Plagiatsvorwürfe gegen Kultusminister Doktorarbeit: Althusmann soll abgeschrieben haben

Ausgerechnet Bernd Althusmann, Niedersachsens Kultusminister, gerät wegen seiner Doktorarbeit unter Druck. Er soll plagiiert haben. Dabei kümmert sich der CDU-Politiker als amtierender Präsident der Kultusministerkonferenz gerade vor allem um die Qualitätssicherung an Hochschulen. Er räumte bereits Fehler ein.

Wie die Dominosteine: Seit Karl-Theodor zu Guttenberg stürzt ein Politiker nach dem anderen über seine mangelhafte Doktorarbeit. Silvana Koch-Mehrin von der FDP wurde der akademische Grad bereits entzogen, die Arbeit ihres Parteikollegen Jorgo Chatzimarkakis wird derzeit noch geprüft und auch der Waiblinger CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Pröfrock muss seinen Doktor ablegen, wie die Universität Tübingen an diesem Mittwoch bekanntgab. Die Untersuchung seiner Arbeit durch die juristische Fakultät habe ergeben, dass in der Arbeit in nicht unerheblichem Maße fremde Texte wörtlich übernommen worden seien, ohne dass dies kenntlich gemacht wurde.

Der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) soll in seiner Doktorarbeit plagiiert haben.

(Foto: dapd)

Diesem Vorwurf sieht sich nun auch Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) ausgesetzt. Der 44-jährige Minister soll in seiner Dissertation an vielen Stellen inhaltliche wie wörtliche Übernahmen aus anderen wissenschaftlichen Werken nicht als solche gekennzeichnet haben, berichtet die Wochenzeitung Die Zeit.

Besonders pikant: Althusmann ist amtierender Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), des wichtigsten Gremiums der deutschen Bildungspolitk. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist die Sicherung der "Qualitätsstandards in Schule und Hochschule".

Ausgerechnet eine Analyse der Doktorarbeit (PDF hier) Althusmanns hat nun ergeben, dass die untersuchten Hauptkapitel offenbar eine "großflächig angelegte Kollage von Zitaten" sind. Anstatt diese deutlich zu kennzeichnen, habe Althusmann in Fußnoten häufig unbestimmt durch ein "vgl." auf andere Autoren verwiesen und dabei die Technik des verschleierten Kopierens angewandt, heißt es. Unstimmigkeiten fänden sich auf 88 von 114 untersuchten Seiten der Schrift.

Althusmann räumte am Mittwoch mögliche handwerkliche Fehler beim Zitieren ein und entschuldigte sich dafür. Zugleich betonte der CDU-Politiker aber, dass er keinerlei Textpassagen ohne Quellenangabe kopiert habe. Alle übernommenen Textstellen seien mit Autor und Seitenzahl angegeben worden. Er habe die Universität Potsdam um die Überprüfung seiner 2007 abgegebenen Arbeit gebeten. Dies werde etwa vier Wochen in Anspruch nehmen.

Politische Konsequenzen schloss er zunächst aus. "Für meine Ämter habe ich, auch nachdem ich den Ministerpräsidenten gestern informiert habe, entschieden, dass dies eine Krise ist, die ich durchzustehen habe."

Ein Regierungssprecher in Hannover sagte am Mittwoch, Ministerpräsident David McAllister (CDU) werde die Ergebnisse der Universitätsprüfung abwarten.

Die Universität Potsdam kündigte bereits an, sie werde den Vorwürfen nachgehen, der Promotionsausschuss der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät werde sich in Kürze mit dem Fall befassen.

Althusmann promovierte 2007 als externer Doktorand an der Uni Potsdam mit einer Arbeit über die Organisation der öffentlichen Verwaltung. Eine Überprüfung der Arbeit durch eine Plagiatssoftware blieb damals aus, wie die Zeit berichtet. "Das werden wir in Zukunft ändern" zitiert die Zeitung Althusmanns Doktorvater Dieter Wagner.