Obermann holt Frauen in den Vorstand Die Drei von der Telekom

Als erster Dax-Konzern hat sich die Telekom im vergangenen Jahr eine Frauenquote für die Führungsetage auferlegt. Konzernchef René Obermann führt seinen Kampf für mehr weibliche Vorstände fort: Gleich drei Frauen sollen in die Vorstandsriege des Unternehmens aufsteigen. Damit würde die Telekom sogar die Quote übertreffen, die sie sich selbst verordnet hat.

Von Varinia Bernau

Mit der Gleichberechtigung ist das so eine Sache. Immer wieder, so erzählt Telekom-Chef René Obermann, werde er auf seine wunderbare Frau angesprochen. Aber niemand nehme seine Ehefrau, die Fernsehmoderatorin Maybrit Illner, zur Seite, um ihr zu sagen, was für einen tollen Mann sie doch habe.

Telekom-Chef René Obermann will mehr Frauen in den Vorstand des Unternehmens holen.

(Foto: dpa)

Von den Spitzenmanagern und Stammgästen in ihrer Talkshow dürfte Illner aber kaum Wohlwollendes über ihren Mann hören. Viel Häme und Zynismus sei ihm entgegengeschlagen, sagt Obermann selbst, nachdem sich die Telekom im März vergangenen Jahres als erster Dax-Konzern das Ziel gesetzt hatte, bis 2015 jeden dritten Posten in ihren Führungsetagen mit einer Frau zu besetzen. Doch Obermann lässt sich nicht beirren.

Am Montag hat der Aufsichtsrat der Telekom beschlossen, dass zunächst zumindest zwei Frauen in den Vorstand einziehen: Claudia Nemat, bislang bei McKinsey Beraterin für den Hightech-Sektor, wird von Oktober an das wichtige, allerdings schwer gebeutelte Europageschäft führen. Und Baden-Württembergs einstige Bildungsministerin Marion Schick soll im kommenden Jahr das Personalressort übernehmen. Und auch auf einem weiteren Sitz an der Konzernspitze will Obermann dem Vernehmen nach noch eine Frau platzieren.

Drei von acht Vorstandsposten in weiblicher Hand - damit hätte die Telekom sogar die Quote übertroffen, die sie sich selbst verordnet hat.

Der Konzern mit Sitz in Bonn ist längst nicht mehr der einzige, der das vermeintlich schwache Geschlecht für sich entdeckt hat. Bis auf eine Hand voll Ausnahmen haben sich inzwischen alle Dax-Konzerne zur Frauenförderung verpflichtet - schon allein, um das Feld nicht den selten um pfiffige Forderungen verlegenen Politikerinnen zu überlassen und um sich nicht am Ende noch eine Quote vom Gesetzgeber vorschreiben zu lassen.

Widerworte vom Headhunter

Und dennoch haben es bislang nur sechs Frauen in der deutschen Wirtschaft nach ganz oben geschafft. In den Vorständen der Dax-Konzerne liegt die Frauenquote gerade einmal bei drei Prozent. Und in 25 von 30Vorständen dieser Unternehmen ist nach wie vor überhaupt keine Frau.

Headhunter halten Obermann und anderen Frauenverstehern entgegen, dass es schlicht an geeigneten Damen für die Spitzenposten fehle. Jeder, egal ob Mann oder Frau, steige nun einmal nur so weit auf, wie sein Chef ihn fördere, sagt etwa Dieter Rickert, einer der erfolgreichsten Vermittler für Spitzenmanager. Während Männer einfach das Unternehmen wechseln, wenn ihnen der Aufstieg verwehrt wird, bleiben Frauen ihrem Arbeitgeber treu - notfalls eben auf einem Posten mit weniger Verantwortung. "Sie tun das, weil sie durch ihre Familie weniger flexibel sind. Und sie tun dies sicher auch, weil ihnen der Drang fehlt, sich anderswo zu beweisen", sagt Rickert.

Sind Frauen also selbst schuld, weil sie - anders als Männer - einem für 23Uhr angesetzten Meeting fernbleiben und am Wochenende nicht binnen Sekunden auf E-Mails antworten? Obermann bringen solche Überlegungen regelrecht in Rage: "Vielleicht sollten die Männer einfach mal diesen Quatsch lassen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Leute auch in zehn Jahren noch gern bei uns arbeiten. Sonst gehen uns die Talente aus." So hat Obermann nun wohl aus gutem Grund die Verantwortung für die 246.000 Mitarbeiter in weibliche Hände gelegt. Für Marion Schick räumt Thomas Sattelberger den Posten des obersten Personalvorstands - einer der engagiertesten Frauenförderer.

"Wer nach oben will, muss Leistung bringen"

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