Mathe im Beruf Dafür braucht man das später

Früh übt sich, wer Mathematiker werden will.

(Foto: dpa)

Mathematiker beziehen hohe Gehälter und bearbeiten interessante Aufgaben. Warum sich das ungeliebte Schulfach im Berufsleben als Trumpf erweist.

Von Franziska Brüning

Egal ob man mit einem Smartphone telefoniert, das Auto aufschließt oder im Internet surft, es gibt wohl kaum eine moderne Technik, die ohne Mathematik funktioniert. Entsprechend gut sieht es auf dem Arbeitsmarkt für Mathematiker aus: 2014 haben mehr als 78 000 Studierende einen Abschluss in der Fächergruppe Mathematik und Naturwissenschaften gemacht. Das waren 3000 mehr als im Jahr 2012, wo sich im Anschluss an das Studium nur 600 Mathematiker arbeitslos gemeldet hatten. Das entsprach einer Arbeitslosenquote von 0,8 Prozent.

Trotz dieser traumhaften Ausgangslage gilt aber auch hier, dass die besten Chancen hat, wer sein Studium sinnvoll aufgebaut hat. Die 33-jährige Mathematikerin Christine Hayn ist ein gutes Beispiel dafür. Sie hat im Sommer 2016 ihre Promotion im Bereich Diskrete Optimierung abgeschlossen und ist seit Oktober bei DB Analytics in Frankfurt beschäftigt, eine auf Analysen, Prognosen, Optimierung und Simulation spezialisierte Abteilung, die zur Konzernleitung der Deutschen Bahn AG gehört.

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"Ich habe schon im Studium einen Schwerpunkt auf die Diskrete Optimierung gelegt, weil es mir gefallen hat, konkrete Praxisprobleme zu lösen", sagt Hayn. Und tatsächlich kann sie, was so abstrakt klingt, ganz praktisch umsetzen und verständlich erklären. Hayn entwickelt in einem Team das Güterzüge-Netzwerk von DB Cargo weiter und versucht, es zu optimieren. Konkret heißt das, dass Einzelwagen zu entsprechenden Güterzügen kombiniert werden, um möglichst wenige Loks einzusetzen und so Kosten und Treibstoff zu sparen. Auch sollen die Lokführer möglichst effizient arbeiten. Wer mit einem Güterzug in eine bestimmte Richtung fährt, soll später auf dem Rückweg möglichst wieder auf einer Lok eingesetzt werden.

"Mir hat diese Art der angewandten Mathematik einfach Spaß gemacht, und natürlich habe ich auch darauf geschaut, was auf dem Arbeitsmarkt gefragt ist", sagt Hayn. So kann sie heute theoretisch und anwendungsbezogen arbeiten, also zunächst mathematische Modelle entwickeln und programmieren und sie dann in Projekten wie dem Güterzugnetz umsetzen.

Die Studenten lernen von Anfang an, technische, wirtschaftliche und naturwissenschaftliche Phänomene in die Sprache der Mathematik zu übersetzen. Sie können später mithilfe von Computerberechnungen Technologien verbessern, Finanzstrategien entwickeln und Risiken einschätzen. Nach dem dreijährigen Bachelorstudium kann man direkt in den Beruf einsteigen oder noch einen zweijährigen Master draufsatteln. Wer später Lehrer werden will, wählt den Weg des Staatsexamens.