Doktortitel im Schnellverfahren: Ärzte promovieren oft parallel zum Studium und in nur wenigen Monaten. Das ist Geldverschwendung statt Wissenschaft, sagen Kritiker. Wird der Dr. med. verschenkt?
Keine Berufsgruppe genießt in Deutschland so hohes Ansehen wie die der Ärzte. In Image-Rankings erreichen sie regelmäßig Rang eins, noch vor Geistlichen, Hochschulprofessoren oder Diplomaten.
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Medizinische Forschung: Nur ein Bruchteil der medizinischen Doktorarbeiten genügt den Kriterien einer Promotion. (© Foto: dpa)
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Die Beliebtheit der Mediziner rührt vermutlich nicht nur von ihrer Dauerpräsenz im deutschen Vorabendprogramm her. Zu ihrem Prestige trägt vermutlich auch die Tatsache bei, dass etwa 80 Prozent ihrem Namen einen Doktortitel voranstellen dürfen: Der Dr. suggeriert Bildung, er schmeckt nach Elite, Oberschicht und Vermögen.
Doch um genau diesen Doktortitel ist eine Diskussion entbrannt, an deren Ende seine Abschaffung stehen könnte - sollte sich die Position des Wissenschaftsrats, des wichtigsten wissenschaftspolitischen Beratungsgremiums, durchsetzen. Denn dort ist man der Meinung, dass die Promotion vieler Mediziner, mit Verlaub gesagt, ein Witz ist.
Kein Erkenntnisgewinn
Denn die meisten Medizinstudenten promovieren nicht nach dem Studium, wie es in anderen Fächern üblich ist. Sie schreiben ihre Doktorarbeit vielmehr parallel dazu - und das auch noch in einer viel kürzeren Zeit. Während es in den Naturwissenschaften durchaus schon mal vier Jahre dauern kann, bis sich ein Doktorand die begehrten zwei Buchstaben vor seinen Namen stellen kann, ist eine Promotionsdauer von nur sechs Monaten unter Medizinern durchaus üblich. Da verwundert es kaum, dass der Erkenntnisgewinn solcher Arbeiten gering ist.
Ulrike Beisiegel, Vorsitzende der wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates, bezeichnet die Doktorarbeiten deshalb als "Pro-forma-" oder "Türschildforschung". "Nur etwa zehn Prozent der medizinischen Doktorarbeiten erfüllen das Kriterium, das in jedem anderen Fach für eine Promotion gilt: dass sie eine wenn auch kleine Lücke in einer noch offenen wissenschaftlichen Fragestellung schließt." Der große Rest befasse sich mit Altbekanntem. "Die Promotion in der Medizin ist das, was in anderen Fächern eine Master- oder Diplomarbeit ist - nicht mehr", sagt Beisiegel.
"Gemeiner Vorstoß"
Mit dieser Ansicht steht die Biochemikerin, die am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf arbeitet, nicht alleine da. Auch das European Research Council (ERC), die neue Einrichtung zur Forschungsförderung in der EU, ist offenbar ihrer Meinung. Denn dort hat man im Mai beschlossen, den deutschen Dr. med. nicht dem internationalen Ph.D. (Philosophiae Doctor) gleichzustellen. Damit hat das ERC den Titel praktisch für minderwertig erklärt - und deutsche Medizinstudenten von der Vergabe der Fördermittel ausgeschlossen.
Der Wissenschaftsrat fordert deshalb, die wissenschaftliche Ausbildung der Mediziner in Deutschland grundlegend zu reformieren: Geht es nach ihm, soll die Promotionsphase wie in anderen Fächern auch erst im Anschluss an das Studium beginnen - und nur solchen Medizinern vorbehalten sein, die tatsächlich in die Forschung wollen. "Die übrigen Ärzte sollen mit der Approbation die Berufsbezeichnung Medizinischer Doktor tragen", erklärt Beisiegel. So könne man einerseits den wissenschaftlichen Anspruch einer Promotion erhalten und andererseits den professionellen Doktortitel der Ärzte.
