Arbeitgeber Online-Shops Fliegende Händler

Trotz des harten Wettbewerbs wächst der E-Commerce-Arbeitsmarkt weiter.

(Foto: Johannes Simon)

Im E-Commerce arbeiten nicht nur Packer und Lageristen. Die Firmen überbieten sich im Kampf um Big-Data-Experten, Programmierer und Bestellmanager. Doch die Akademisierung der Branche könnte zum Problem werden.

Von Miriam Hoffmeyer

Im Diamanten-Shop Yorxs werden auch erfahrene Internet-Käufer zu Zauderern. Die meisten Kunden schauen monatelang immer wieder auf die Website, bevor sie auf den Bestell-Button klicken. "Die Leute trauen sich nicht gleich, sie kaufen ja nicht täglich Diamanten", sagt Casimir Graf Maltzan. Der Edelstein-Fachmann hat Yorxs vor drei Jahren zusammen mit einem Start-up-Experten gegründet.

"Unser wichtigstes Ziel war von Anfang an, Vertrauen aufzubauen", sagt Maltzan. Deshalb bietet die Website in ruhigem Design besonders viel Information: über Diamanten an sich, den Ablauf von Bestellung und Bezahlung, die Geschäftsidee und die Personen dahinter. Kunden können sich per Telefon und Live-Chat beraten lassen und noch nach hundert Tagen den Kauf widerrufen. Diese Strategie geht offenbar auf: Yorxs hat sich in seiner Marktnische gut eingerichtet und beschäftigt heute 16 Mitarbeiter, doppelt so viele wie 2011.

Der E-Commerce-Markt ist weitgehend aufgeteilt

In den USA konnte man schon lange vorher Diamanten günstig online kaufen. Ein funktionierendes E-Commerce-Modell aus dem Ausland nach Deutschland zu importieren, hat bereits einige Male zum Erfolg geführt. Das bekannteste Beispiel ist der Schuh- und Modehandel Zalando der Gebrüder Samwer. Mit massiver Fernsehwerbung wurde das 2008 gegründete Unternehmen rasch bekannt, heute ist es der drittgrößte deutsche Online-Shop.

Kein Newcomer hat seither einen solchen Aufstieg geschafft. Das wird auch immer schwerer, denn der E-Commerce-Markt ist heute weitgehend aufgeteilt. Nach einer Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI machten die tausend größten Onlineshops in Deutschland 2013 etwa 30 Milliarden Euro Umsatz mit physischen Konsumgütern; der Handel mit digitalen Medien, Reisen oder Tickets wurde nicht erfasst. 37 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschafteten die ersten zehn Händler in der Rangliste, die von Amazon mit riesigem Abstand vor Otto angeführt wird.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Zum ersten Mal schwächte sich das Wachstum auf dem E-Commerce-Markt ab. Auch Onlinehändler bekommen langsam zu spüren, dass das Einkaufsbudget der Kunden begrenzt ist. "Das Geschäft ist härter geworden", sagt Lars Hofacker vom EHI. Die Kosten für Werbung seien gestiegen, "und die Kunden haben viel höhere Ansprüche an den Service als früher."