Übergewicht Deutschland wird dicker

Sportprogramm für übergewichtige Kinder in Leipzig.

(Foto: dpa)
  • Deswegen geht die Lebenserwartung zurück: Die Zahl der dicken Menschen in Deutschland steigt.
  • Die Ausgaben für Gesundheit sind weniger stark gestiegen als in den Jahren zuvor.
Von Guido Bohsem, Berlin

Die steigende Zahl von dicken Menschen lässt die Lebenserwartung der Deutschen deutlich sinken. Wie die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem jüngsten Gesundheitsreport zeigt, ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der die Zahl der übergewichtigen Deutschen in den vergangenen Jahren gestiegen ist, besorgniserregend. Waren im Jahr 2000 etwa 20 Prozent der Bundesbürger über 15 Jahren fettleibig, lag die Zahl 2013 schon bei 24 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt der 28 untersuchten OECD-Staaten. Der liegt bei 18 Prozent.

Zwar ist der Anteil der dicken Menschen in anderen Ländern wie in den USA mit 35 Prozent und in Mexiko mit 32 Prozent weiterhin deutlich höher. Doch landet die Bundesrepublik in der Fettleibigkeit-Statistik der OECD immerhin an neunter Stelle.

"Der Anstieg der Adipositas gefährdet die erreichten Ziele bei der Lebenserwartung", sagte der stellvertretende OECD-Generalsekretär Stefan Kapferer bei der Vorstellung des Reports "Gesundheit auf einen Blick 2015" in Berlin. Diese sei in den vergangenen 40 Jahren deutlich gestiegen und liege nunmehr mit 80,9 Jahren über dem OECD-Durchschnitt (80,5 Jahre). Deutlich länger leben die Japaner (83,4 Jahre) und die Spanier (83,2 Jahre). Die US-Amerikaner sterben im Vergleich schon mit 78,8 Jahren. Zu verdanken sei der kontinuierliche Anstieg der Lebenserwartung vor allem dem starken Rückgang der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in der Bundesrepublik in den vergangenen zehn Jahren noch einmal deutlich gesunken seien - und zwar deutlich stärker als die Zahl der Todesfälle insgesamt.

Übergewicht macht krank

Fettleibigkeit gilt als Auslöser für lebensbedrohliche chronische Krankheiten wie zum Beispiel Bluthochdruck oder Diabetes. Eine geringere Zahl von Dicken hat demnach auch weniger chronisch Kranke zur Folge. Ähnliche Folgen entstehen durch Alkohol- oder Tabakkonsum. Kapferer zufolge müsse deshalb ein vernünftiges Konzept der Vorsorge entwickelt werden. Es gebe jedoch für diesen Bereich kein Patentrezept, sagte der ehemalige Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. In Frage komme wohl nur eine Mischung aus Anreizen und Aufklärung.

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Die Ausgaben für die Gesundheit sind nach Berechnungen der OECD zwischen 2009 und 2013 weniger stark gestiegen als vorher, um durchschnittlich zwei Prozent. Die Ausgaben der anderen OECD-Staaten legten hingegen im selben Zeitraum nur um 0,6 Prozent zu. Das sei insbesondere auf die von der Finanzkrise betroffenen Staaten wie Irland, Spanien, Portugal und Griechenland zurückzuführen. Insgesamt gibt Deutschland etwa elf Prozent seines Bruttoinlandproduktes für Gesundheit aus und damit mehr als der Durchschnitt der OECD-Länder, der bei 8,9 Prozent lag.

Insbesondere für Arzneimittel gibt Deutschland mehr aus als fast jedes andere europäische Land und die meisten OECD-Ländern. Die Ausgaben lagen kaufkraftbereinigt bei 678 US-Dollar (621 Euro) und damit 30 Prozent über dem OECD-Schnitt. Mehr Geld für Pillen und Medikamente geben pro Kopf nur die Griechen, die Kanadier, die Japaner und die US-Amerikaner aus. Dies kann zum Teil durch die Einführung der sehr teuren Mittel gegen Hepatitis C erklärt werden. Auch nehmen die Deutschen sehr viele Medikamente zur Senkung des Blutdrucks ein. Hier ist der Konsum höher als in allen anderen OECD-Ländern und etwa dreimal so hoch wie in Österreich - und er hängt auch mit dem Gewicht zusammen.