Weder die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) noch die Ärzte sind von diesen Entwicklungen begeistert. DFG-Präsident Matthias Kleiner hat mit einem Brief gegen die Diskriminierung der Mediziner beim ERC protestiert. Und Rudolf Henke, Chef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, findet den Vorstoß gar "gemein". "Hier werden alle Absolventen an den Pranger gestellt", sagt er. "Es wird so getan, als seien alle Mediziner Titelerschleicher. So kann man doch in der wissenschaftlichen Community nicht miteinander umgehen."
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... hängt halt von den Gebieten ab, in denen in der Medizin promoviert wird. Der Dr. jur. (oder Dr. re. pol etc) hängen doch genauso vom Thema ab. Es gibt einige Kollegen, die sich auch in diesen Gebieten nebenberuflich mit der Promotion beschäftigen. Ob das daraus gewonnene Wissen dann wirklich wissenschaftlich hilft? Wenn man dort neben der Arbeit promovieren kann, ist doch das ganze genauso eine Farce.
Und schaut man mal unter:
- http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,532055,00.html
- http://www.welt.de/politik/article1792387/Gutes_Geschaeft_mit_gekauften_Doktortiteln.html
- http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,561000,00.html
...
scheinen auch die hier "hochwissenschaftlichen" Gebiete nicht ganz so sauber zu sein. Unstrittig ist aber, dass die Medizinische Promotion oft eine Qual ist, lang dauert und die Zeit sicher besser investiert werden könnte.
Vielleicht wäre der österreichische Weg ein gangbarer: In der Studienrichtung Humanmedizin wird der akademische Grad Dr. med. univ. und für Zahnmedizin der Grad Dr. med. dent. vergeben. Diese Grade werden durch Abschluss von Diplomstudien erworben (§ 54 Abs. 2 Universitätsgesetz 2002) und sind daher trotz der Bezeichnung Diplomgrade (aus http://de.wikipedia.org/wiki/Doktor#.C3.96sterreich).
Eine Frechheit ist der Artikel trotzdem, weil wie immer die Berichterstattung zu einseitig ist.
ein dr. med. dünnberttbohrer
Was noch gar nicht angeführt worden ist (und darauf sollte man schon achten!): Ohne das Heer an Medizinstudenten, die in Laboren und auch an Krankenbetten ihre Daten erheben (und an beiden Orten sicherlich auch für ihren späteren Beruf wichtige Dinge lernen) und ihre Forschung machen, würde die universitäre Forschung in Deutschland im Bereich der Medizin zusammen brechen.
Je nach Neigung und Fähigkeit schwankt dort aber die Beschäftigung zwischen Hilfs-MTA (Medizinsch Technische Assistentin) und "richtigem" biowissenschaftlichem Personal. Man redet immer von dem enormen Geld, das die Medizinerausbildung angeblich kostet. Durch die 7 Monate kostenlose Praktika während des Studiums + die eventuelle Promotion, die sich eben meist länger als die erwähnten 6 Monate hinzieht, hätten wir ein großes Problem (etwa zu vergleichen mit dem Fehlen der Zivis).
Andere Fächer sollten es also als Luxus ansehen, dass ihr Fach noch nicht soweit verkommen ist, dass man dort kostenlos promoviert!
Ein MD würde so ein Problem lösen. Trotzdem find ich es gut, dass man schon bereits während des Studiums, das ansonsten sehr aus dem Auswendiglernen von Fakten besteht und ansonsten den Patienten im Blick hat, so die Möglichkeit hat, sich für die Forschung zu interessieren. Damit es dort weitergeht, braucht es (viele) Ärzte, die beides können - Patienten behandeln und wissenschaftlich Arbeiten.
Das wichtige an medizinschen Doktorarbeiten ist nicht unbedingt die Entschlüsselung der letzten Sequenz eines Genoms, das kann man auch machen aber das kann man auch "richtigen" Biochemikern oder Genetikern überlassen. Der Mediziner sitzt an der Schnittstelle: Was bringt mir diese Sequenzanalyse wenn ich das klinisch nicht umsetzen kann? Das sieht dann auf den ersten Blick für den Genetiker banal aus, weil der Mediziner nicht mehr nur mit Basenpaaren jongliert. In WIrklichkeit erbringt er eine mindestens eben so wichtige Transferleistung.
So stelle ich mir zumindest medizinische Doktorarbeiten vor. Das dies nicht immer die Realität ist ist bedauernswert und sollte vonm der Prüfungsordnung unterbunden werde bzw durch einen MD.
