Plötzlicher Kindstod Zank an der Wiege

Wohin mit dem müden Kind? Darüber streiten Ärzte, Hebammen und auch manche Eltern.

Gefährlich für das Kind und verantwortlich für die sexuelle Flaute im Ehebett? Es hat auch Vorteile, wenn das Baby bei den Eltern schläft, zeigen neuere Studien. Andere verweisen auf ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Kindstod. Wo Säuglinge am besten schlafen, ist hoch umstritten.

Von Kathrin Burger

Frischgebackene Eltern lernen sehr schnell, was die Gesellschaft von ihrem Sprössling erwartet: Selbstständigkeit lautet das Diktat im Kinderzimmer. Darum soll das Baby am besten von Anfang an nicht im elterlichen Bett schlafen - auch wenn die meisten Kinder das vom ersten Tag an lautstark einfordern. Das sogenannte Co-Sleeping könnte zudem der Intimität zwischen Mutter und Vater schaden, vermuten besorgte Zeitgenossen. Auch Fachgesellschaften wie die American Academy of Pediatrics (AAP) oder der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) raten vom Familienbett ab, allerdings aus Sicherheitsgründen. Schließlich könnte das Neugeborene im Bett der Eltern ersticken, erdrückt werden oder am plötzlichen Kindstod sterben.

Eve Colson, Kinderärztin an der Yale University hat kürzlich in der Fachzeitschrift JAMA Pediatrics erneut darauf hingewiesen und ihre Kollegen aufgefordert, das Thema öfter anzusprechen und auf die Gefahren hinzuweisen. Dass bloße Warnungen der Fachgesellschaften nicht ausreichen, hatte die Forscherin in 19.000 Telefoninterviews herausgefunden. Eltern in den USA lassen demnach immer häufiger ihre Kinder bei sich im Bett schlafen: 1993 waren es nur 6,5 Prozent, im Jahr 2010 schon 13,5 Prozent, vor allem in afroamerikanischen Familien. In Deutschland sind es schätzungsweise zehn Prozent. Anders als in den USA wird das Familienbett hierzulande vor allem von höheren sozialen Schichten geschätzt.

Viele Studien zeigen, dass das Risiko für plötzlichen Kindstod um das Dreifache ansteigt, wenn Babys im Elternbett nächtigen; raucht die Mutter, sogar um das Sechsfache. Vermutlich ist der Säugling im Elternbett einer übermäßigen Wärmezufuhr und leichter einem Sauerstoffmangel ausgesetzt - beides sind wichtige Risikofaktoren für plötzlichen Kindstod, auch SIDS genannt.

Allerdings weisen Befürworter des Co-Beddings wie Abraham Bergman, emeritierter Professor am Harborview Medical Center in Seattle, darauf hin, dass dies nur ein statistischer Zusammenhang sei. "Es ist nicht bewiesen, dass das Bett-Teilen für sich genommen zum plötzlichen Kindstod führt", schreibt der Kinderarzt in einem Kommentar im JAMA.

Beispielsweise gingen in Studien oft auch dann Fälle als plötzlicher Kindstod ein, wenn die Kinder nur eine Nacht ins Bett geholt wurden. "Dies geschieht aber meist nur unter bestimmten Umständen, etwa wenn das Kind krank ist", so der Kinderarzt Herbert Renz-Polster. Zudem haben bei den tragischen Todesfällen im Elternbett fast immer weitere Umstände das Risiko stark erhöht, etwa Alkohol- oder Drogeneinfluss. Gefährlich ist es offenbar auch, wenn das Kind mit anderen Personen als der stillenden Mutter nächtigt.

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