OECD-Studie zur Bildung Starren auf bloße Zahlen

Wieder einmal rechnet die OECD den Deutschen vor, dass sie zu wenig in Bildung investieren. Das wird jedoch kein Weckruf sein: Die Politik verschiebt heikle Fragen einfach auf die Zeit nach der Wahl.

Ein Kommentar von T. Schultz

Die Bildungsexperten der OECD stehen mittlerweile im Ruf, Miesmacher zu sein und den Deutschen immer wieder schlechte Noten zu verpassen. Dabei könnte man durchaus dankbar dafür sein, dass sie das Thema Bildung immer wieder nach vorne bringen. Zwar beteuern die Spitzenpolitiker im Wahlkampf in jedem zweiten Satz, sie wollten mehr für die Bildung tun. Doch dann belassen sie es im Ungefähren.

Es fängt mit dem Geld an. Wieder einmal rechnet die OECD den Deutschen vor, dass sie vergleichsweise wenig in Bildung investieren. Die Zahlen sind zwar nicht ganz frisch, beschreiben aber ein weiterhin akutes Problem. Merkels Bildungsgipfel im vergangenen Jahr hatte die heikle Finanzfrage einfach auf die Zeit nach der Wahl verschoben.

Zusatzbeiträge für die Bildung

SPD und Grüne fordern nun einen "Bildungssoli". Das ist ehrlicher als immer nur Steuersenkungen zu versprechen. Wenn Bürger Zusatzbeiträge für die Bildung zahlen sollen, müssen sie allerdings sicher sein können, dass das Geld die Kindergärten und Schulen wirklich verbessert.

In der Bildungspolitik ist schon vieles begonnen, aber nur wenig zu einem guten Ende geführt worden: Viele Ganztagsschulen sollten entstehen, in Wahrheit gibt es oft nur ein paar unverbindliche Betreuungsstunden. Die frühkindliche Bildung sollte gestärkt werden, in Wahrheit sind oft nur ein paar Kita-Plätze vorhanden - und die Zahl der Erzieherinnen ist nicht größer, die Qualität der Angebote nicht besser geworden.

Eine Schwäche der Bildungspolitik, allerdings auch der OECD, ist ihr quantitativer Fokus, ihr Starren auf bloße Zahlen und Quoten. Mehr Kindergärten, mehr Abiturienten, mehr Studenten - all das ist nur sinnvoll, wenn auch die Qualität stimmt.