Alkoholentzug Loskommen in drei Phasen

Fehlt der Alkohol, gibt der Körper Vollgas: Während der Entgiftung können Entzugserscheinungen auftreten, die sogar lebensbedrohlich sind. Danach helfen Entzug und Entwöhnung, den Alkoholismus zu überwinden.

Von Karin Janker

Der Weg, der aus der Alkoholabhängigkeit führt, ist eine steile Treppe mit vielen Stufen. Zwar gelingt es einigen Alkoholkranken, sich selbst ohne fremde Hilfe aus der Abhängigkeit zu befreien, aber für manche wäre das plötzliche Aufhören mit dem Trinken nicht nur zu hart, sondern sogar gefährlich.

Der erste Schritt sollte deshalb immer ein Besuch beim Hausarzt sein, empfehlen Sucht-Experten. Dieser stellt die Diagnose mit Hilfe konkreter Fragen zum Trinkverhalten und bestimmt die Leberwerte. Gemeinsam mit dem Arzt entscheidet der Alkoholkranke dann, ob der Besuch einer Beratungsstelle oder eine Einweisung in eine Entzugsklinik notwendig ist. Das Loskommen vom Alkohol geschieht in drei Phasen.

Entgiftung

Am Beginn steht die körperliche Entgiftung. Diese dauert drei bis fünf Tage und kann stationär oder ambulant durchgeführt werden. In dieser Zeit wird der Alkohol weggelassen, was zu teilweise schweren Entzugserscheinungen führen kann. Dazu gehören beispielsweise Schwitzen, Zittern oder Gereiztheit, in Einzelfällen können die Entzugserscheinungen aber sogar lebensbedrohlich sein.

Karl Mann, ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim erklärt dies so: "Alkohol hat vor allem in höherer Dosierung sedierende Wirkung. Bei chronischem Konsum ist das wie ein ständiger Druck auf das Bremspedal im Auto." Bleibt der Alkohol plötzlich weg, fehlt die Bremse und der Körper gibt Vollgas.

Mit Hilfe von Medikamenten können Mediziner diese Umstellung des Körpers auf ein Leben ohne Alkohol erleichtern. Dazu gehören Antidepressiva und Beruhigungsmittel vom Typ der Benzodiazepine. Im Falle einer ambulanten Entgiftung wird der Patient normalerweise für etwa eine Woche krankgeschrieben.

Entzug

Auf die körperliche Entgiftung folgt die eigentliche Entzugstherapie, die in der Regel zwei bis drei Wochen dauert. Während dieser Zeit nimmt der Patient an Einzel- und Gruppentherapie teil, in der durch Gespräche versucht wird, den Wunsch nach Abstizenz zu festigen.