Es ist halt nun mal so: "Doktor" ist in vielen Sprachen, auch im Deutschen, ein Synonym für "Arzt". Leuten, die mit der akademischen Welt nicht viel Kontakt gehabt haben ist oft gar nicht klar, dass es auch Doktoren gibt, die keine Ärzte sind - oder dass dieser Titel etwas mit der Anfertigung einer wissenschaftlichen Arbeit zu tun hat. Im angelsächsischen Raum, in Österreich und vielen Ländern des Ostblocks wird der Doktor an Ärzte mit dem Studienabschluss, ohne irgendeine wissenschaftliche Leistung, sei sie auch noch so klein, verliehen - die sog. "Berufspromotion". In England erwirbt man mit dem Medizinstudium übrigens - in echter akademischer Währung ausgedrückt - nur zwei Bachelorgrade: M.B.,Ch.B. - vor den Namen kommt trotzdem ein "Dr." Ich bin auch völlig d´accord, dass die Verwendung von Titeln in der direkten Anrede altmodisch und kriecherisch wirkt - mit einer Ausnahme: Wenn man im Krankenhaus einem unbekannten Arzt hinterherruft, etwa weil einem Blut aus der Schusswunde sprudelt: "He, Doktor!" Etwa wie "Herr Ober!"
Dass ein deutscher "Dr.med." (obwohl längst nicht mehr so simpel zu erwerben wie vor 20 Jahren noch - das hat mit den Suchmaschinen zu tun) keine echte Promotion ist, ist übrigens den meisten Ärzten klar: In der Autorenliste vor Artikeln in (englischsprachigen) Fachjournalen werden Ärzte mit dem Kürzel "MD" hinter dem Namen gekennzeichnet, im angelsächsischen Raum "echt promovierte" als "MD,PhD". Kein deutscher "Dr.med." würde sich "MD,PhD" nennen - das macht man üblicherweise nur als Habilitierter.
Ich fände es übrigens auch sinnvoll, der sprachlichen Gepflogenheit folgend, Ärzten ohne (Pseudo-)Promotion einen Doktor zu schenken. Die im Studium gewonnene Zeit könnte sinnvoll für gezieltes Training im Auswerten und Verstehen wissenschaftlicher Literatur genutzt werden - für die meisten Ärzte ist das im Alltag viel wichtiger.
Wenn nur die "Dünnbrettbohrer" auch später regelmäßig Brettchen bohrten... Manche tun es ja, leider nicht alle. Ein verlässlicher Ärzte-TÜV ist notwendig.
Als erstes möchte ich mal feststellen, dass die zeitliche Limitierung der Eingabe von Kommentaren, diese auf solche Gruppen begrenzt, die während normaler Arbeit oder Studium noch die Zeit finden sich im Internet über ihr gekränktes Ego auszulassen. Schaut man sich den Tenor der Kommentare und Ihrer Bewertung an, so kann man schnell feststellen, dass Mediziner wohl kaum zu denen gehören, die so ihre Arbeitszeit vergammeln ;-)
Und nun zu den titelgeilen Diskutanten auf dieser Seite. Sicher wisst Ihr, dass Bill Gates am Ende einer Karriere - von der Ihr nur träumen könnt - einen Titel quasi hinterher geschmissen bekam. Nicht um Bill Gates mit dem Titel zu ehren der hätte so etwas sicher nicht nötig - sondern um die Reputation des Titels mit dem Namen Bill Gates aufzupolieren. Und wozu? Damit Ihr Euch auch weiterhin kräftig auf Eure Titel etwas einbilden könnt.
Von mir aus nennt Euch doch alle wie Ihr wollt Doktor, Konsul, Professor oder Präsident oder was Euch sonst noch einfällt. Meinethalben bildet Euch doch auch ein, dass ein Doktortitel in diesem oder jenem Zusatz mehr bedeutet. Die meisten Menschen, die zu ihrem Doktor gehen und zu ihm Doktor sagen, auch wenn er gar kein Doktor mehr sein sollte, wird es überhaupt nicht interessieren. Und wollt Ihr dann einen Polizeiposten vor das Arztzimmer stellen der jedem einen Strafzettel verteil, dem zufällig das Wort Doktor rausgerutscht ist? Habt Ihr wirklich nichts nützlicheres im Kopf.
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