Ab ins Ausland Hauptsache weit weg

In der zehnten Klasse, nach der Schule, während der Lehre oder im Studium - was ist der ideale Termin für einen Auslandsaufenthalt? Wer die Zeit bestmöglich nutzen will, sollte sich an einige Regeln halten.

Von Eva Keller

Den meisten reicht es nach dem letzten Schultag. Sie wollen weg von den Büchern, weg aus der Stadt mit den vertrauten Gesichtern. Reisen, arbeiten. Ob in London, Sydney oder Sao Paulo - egal. Hauptsache, andere Leute sehen und andere Dinge erleben. Ganz traditionell als Au-Pair, ein paar Monate auf Achse mit Work & Travel oder als Teilnehmer eines Freiwilligen Sozialen Jahres. Das übrigens nur noch so heißt: Ein Jahr ist längst nicht mehr Pflicht, zwischen sechs und 18 Monaten ist jede Dienstzeit möglich, auch das Arbeiten in mehreren Drei-Monats-Blöcken, der Wechsel von Einrichtungen, der Sprung vom In- ins Ausland sind erlaubt.

Ab ins Ausland! Nur wann?

(Foto: dpa)

Wer nicht das Ende der Schulzeit abwarten mag, kann schon als Austauschschüler den Weg ins Ausland wählen - das tun jedes Jahr tausende Mädchen und Jungen. USA, Kanada und Australien stehen ganz oben auf der Liste der Ziele. Ein Jahr im Ausland ist auch hier nicht mehr Standard: Viele Schüler entscheiden sich für ein halbes Jahr in den USA oder drei Monate Australien, zur Hälfte in den deutschen Sommerferien. Manche, weil sie nicht länger bleiben wollen. Die meisten aber, weil sie zu Hause so wenig Unterricht wie möglich verpassen wollen. Schüleraustausch in Zeiten des G8 also, wo viele Schüler Leistungs- und Zeitdruck verspüren und es einfach schwieriger geworden ist, ein paar Monate in der Schule zu fehlen.

Denn während im G9 die Schüler nach der zehnten Klasse ins Ausland gingen und oft die elfte Klasse ausließen, ist es im G8 nicht überall möglich, die zehnte Klasse zu überspringen. Sie gilt als Orientierungsphase, in der Grundlagen für die Oberstufe gelegt werden - und in der man nach Meinung vieler Schulleiter anwesend sein sollte. Eine Beurlaubung für drei oder sechs Monate in der elften Klasse ist fast überall ausgeschlossen.

Christof Feinauer vom Sprachreisenanbieter IST sieht ein paar gute Gründe, erst nach der zehnten Klasse ins Ausland zu gehen: "Dann hat man in jedem Fall den Realschulabschluss in der Tasche. Der Zeitpunkt ist ein klarer Schnitt, bevor es mit dem Kurssystem weitergeht. Und: Mit jedem Lebensjahr fällt es leichter, anderswo Fuß zu fassen. Meist sind dann auch die Sprachkenntnisse besser." Er rät deshalb: "Wenn jemand ein ganzes Jahr im Ausland plant und es nicht eilig hat, sollte er nicht in der zehnten, sondern nach der zehnten Klasse weggehen."

Die Alternative: Ein Auslandsaufenthalt zwischen drei und sechs Monaten für alle, die absolut kein Schuljahr verlieren wollen. Wobei wohl kaum ein Austauschschüler im Rückblick von einem verlorenen Jahr reden würde - eher von einem Gewinn an kulturellen Einsichten, persönlichen Erfahrungen und Sprachkenntnissen

Nie zu spät

Weil es dafür nie zu spät ist, gibt es auch für Auszubildende die Möglichkeit, im Ausland zu lernen. Das Berufsbildungsgesetz sieht nämlich vor, dass Azubis bis zu einem Viertel ihrer Lehrzeit im Ausland verbringen dürfen. Wer einen Ausbildungsabschnitt oder ein Praktikum in der Ferne nicht aus eigener Tasche finanzieren kann, sollte Fördergeld bei der "Nationalen Agentur Bildung für Europa" des Bundesinstituts für Berufsbildung in Berlin beantragen. Die Förderhöhe hängt von den Lebenshaltungskosten, dem Zielland und der Dauer des Aufenthalts ab.

Die Agentur hilft auch, die bürokratischen Hürden auf dem Weg ins Ausland zu überwinden. Für die meisten Azubis führte der bislang übrigens nach Großbritannien, gefolgt von Italien und Spanien.

Manchmal sogar Pflicht

"Besser spät als nie" gilt für alle, die während der Schulzeit nicht weggehen wollten oder konnten: Für sie kommt ein Semester oder gar ein Vollstudium im Ausland in Frage, Sprachkurse, Praktika oder Rechercheaufenthalte sind ebenfalls eine Option. Oft sind Auslandsaufenthalte heute sogar Pflichtbestandteil des Studiums - weil internationale Erfahrungen und Mobilität als selbstverständlich angesehen und von vielen Arbeitgebern erwartet werden. Die Politik unterstützt diesen Trend mit Stipendien und Programmen, das bekannteste ist "Erasmus".

Wie man sich als Erasmus-Student in Land und Leute verlieben kann, war auch schon im Kino zu sehen: Der erste Teil der Komödie L'auberge espagnole trug den Titel "Barcelona für ein Jahr", die Fortsetzung hieß "Wiedersehen in St. Petersburg".

Wie ein Haufen Lemminge

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