Unnütze Hygienemaßnahmen Wann Reinlichkeit schadet

Wir reinigen das WC bis tief unter den Rand, desinfizieren im Schwimmbad unsere Füße und schalten bei der Waschmaschine das Vorwaschprogramm ein - alles nur, um der Hygiene zu dienen. Was für ein Irrglaube.

Von Berit Uhlmann

Jeder zweite Deutsche benutzt laut einer Umfrage zumindest gelegentlich Desinfektionsmittel. Gleichzeitig sparen sich zwei Drittel das gründliche Händewaschen nach dem Toilettenbesuch. Hygiene ist ein Bereich, in dem übertriebener Aktionismus und gefährliche Lässlichkeit gleichermaßen verbreitet sind. Welche Hygienemaßnahmen unnötig oder sogar schädlich sind und was Sie stattdessen beachten sollten.

Viel hilft viel, das gilt vielleicht bei dieser Kunstinstallation. Beim normalen Wäschewaschen ist dagegen weniger oft mehr.

(Foto: REUTERS)

Vorwäsche in der Waschmaschine

Wer meint, besonders gründlich zu sein, stellt gerne noch zusätzlich das Vorwaschprogramm der Waschmaschine an. "Unnütz und unter Umständen kontraproduktiv", urteilt Ernst Tabori, ärztlicher Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene des Universitätsklinikums Freiburg.

Der Vorwaschgang beseitigt keine Keime, dafür verteilt er sie aber besonders gut. Das heißt, er spült unter Umständen Bakterien von der Unterhose aufs Geschirrtuch. Läuft der Hauptwaschgang dann bei niedrigen Temperaturen, werden Erreger nicht ausreichend beseitigt. Die Folge: Manche Wäschestücke kommen verkeimter aus der Waschmaschine als sie hineinkamen.

Die Alternative: Wäsche sollte, sofern es das Material verträgt, bei 60 Grad gewaschen werden. Diese Behandlung überleben die meisten Keime nicht. Das Kochprogramm bietet dagegen kaum einen zusätzlichen Nutzen. Dürfen Kleidungsstücke nur bei niedrigen Temperaturen gewaschen werden, kann man den Keimen unter Umständen auf anderem Wege mit Hitze zu Leibe rücken: mit der Sonne beim Trocknen im Freien und dem Bügeleisen.

Hygienezusätze in der Waschmaschine

"Desinfizierende Zusätze zum Waschpulver sind im normalen Haushalt unnötig", sagt Tabori. Dafür erhöhen sie das Allergierisiko, wenn Wirkstoffreste an der Kleidung zurückbleiben. Zudem belasten diese Zusätze die Umwelt.

Ob aus der Waschmaschine, dem WC oder dem Putzeimer: All die Desinfektionsmittel, die aus Haushalten ins Abwasser gelangen, schaden jenen Bakterien, die Schadstoffe biologisch abbauen. Schädliche organische Verbindungen und Chemikalien können so in Gewässer und möglicherweise über die Nahrungskette zurück zum Menschen gelangen.

Die Alternative: Nach Möglichkeit sollten Vollwaschmittel verwendet werden. Die enthaltene Bleiche greift Bakterien an. Außerdem gilt: Die Waschmaschine sollte austrocknen können, damit sich keine Feuchtkeime ansiedeln. Dazu Tür und Dosierfach auswischen und offen lassen sowie das Flusensieb regelmäßig reinigen.