Bewerbungsgespräch Patzer im Jobinterview - so überzeugen Sie trotzdem

Das Vorstellungsgespräch findet meist hinter verschlossenen Türen statt - nicht so in der gleichnamigen Vox-Serie. Daraus lässt sich lernen.

(Foto: Matt Hoffman/__matthoffman__/unsplash.com)

Mit kniffligen Fragen wollen Personaler Bewerber unter Stress testen - auch in der Vox-Serie "Das Vorstellungsgespräch". Ein Coach verrät, wie Sie da wieder rauskommen.

Interview von Larissa Holzki

Stellen Sie sich vor, Sie sind Paketbote und müssen zur Mittagszeit eine Eil-Lieferung zustellen: Route A führt an einer Schule vorbei, über Route B tuckert die Müllabfuhr, auf Route C ist Baustellenstau. Welche Strecke fahren Sie? Mit dieser Aufgabe überraschen Personaler in Folge 1 der Vox-Serie "Das Vorstellungsgespräch" die Bewerber eines Logistikunternehmens. Die Marketing-Kandidaten einer Fitness-Kette sollen ein fiktives Publikum zu ihrem Infostand locken.

Alles nur zum Zweck der Unterhaltung? Oder mögliche Szenarien jedes Bewerbungsgesprächs? Nachgefragt bei Karrierecoach Walter Feichtner: Er bereitet Jobsuchende in München und Studenten an rund 20 Universitäten und Fachhochschulen auf Bewerbungsgespräche und Assessment-Center vor. Weil er Unternehmen bei der Personalauswahl unterstützt, weiß er, was sie dort erwartet - und wie sie bei Ratlosigkeit und Patzern am besten reagieren.

SZ: Herr Feichtner, komplizierte Fälle lösen, das gehört für gewöhnlich zum Bewerbungsprozess um begehrte Stellen bei Beratungsfirmen. Aber muss heute auch ein Paketbote auf solche Aufgaben vorbereitet sein?

Walter Feichtner: Eignungstests und Vorstellungsgespräche, die klassisch aus Selbstpräsentation und Fragen bestehen, verschwimmen immer mehr. Solche Mini-Fälle sind heute tatsächlich fast immer enthalten. Der Bewerber soll beispielsweise einen Konflikt lösen oder eine schnelle Entscheidung treffen.

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Wie sollten Bewerber am besten vorgehen?

Vor allem strukturiert! Die Qualität der Lösung ist gar nicht so entscheidend. Zeigen Sie, wie Sie an die Aufgabe herangehen, dass Sie Dinge anpacken wollen und sich Herausforderungen stellen. Am besten beschreiben Sie Ihre Überlegungen laut.

In der Vox-Serie soll eine Marketing-Kandidatin schildern, wie Sie einen Infostand bei einem bestimmten Event gestalten und bewerben würde. Offenbar weiß sie jedoch nicht, worum es bei der Veranstaltung überhaupt geht. Was hätten Sie ihr geraten - improvisieren oder nachfragen?

Wer fragt, gewinnt. Wer nicht fragt, kann in die falsche Richtung laufen.

Ich sage also bei Unklarheiten frei heraus, dass ich etwas nicht verstanden habe oder die Veranstaltung nicht kenne?

Ja. Oder Sie versuchen, fehlendes Wissen nicht gleich preiszugeben. Zum Beispiel indem Sie sagen: "Können Sie noch mal präzisieren, worum es bei der Veranstaltung geht?" Oder: "Können Sie mir noch mal genauer sagen, was Sie in Bezug auf meine Antwort erwarten?" Wer immer wieder zeigt, dass er etwas nicht verstanden hat, wird sich damit rausschießen, aber ein, zwei Nachfragen zeigen, dass Sie interessiert sind, das Problem zu erkunden und wirklich zu lösen - und das ist im Job gefragt.

Wie rette ich mich aber, wenn ich auch nach der Präzisierung keine Antwort weiß?

Manchmal hilft es, um den heißen Brei herumzulabern. Damit zeigen Sie: Ich bin kommunikativ und spontan, ich kann mich auch mit Themen auseinandersetzen, in denen ich nicht topfit bin.