Tipps für den Einkauf von Schokolade Eine hundertstel Erdbeere pro Tafel - Welche Werbefallen lauern im Süßwarenregal?

Wenn Sie eine Schokoladentafel kaufen, zahlen Sie durchschnittlich acht Cent für die Werbung des Herstellers. Dieser Betrag ist höher als der Kakaopreis der Tafel. Laut Foodwatch wurden im Jahr 2011 fast 700 Millionen Euro für Süßwaren-Reklame ausgegeben - etwa 100 Mal mehr als das gesamte Werbebudget für Obst und Gemüse. Nur so ist zu erklären, dass sich absurde Ideen durchsetzen, etwa die Annahme, mit der Schokolade bekämen Kinder eine Extra-Portion wertvolle Milch.

"Man kann Schokolade beim besten Willen nicht als Milchlieferanten empfehlen", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Mit der Angabe "mit viel Calcium" darf Schokolade geschmückt werden, wenn sie pro 100 Gramm mindestens 240 Milligramm des für die Knochen wichtigen Elements enthält. Doch auch bei diesem Wert müsste ein Grundschulkind fast vier Tafeln Schokolade essen, um seinen Tagesbedarf an Calcium zu decken. Dann hätte es aber auch etwa 200 Gramm Zucker verschlungen und insgesamt deutlich mehr Kalorien aufgenommen, als es am Tag braucht.

Anders als die Werbung suggeriert, sind Milch- und Joghurtschokoladen auch nicht kalorienärmer als andere Sorten. Joghurtschokoladen sind sogar noch kalorienlastiger, da der Füllung noch zusätzlich Zucker und pflanzliche Fette beigefügt werden. So bringt es die vermeintlich leichte Yogurette auf 568 Kilokalorien, eine einfache Schokoladentafel im Schnitt auf 520.

Noch abwegiger ist der Gedanke, Schokolade könnte Vitamine liefern. Auch wenn manch süße Tafel gleich mehrere Erdbeeren appetitlich arrangiert auf ihrer Verpackung abbildet: "Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass man 100 Tafeln Erdbeerschokolade essen muss, um eine einzige Frucht zu sich zu nehmen", sagt Valet. Da dieses Hundertstel-Stück gefriergetrocknete Erdbeere pro Schokotafel keinerlei Geschmack bietet, wird mit Aromen nachgeholfen.

Das Wort "Aroma" auf dem Etikett ist in der Regel ein schlechtes Zeichen. Denn was an Erdbeeren oder Vanille erinnert, hat mit den Pflanzen nichts zu tun, sondern ist ein mehr oder weniger künstliches Produkt, das Zutaten vortäuscht, die gar nicht vorhanden sind. Aromen, die den Geschmack von Kakao oder Milch nachahmen, sind dagegen in der Schokolade verboten.