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Symposium im Fliegerhorst:Schneller Weg ins Cockpit

"Ich bin froh und dankbar dafür, dass ich Kampfflugzeuge fliegen darf." Nicola Baumann ist eine begeisterte Pilotin.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Luftwaffe wirbt um junge Piloten. Doch die Anforderungen an die Bewerber haben sich geändert. Das erschwert die Suche.

Von der "Faszination des Fliegens" ist beim Symposium im Fliegerhorst am Dienstag oft die Rede gewesen. Im Cockpit eines Jets zu sitzen, das sei bereits ein Kindheitstraum gewesen, sagte die 30 Jahre alte Nicola Baumann, wie viele andere auch. Die Münchnerin hat schon den Tornado gesteuert und lässt sich jetzt auf dem Eurofighter ausbilden. Hauptmann Baumann liebt das schnelle Fliegen und die waghalsigen Manöver, Hauptsache sie ist weg vom Boden. Vor den versammelten Generälen und Militärs, auch aus Österreich und der Schweiz, stellte sie im Hörsaal des Fliegerhorstes in einem beeindruckenden Vortrag dar, weshalb sie mit 19 Jahren zur Bundeswehr ging, um fliegen zu lernen.

Eine junge Frau, eine begeisterte Pilotin: Darüber, so meint man, müsste sich die Luftwaffe uneingeschränkt freuen. Doch ganz so ist es nicht. Die fliegende Truppe hat nämlich zu kämpfen mit fehlendem und mangelhaftem Material, dem Wegfall von Standorten sowie der Reduzierung ihrer personellen Größe und neuen Anforderungen. Deshalb sucht die Luftwaffe nach Bewerbern, die gerne fliegen, sich mit Mitte 40 oder Anfang 50 aber auch als Offiziere in den Stabsdienst am Boden integrieren lassen. Brigadegeneral Lutz Kohlhaus vom Kommando Luftwaffe, der das Symposium über die Zukunft der Piloten bei der Bundeswehr angeregt hatte, sagte, dieser Beruf bestehe auch darin, nach vielen Flügen, die gemachten Erfahrungen an den Nachwuchs weiterzugeben oder für die Weiterentwicklung der Luftwaffe fruchtbar zu machen. Flexibilität ist gefragt, schließlich bleiben die Piloten der Zukunft auch mal am Boden und steuern von dort aus ein "ferngelenktes Luftfahrzeug", sagte Kohlhaus.

Ob die Bundeswehr mit dieser Karriereplanung genügend Nachwuchs für die Cockpits der Kampfjets gewinnt, damit befasste sich Roland Obersteg vom Personalmanagement der Bundeswehr. Die Bewerber, die zur Luftwaffe möchten, sagte er, kämen nach wie vor mit dem Wunsch zu fliegen. Die Offizierskarriere spiele seinen Erfahrungen nach eine untergeordnete Rolle. Nach den ersten Tests, die sich vor allem auf die Fähigkeiten für eine Offizierlaufbahn konzentrieren, bleiben vielleicht auch deshalb schon viele Bewerber auf der Strecke. Noch ergeben sich daraus laut Obersteg keine Nachwuchsprobleme, doch mit dem Schrumpfen der jungen Bevölkerung könnte sich das bald ändern. Zumal es der Luftwaffe - im Unterschied zu Heer und Marine - auch weniger gelingt, junge Frauen anzusprechen. Wer Pilot im Kampfjet werden will, sei meist männlich, sagte Obersteg. Dazu passen auch Erfahrungen, die Baumann gemacht hat. Sie sei lange Zeit um den Informationsstand der Luftwaffe herumgeschlichen, ehe sie sich getraut habe, einen jungen Offizier dort anzusprechen.

Obersteg schlug deshalb vor, technische Studiengänge nur für Frauen anzubieten. Auch von dem neuen Studiengang Aeronautics erhofft sich die Bundeswehr mehr Aufmerksamkeit bei den Jugendlichen. Denn sie steht zum einen im Wettbewerb mit der Zivilluftfahrt, zum anderen leidet sie aber auch darunter, dass das Image der Luftfahrtbranche gesunken ist. Die Löhne sind gesunken, die Arbeitsplätze unsicherer geworden, analysierte Peter Soller, Brigadier (in Deutschland Brigadegeneral) der Schweizer Luftwaffe: "Der Glanz ist nicht mehr so groß wie noch vor 20 oder 30 Jahren."

Was die jungen Frauen angeht, sprach Baumann auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie an. "Ich möchte Kinder", sagte sie, "und ich möchte Kapitän einer Eurofighter-Staffel werden." Beides vereinen zu können, daran hat sie nach elf Jahren Luftwaffe Zweifel. Auch ihr Mann ist Pilot. Gebe es genügend Verständnis, wenn einer von beiden mal ausfalle, weil er sich um ein krankes Kind kümmern müsse?, fragte sie. Und wie viel Zeit werde sie haben, um das Aufwachsen ihrer Kinder begleiten zu können? Nicola Baumann hat die Luftwaffe gewinnen können. Doch die Antworten auf die Fragen der Pilotin werden darüber mitentscheiden, wie viele junge Männer und Frauen sich künftig melden werden für einen Platz im Cockpit eines Kampfjets.