Tipps für den Einkauf von Salz Eine Prise Betrug

Schlichtes Salz ist nicht schlechter als teueres. Beides sollten in Maßen genossen werden

Falsche Erwartungen und bisweilen dreiste Täuschungen: Ursalz, Biosalz, Himalaya-Salz, Hawaiianisches Meersalz, Fleur de Sel. Eigentlich ein billiges Lebensmittel, erleben die weißen Körnchen eine wundersame Preisvermehrung.

Von Berit Uhlmann

Bis zu 40.000 Artikel liegen in einem durchschnittlichen deutschen Supermarkt aus. Welche taugen etwas? Was nützt, was schadet der Gesundheit? Wie sinnvoll sind Bio-Nahrungsmittel und welche Werbefallen stellt die Lebensmittelindustrie dem Konsumenten? In dieser Serie bewerten wir weit verbreitete Lebensmittel für Sie. Teil 26: Salz.

Man kann noch so oft verblichene Könige und ihre Kriege um die würzigen Körnchen zitieren: Salz ist schon lange kein weißes Gold mehr. Wer an dem Geriesel ordentlich verdienen will, muss sich einiges einfallen lassen. Und so blühen phantastische Versprechen, die mitunter bis zur Verdummung des Verbrauchers reichen.

Beispiel Bio

Manche Versandhändler preisen ihr Meersalz als "Bio" an, einer zitiert sogar eine zwölfstellige Kontrollnummer für die Öko-Zertifizierung. Allein: Weder der Hersteller noch die zuständige Zertifizierungsstelle wissen etwas von diesem Vorgang. Das ist auch kein Wunder, denn Salz ist eine "Zutat nicht landwirtschaftlichen Ursprungs" und kann gar nicht biozertifiziert werden, sagt Harald Seitz vom AiD-Informationsdienst, der vom Verbraucherschutzministerium finanziert wird: "Somit erhält es kein Bio-Siegel und darf sich auch nicht Bio nennen".

Das hält manche Händler nicht davon ab, mehr oder weniger unverholen die Bio-Qualitäten ihres Salzes anzupreisen - und abzukassieren. Für die angeblich biozertifizierten Körnchen verlangt der Händler fast das Sechsfache dessen, was der Hersteller veranschlagt.

Die meisten dieser angeblichen Bio-Produkte zeichnen sich durch Naturbelassenheit aus. Ihre Hersteller verzichten auf Zusätze wie die sogenannten Rieselhilfen, die verhindern, dass die Körner verklumpen. Deren Namen - etwa Natriumferrocyanid oder Aluminiumsilikat - mögen nicht unbedingt vertrauenserweckend klingen, die Trennmittel gelten dennoch als unbedenklich. Doch ganz egal, ob solche Stoffe enthalten sind oder nicht: Angebote, die mit Bio-Qualität werben, "sind schlicht erlogen und eine klare Form der Verbrauchertäuschung", kritisiert Seitz.

Beispiel Himalaya-Salz

Für die Bröckchen wird zuweilen das 50-fache des herkömmlichen Salzpreises verlangt, stammen sie doch angeblich aus dem mythenumrankten Gebirgszug. Wer das Kleingedruckte liest, erfährt allerdings, dass die meisten dieser Salze aus Pakistan kommen - aus riesigen, industriell arbeitenden Minen, die etwa 200 Kilometer vom Himalaya-Massiv entfernt sind. Man kann darüber streiten, ob das pakistanische Salzgebirge geologisch gesehen dem Himalaya zuzuordnen ist. Unbenommen davon entschied das Oberlandesgericht Köln, dass es irreführend sei, wenn dieses Salz durch Bezeichnung und Bild eine Herkunft aus dem Hochgebirge suggeriere. Denn damit werde der Verbraucher "in seiner Exklusivitätserwartung getäuscht". Die Richter stellten zugleich fest, dass "im Bereich des Himalaya-Massivs kein qualitativ besseres Kristallsalz vorkommt". Chemische Analysen konnten keine wesentlichen Unterschiede zu anderen Salzen feststellen.

Beispiel Ursalz

Auch mit diesem Namen wird Exklusivität suggeriert, die nicht vorhanden ist. Man muss kein Salz aus entfernten "Urmeeren" nach Deutschland karren, denn auch das Würzmittel aus hiesigem Abbau stammt aus Meeren, die vor 100 bis 200 Millionen Jahren verdunsteten, erklärt der Verband der Kali- und Salzindustrie.