Entspannung am Arbeitsplatz Arbeitgeber müssen es ernst meinen

Seit 1994 steht der Anspruch auf Pause für alle im Arbeitszeitgesetz: 30 Minuten bei einer Arbeitszeit bis neun Stunden pro Tag, 45 Minuten für alles darüber. Jahrzehntelang mussten Arbeiter und Gewerkschaften dafür kämpfen, dass sie Pause machen dürfen. Und nun, 23 Jahre später, müssen Unternehmen ihnen die erkämpfte Pause wie Medizin verordnen.

Nur: Besteht bei diesen optimierten Pausen nicht die Gefahr, gleich in die nächste Optimierungsfalle zu geraten? So nach dem Motto: Ich muss meine Pause so sinnvoll wie möglich nutzen, muss danach maximal entspannt oder maximal trainiert sein. Bauen solche Pausen nicht vielleicht mehr Druck auf als ab?

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Nicht unbedingt, sagt Carola Kleinschmidt, Autorin und Burnout-Expertin aus Hamburg. Wie sehr die Angestellten von solchen Angeboten profitierten, hänge von der Pausenkultur des Unternehmens ab. "Mitarbeiter spüren sehr gut, ob das Sportangebot eine freundliche Geste ist oder ob sie es annehmen sollen, damit sie nie wieder wegen Rückenschmerzen ausfallen." Das Entscheidende an einer Pause sei, sich im Kopf von der Arbeit zu distanzieren, also nicht nur mit dem Körper vom Schreibtisch wegzugehen. Wie einem das gelinge, sei weniger wichtig.

Klar ist: Wenn man beim Mittagessen Dienstgespräche führt, nebenher E-Mails schreibt und mit den Kollegen neue Projekte bespricht, klappt das eher nicht. "Pause machen, das klingt so banal, ist es aber überhaupt nicht", sagt Kleinschmidt.

90 Minuten

Spätestens dann sollte man eine kurze Pause einlegen. Nicht nur im Schlaf, auch im wachen Zustand durchläuft der Körper innerhalb von 90 Minuten verschiedene Zyklen - Intervalle mit erhöhter und weniger erhöhter Konzentrationsfähigkeit. Nach 60 bis 90 Minuten konzentrierten Arbeitens lässt die Aufmerksamkeit nach, dann ist eine kurze Pause von etwa fünf Minuten sinnvoll.

Die ideale Pause? Machen Sie auf der Toilette

Wie also sieht die ideale Pause aus? Experten haben dazu unterschiedliche Meinungen, einig sind sie sich nur in einem: Die Leistungsfähigkeit schwankt in einem etwa 90-minütigen Rhythmus, spätestens dann schaltet der Körper von Konzentration auf Erholung um, die Aufmerksamkeit lässt nach. Dann sollte eine kurze Pause gemacht werden - zusätzlich zu einer Mittagspause. Im Grunde sind das also Raucherpausen, nur dass man nicht rauchen sollte. Ein weiterer Experten-Tipp: Setzen Sie sich mit geschlossenen Augen ein paar Minuten auf die Toilette, da haben Sie Ruhe und sind für sich.

Wer mag, kann sich auch eine Postkarte aus dem Urlaub schreiben, die er dann für ein paar Minuten ansieht, oder am Nachmittag ein Nickerchen machen. Das macht leistungsfähiger. In anderen Ländern gehört das zur Kultur. In Japan etwa ist es ganz normal, auch in Konferenzen zu schlummern. "Inemuri" heißt das, "Anwesenheitsschlaf". In China steht das Grundrecht auf den Mittagsschlaf in der Verfassung.

Sich bei Stress plötzlich zu entspannen, ist aber gar nicht so einfach, weil der Körper im Arbeitsmodus ist. Pausemachen ist also harte Arbeit. Und eines, sagt Carola Kleinschmidt, werde bei der ganzen Diskussion immer vergessen: "Die Pausenkultur hängt stark von den Führungskräften ab. Wenn die vorleben, dass sie keine Pause brauchen, dann machen ehrgeizige Mitarbeiter auch keine Pause." Und dann bringen auch Pausenprogramme nichts.

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