Bewerbungen von Müttern Aussortiert und abgelegt

Die Kinder sind aus dem Gröbsten raus, und die Mama will wieder in den Job zurück. Doch selbst bei Fachkräftemangel und hoher Qualifikation: Bewerbungen von Müttern bleiben meist unberücksichtigt.

Von Verena Wolff

Kinder stören extrem beim (Wieder-)Einstieg in den Job. Harte Aussage, aber oft, sehr oft Realität. Eine Realität, die viele Mütter in Deutschland täglich erleben. Wenn die x-te Absage auf eine Bewerbung kommt, wenn sie in den vielen Stellenmärkten keine einzige Position in Teilzeit finden - oder wenn sie einfach aussortiert werden.

Der Wiedereinstieg in den Job nach einer oder mehreren Babypausen gestaltet sich oft schwierig.

(Foto: dpa)

"Nachwuchs ist ein gewaltiges Hindernis, " hat Susanne Wagner aus Bad Vilbel schmerzhaft feststellen müssen. Sie ist Mutter von vier Kindern - und hat keinen einzigen ihrer Jobs bislang ohne die Vermittlung von Bekannten oder Freunden bekommen. "Ich bin darüber zutiefst frustriert", sagt sie. Denn ihre Leistungen seien jederzeit gewürdigt worden - wenn sie den Job ersteinmal hatte und sich beweisen konnte. "Aber kaum jemand gibt einem überhaupt die Chance dazu."

Stattdessen hat die 38-Jährige viele unqualifizierte Bemerkungen über sich ergehen lassen müssen: "Kinder und Karriere funktioniert nicht - man muss sich eben für eins entscheiden." Oder: "Warum muss eine Frau mit vier Kindern eigentlich arbeiten gehen?" Doch die Frage ist nicht, ob sie muss, sagt Karriereberaterin Helga Krausser-Raether aus Frankfurt am Main. "Die Frage ist doch, ob sie will."

Personalberater Michael Herz hat die Erfahrung gemacht, dass Mütter keinesfalls schlechtere Leistungen bringen als Arbeitnehmerinnen ohne Kinder. "Frauen sind gut ausgebildet, wir würden ein Riesenpotential verschenken, wenn wir sie bei der Stellenbesetzung nicht berücksichtigen." Zudem hat er festgestellt, dass die Motivation bei einer Mutter, die wieder in den Beruf zurückkehrt, deutlich höher sein kann als bei einer Absolventin, die gerade die Hochschule verlässt. Und noch einen Vorteil haben die Mütter: "Sie haben ihr Leben schon gestaltet."

Ein entscheidenes Problem sieht Herz darin, dass kaum Teilzeit-Stellen ausgeschrieben werden. Ein Umstand, der Frauen gerade den Wiedereinstieg nach der Geburt von einem oder zwei Kindern ungeheuer erschwert - vor allem, wenn sie vor ihrer Schwangerschaft eine befristete Stelle hatten oder, trotz verschiedener gesetzlicher Restriktionen, während der Schwangerschaft gekündigt wurden. Andererseits: "Die Arbeitswelt ist heute so flexibel, dass wir es vielen Frauen ermöglichen können, Vollzeit zu arbeiten, ohne dass sie 40 Stunden pro Woche im Büro sind", sagt Herz.

Diese Beschreibungen einer flexiblen Arbeitswelt klingen für Claudia Meier (Name geändert) nach reiner Utopie. Auch sie hatte nach der Geburt ihrer drei Söhne einen schwierigen Stand - und ist ebenfalls nur mit viel Glück wieder in den Arbeitsmarkt gerutscht. "Eine Teilzeitstelle in einer PR-Agentur in Frankfurt war ausgeschrieben - und die passte halbwegs mit meinen Qualifikationen zusammen", berichtet sie. Halbwegs. "Es ist ungeheuer schwierig, einen qualifizierten Job zu finden, der einem dann auch noch Entwicklungsmöglichkeiten bietet", sagt die 42-Jährige. "Erfolg hat man nur über das, was man vor den Schwangerschaften schon gemacht hat", sagt sie. Eigentlich sei das aber eher ein Rückschritt.