technisch-naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern. "Unsere Wirtschaft braucht mehr hochqualifizierte Fachkräfte insbesondere in der Hochtechnologiebranche der Luft- und Raumfahrt, die so wichtig für den Standort Deutschland ist", sagt Zypries.

Die Initiatorin Claudia Kessler ist Geschäftsführerin der deutschen Niederlassung von Hernandez Engineering Space, einer Art Zeitarbeitsfirma für Raumfahrt, und vermittelt dort bislang hauptsächlich Männer in entsprechende Forschungsprojekte. Das will sie langfristig ändern. Um die wenigen Frauen in der Branche zu vernetzen und zu fördern, hat sie bereits 2009 zusammen mit Simonetta Di Pippo, die dem Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen vorsitzt, den Verein Women in Aerospace Europe gegründet.

Insgesamt waren in der Geschichte der Raumfahrt bislang rund 60 Frauen im All, die meisten von ihnen US-Amerikanerinnen. Derzeit ist im Weltraum die 57-jährige Biologin Peggy Whitson, die in den vergangenen Wochen mehrfach an der Außenwand der ISS entlang kletterte, um eine neue Andockstation für Raumkapseln einzurichten. Im Herbst wird Whitson nach fast zehnmonatigem Einsatz zur Erde zurückkehren.

Neben Initiatorin Claudia Kessler waren Pascale Ehrenfreund, Vorsitzende des DLR, Johannes von Thadden, Geschäftsführer der Airbus Defence and Space, sowie Ulrich Walter, Astronaut und Professor am Lehrstuhl für Raumfahrttechnik an der TU München, bei der Wahl der ersten deutschen Astronautinnen stimmberechtigt. Neben der Frauenförderung in der Raumfahrt haben die Begründerinnen und Unterstützer des Wettbewerbs weitere Interessen: Sie wollen unter anderem wissen, wie sich der Körper von Frauen in der Schwerelosigkeit verhält. Die erste deutsche Astronautin wird deshalb nicht nur Forscherin, sondern gewissermaßen auch Forschungsobjekt sein.

Bereits der Auswahl- und Trainingsprozess im Rahmen des Wettbewerbs war für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wissenschaftlich relevant: Von den ursprünglich mehr als 400 Bewerberinnen haben 120 an psychologischen Eignungstests teilgenommen und der Raumfahrtmedizin und -psychologie dabei Erkenntnisse über Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei den Werten für Männer und Frauen ermöglicht. Die Kandidatinnen wurden unter anderem auf Konzentrations- und Merkfähigkeit, räumliche Vorstellungskraft, physische und psychische Belastbarkeit getestet.

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