Kongo Mehr Ebola-Fälle - aber kein globaler Notstand

WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus ist seit einem Jahr im Amt. Er lobte die schnelle Reaktion auf den aktuellen Ausbruch.

(Foto: REUTERS)
  • Die WHO hat entschieden, dass die Ebola-Epidemie im Kongo noch keinen internationalen Gesundheitsnotstand darstellt.
  • Bislang sind in dem afrikanischen Land 14 Infektionen bestätigt worden. Bei weiteren 31 Menschen liegt der Verdacht auf Ebola vor.
Von Berit Uhlmann

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält die Lage in der Demokratischen Republik Kongo für sehr ernst. Dennoch stelle der Ebola-Ausbruch im Nordwesten des Landes noch keinen internationalen Gesundheitsnotfall dar, sagte Robert Steffen, Leiter des Notfall-Komitees der Organisation. Die Experten sind zum jetzigen Zeitpunkt optimistisch, dass der Ausbruch unter Kontrolle gebracht werden kann. Sie begründeten die Hoffnung mit den bereits angelaufenen Hilfsmaßnahmen, etwa der Luftbrücke zur Versorgung der betroffenen Gebiete, der Einrichtung mobiler Labore und den geplanten Impfungen. Steffen rief die Weltgemeinschaft dazu auf, die Anstrengungen zur Eindämmung des Ausbruchs fortzusetzen.

Die Nachbarländer sollten den Seuchenschutz verstärken, riet das Komitee weiter. Auch die Kontrolle von Flug- oder Schiffspassagieren aus dem Kongo sei sinnvoll. Die WHO sprach sich jedoch deutlich gegen Reise- und Handelsbeschränkungen aus.

Mittlerweile sind in dem afrikanischen Land 14 Ebola-Infektionen bestätigt. Bei 31 weiteren Menschen befürchten die Behörden, dass sie mit dem Virus infiziert sind, das hohes Fieber, Schmerzen und häufig auch Blutungen auslöst. 25 der tatsächlich oder potenziell Erkrankten sind bereits gestorben. Mehr als 500 Kontaktpersonen werden überwacht.

Die WHO rechnet damit, dass die Eindämmung des aktuellen Ausbruchs fast 26 Millionen US-Dollar kosten wird. Nahezu neun Millionen Dollar seien schon bereitgestellt.

Neben den bewährten Hygiene- und Quarantäne-Maßnahmen setzt die Behörde auch auf den Einsatz eines neuen, noch nicht zugelassenen Impfstoffs. Mehr als 7500 Dosen sollen ins Land gebracht und gezielt den Kontaktpersonen von Erkrankten verabreicht werden. Die Imfpungen sollen am Sonntag beginnen.

Der Notfall kann für jeden Seuchenausbruch ausgerufen werden, wenn er ein ernstes und unerwartetes Gesundheitsproblem darstellt, das Risiko birgt, sich in andere Länder auszudehnen und koordinierte internationale Reaktionen nötig machen könnte. Seit dem Jahr 2005 hat die WHO vier Mal eine solche globale Warnung ausgesprochen: während der Schweinegrippe-Pandemie, nach dem Wiedererstarken des in vielen Ländern bereits ausgerotteten Poliovirus, sowie während der Ebola-Epidemie in Westafrika und der Zika-Epidemie in Südamerika.

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