Job Von Marketing bis Diät - das machen Angestellte für ihren Arbeitgeber

Immer häufiger wird an Mitarbeiter appelliert, auf Twitter oder Facebook für ihr Unternehmen zu trommeln, auf ihren privaten Accounts, wohlgemerkt. Gerade im PR-Wesen ist das üblich. Petra Braun (Name geändert) ist Marketing-Managerin bei einer Orthopädieklinik, ihr Facebook-Auftritt ist voller positiver Mitteilungen über ihren Arbeitgeber. "Das gehört zum Marketing dazu", sagt die 50-Jährige, "anfangs fand ich es nervig, inzwischen mache ich es sogar gerne, finde es interessant." Kein Eingriff in die Privatsphäre? "Nein, ich befürworte, was die Firma medizinisch propagiert, nämlich Operationen zu vermeiden. Insofern stehe ich dazu."

Tatsächlich erscheinen solche Erwartungen vergleichsweise harmlos. Es gibt Modeketten, die ihre Verkäufer anhalten, nur Kleidung des hauseigenen Labels zu tragen. Die Hausmarke privat zu fahren, hilft bei der Karriere in der Autoindustrie. Eine österreichische Fastenklinik verlangt von seinem Personal, einmal im Jahr die angepriesene Diät zu machen, damit es mit den Patienten mitempfinden kann. Kann man sich dem verweigern? Macht man so etwas mit, weil der Job heutzutage eh das Leben in weiten Teilen bestimmt?

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Gerade höher Qualifizierte neigen dazu, sich über ihren Job zu definieren. Es wird viel Einsatz verlangt, die Arbeitstage sind oft lang, der Trend zum Homeoffice hält an, Arbeit und Freizeit verschwimmen - solche Umstände lassen einen mit dem Job eins werden.

Zu viel Bindung verhindert kritisches Denken

Samantha Conroy, Arbeitsökonomin an der Colorado State University, stellt Sinn und Effizienz hoher Identifikation infrage. Ihre Studien ergeben, dass sie sogar schädlich bis gefährlich sein kann. Sehen Mitarbeiter das eigene Unternehmen zu positiv, seien sie auch oft in dessen eingefahrenen Strukturen gefangen. In der Folge litten innovatives und kritisches Denken, sie seien nicht aufgeschlossen für Veränderungen oder neue Kollegen. Eine solche Haltung könne eine Firma lähmen.

Gerade große, globale und angesagte IT-Unternehmen versuchen auf ihre Weise, Mitarbeiter zu vereinnahmen, positiv zu stimmen, quasi einzulullen. Sie verwandeln Büros in Lounge-Bereiche mit Wohlfühloasen und Verwöhnprogramm, mit freier Verpflegung und Nackenmassage. Da ist man gerne im Einsatz, macht auch freiwillig Überstunden.

Was aber, wenn das großartige Unternehmen, für das man zu schuften so stolz ist, eines Tages Mist baut, Skandale produziert, pleitegeht oder unmoralisch agiert? Was, wenn man sich mit dem Projektteam verkracht? Spätestens dann werden die Brüder und Schwestern wieder zu Arbeitskollegen, und der lässige Lounge-Bereich mit dem Designersofa und dem Kickertisch kann doch nicht das heimische Wohnzimmer ersetzen. Spätestens dann ist es aus mit dem Familienidyll Firma.

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