Manipulations-Verdacht bei Organspenden in München "Bedauerliche Fehler"

Fehler aber kein Vorsatz: Der Leiter des Transplantationszentrums am Klinikum rechts der Isar geht fest davon aus, dass es keine absichtlichen Manipulationen in dem Krankenhaus gab, um Patienten bei der Organzuteilung zu bevorzugen.

Interview: Christina Berndt

Uwe Heemann leitet das Transplantationszentrum am Klinikum rechts der Isar.

SZ: Wie ist die Situation in Ihrer Klinik jetzt? Werden Sie von Patienten auf die Unregelmäßigkeiten im Transplantationsprogramm angesprochen?

Uwe Heemann: Nein, überhaupt nicht. Für die Patienten scheint es kein Thema zu sein. Es ist ja auch nie so gewesen, dass Patienten durch die Fehler, die passiert sind, benachteiligt wurden.

Das Vertrauen der Bürger in die Transplantationsmedizin leidet aber wohl.

Das ist sicher so. Am Klinikum rechts der Isar ist aber eigentlich nichts passiert, was einen solchen Vertrauensverlust rechtfertigt. Wir haben Fehler gemacht, das ist keine Frage. Es hat hier jedoch nach meiner derzeitigen Einschätzung keine vorsätzlichen Manipulationen oder kriminellen Handlungen gegeben.

Durch die Fehler sind aber einzelne Patienten bevorzugt behandelt worden.

Das ist richtig. Diese Folge gab es, weil in Einzelfällen auf den Meldebögen zum Beispiel fälschlicherweise angekreuzt wurde, der Patient erhalte eine Dialyse. Dadurch hat er schneller eine Spenderleber erhalten. Dass man Fehler macht, ist leider nicht zu vermeiden. Aber wir haben aus unseren Fehlern auch bereits gelernt und die Abläufe in unserem Lebertransplantationsprogramm besser koordiniert.

Die Transplantationsmedizin ist wegen der nötigen Spender sehr auf das Vertrauen der Bürger angewiesen. Müssen Ärzte da nicht besonders darauf achten, keine falschen Kreuzchen zu setzen?

Das sollten sie. Gleichwohl passieren Fehler. Und so bedauerlich ich diese Fehler finde, die in unserem Haus passiert sind: All die Probleme mit den zahlreichen Richtlinien, die zu beachten sind, und den Fragen nach der Verteilungsgerechtigkeit haben wir letztlich nur, weil wir einen so eklatanten Mangel an Spenderorganen haben. Mit den zahlreichen Richtlinien in der Transplantationsmedizin versuchen wir Ärzte zu regeln, was eigentlich nur durch eine größere Anzahl an Organspendern zu regeln wäre.

Und was für Fehler gab es?

Problematisch sind tatsächlich die beiden Fälle, in denen versehentlich angekreuzt wurde, der Patient werde dialysiert. In zwei weiteren Fällen wurden falsche Laborwerte übermittelt, die zu einer beschleunigten Organvergabe an die betreffenden Patienten geführt haben. Aber in den weiteren Fällen geht es nur um Kleinigkeiten. In einem Fall erfragt die Prüfungskommission zum Beispiel nur das Datum der Transplantationskonferenz, in der beschlossen wurde, dass der Patient auf die Warteliste gesetzt wird. Dieses Datum fehlt in der Patientenakte. Das ist alles.

Wann rechnen Sie mit dem Abschluss der Untersuchungen?

Wir werden schon nächste Woche alle Fragen der Prüfungskommission beantworten und alle angefragten Unterlagen bereitstellen. Dann liegt es an der Kommission, wann sie ihre Untersuchung abschließt. Ich gehe fest davon aus, dass danach nichts übrig bleibt, was auch nur im Ansatz auf vorsätzliche Manipulationen hindeutet.