Frage an den SZ-Jobcoach Was tue ich, wenn der Jobwechsel ein Fehler war?

SZ-Leser Andreas S. ist in seiner neuen Firma unglücklich. Vom Jobcoach will er wissen, ob er seinem Chef das sagen kann und ob es einen Weg zurück gibt.

SZ-Leser Andreas S. fragt:

Ich bin vor drei Monaten von einem Automobilzulieferer zu einem anderen gewechselt. Die Gründe: kürzere Fahrtzeiten, ein vermeintlich zukunftsträchtigerer Zweig (E-Mobilität) und ein besseres Gehalt. Jetzt stellt es sich heraus, dass ich im neuen Job extrem unglücklich bin: Ich werde nicht mehr auf Dienstreisen geschickt, kann bei technischen Gesprächen noch nicht mitreden, bekomme wenig Input und habe viel Leerlauf. Wie soll ich mich im Feedbackgespräch mit meinem Chef verhalten? Ihm sagen, dass alles okay ist, und hoffen, dass es mit der Zeit besser wird? Zugeben, dass ich unglücklich bin, und damit eine Kündigung in der Probezeit riskieren? Mich intern auf eine andere Position bewerben? Oder soll ich schon mit meinem Ex-Arbeitgeber über eine mögliche Rückkehr reden?

Vincent Zeylmans antwortet:

Lieber Herr S., die Gründe für Ihren Wechsel sind nachvollziehbar. Sie haben den alten Job nicht aus einer momentanen Emotion heraus aufgegeben. Sie hatten vor allem die Vorteile des neuen Jobs im Auge: die Fahrtzeit, das Gehalt, die Branchenfokussierung. Doch wahrscheinlich sind Sie der Gefahr einer selektiven Wahrnehmung erlegen. Sie gingen davon aus, dass Sie nahtlos an die positiven Aspekte Ihrer jetzigen Situation anknüpfen können. Das hat sich als Trugschluss erwiesen. Sie sollten das zunächst wertfrei stehen lassen, denn es wird Ihnen beim Feedbackgespräch helfen. Die Vorteile Ihres alten Arbeitsplatzes waren für Sie selbstverständlich. Ihr neues Unternehmen lebt eine andere Kultur. Wie bekommen Sie nun die Kuh vom Eis?

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Darauf zu hoffen, dass alles besser wird, scheint mir keine gute Strategie zu sein. Ihr Chef hat natürlich keine Ahnung, wie es in Ihnen aussieht. Vielleicht denkt er sogar, Sie seien zufrieden, wenn Sie nicht ständig unterwegs sind. Ihre Unzufriedenheit wird nur sichtbar, wenn Sie darüber reden. Im besten Fall wird Ihre Rückmeldung als hilfreiche Selbstoffenbarung wahrgenommen. Dann schaut man, wo Vorgehensweisen angepasst werden können. Eine abgewandelte Variante kann sein, dass man nicht allen Ihren Vorstellungen entsprechen wird, aber einige positive Veränderungen eintreten. Sie bekommen vielleicht mehr Input. Oder Sie können sich mit der Zeit besser bei den technischen Gesprächen einbringen. Auf jeden Fall schafft es Vertrauen, wenn Sie über Ihr Anliegen sprechen und wissen, dass es nun bekannt ist.

Natürlich kann es auch anders kommen. Es ist denkbar, dass sich an Ihren Aufgaben wenig ändern lässt und in der Firma generell das Verständnis fehlt, wie Führung anders wahrgenommen werden könnte. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass Ihnen allein aufgrund Ihres Feedbacks gekündigt wird. Sie wollen schließlich nicht kritisieren, sondern kundtun, wie Sie Ihre Aufgaben in der Vergangenheit anders erledigt haben. Arbeitgeber verlieren ungern qualifizierte Fachkräfte. Daher ist es wahrscheinlicher, dass Ihr Chef Sie bittet, noch etwas Zeit verstreichen zu lassen und mit ihm in Verbindung zu bleiben.

Wenn Sie zu der Überzeugung kommen, dass es für die Zusammenarbeit kein tragfähiges Fundament gibt, dann ist das auch legitim. Ihr nächster Arbeitgeber wird verstehen, dass es auch mal nicht gepasst hat. In Zeiten der Hochkonjunktur, in der Stellen nicht besetzt werden können, fällt ein abermaliger Wechsel leicht. Dazu können auch die Rückkehr zum ehemaligen Arbeitgeber oder eine interne Bewerbung gehören. Diesmal sollten Sie aber nicht nur schauen, was im neuen Job anders sein muss, sondern auch darauf achten, was unbedingt beibehalten werden sollte.

Vincent Zeylmans war lange Abteilungsleiter in internationalen Konzernen und kennt deren Rekrutierungspolitik aus der Praxis. Heute ist er Autor, Karriere-Coach und Outplacement-Berater.

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