Warnung vor drastischer Mieterhöhung Wohnst du schon oder kannst du's dir nicht leisten?

Wer umziehen muss, erlebt in manchen Städten Dramen. Vermieter setzen die Mieten für leerstehende Wohnungen oft nach Belieben fest. Die Folge: Die Kosten für das Wohnen steigen in immer neue Höhen. Der Mieterbund drängt die Politik, endlich zu handeln.

Von Hans von der Hagen

Vielleicht tut sich so wenig im deutschen Wohnungsbau, weil im Schnitt alles gut zu sein scheint. Doch der Schein trügt. Darum sitzen hier nun die Herren und Damen vom Vorstand des Deutschen Mieterbund (DMB) und strahlen Unruhe aus.

Die politischen Akteure hätten einfach zu lange geschlafen, wettern sie. Wenn man vor vier, fünf Jahren mit Politikern - egal welcher Couleur - über die Lage am Wohnungsmarkt gesprochen habe, dann sei die Antwort gewesen: "Wir haben doch genug Wohnungen in Deutschland." Aber das stimme eben nur, wenn man Deutschland insgesamt betrachte. Es nütze aber nichts, jemandem aus München eine Wohnung in Hoyerswerda anzubieten.

München - aus Sicht des DMB steht diese Stadt stellvertretend für die Misere auf dem Wohnungsmarkt. Deshalb sind seine Vertreter am 65. Deutschen Mietertag hierher gekommen.

Die aus Mietersicht besonders hässlichen Zahlen Münchens präsentiert Monika Schmid-Balzert, die die bayerische Sektion des DMB vertritt. "2012 wurden 23.000 Anträge auf Vergabe einer Wohnung gestellt", sagt sie. Aber nur 1880 Sozialwohnungen hätten zur Verfügung gestanden. Insgesamt seien 3800 Leute Ende vergangenen Jahres ohne Wohnung gewesen.

Dazu müssten noch geschätzt 1200 Personen gezählt werden, "die irgendwo auf Sofas unterkommen" müssten, so dass der DMB mit 5000 Wohnungslosen in der Stadt rechne. Damit nicht genug: Weitere 20.000 bis 30.000 Personen kämen noch hinzu, auch wenn diese in keiner Statistik auftauchen. Sie hätten keinen Anspruch auf eine Sozialwohnung, weil sie noch nicht fünf Jahre in München lebten und darum in der Statistik gar nicht erst erschienen.

"Neue Wohnungsnot"

Es sind Zahlen wie diese, die vielen Menschen Angst machen, weil die Auswirkungen der Wohnungsknappheit jeden treffen können. Sei es, weil manche beim Umzug plötzlich feststellen, dass sie für eine neue Wohnung erheblich höhere Mieten bezahlen müssen. Sei es, weil sie nach einer Trennung eilends eine neue Wohnung suchen müssen und keine finden. Oder weil die eigenen Kinder große Probleme haben, in den Universitätsstädten noch unterzukommen.

In Großstädten und Ballungszentren "wächst eine neue Wohnungsnot heran", warnt Rips. Schon jetzt lägen die Leerstandsquoten in Städten wie München (0,6 Prozent) und Hamburg (0,7 Prozent) weit unter der Marke von drei Prozent, die Fachleute als Fluktuationsreserve bezeichnen. Sie sei nötig, damit Leute, die umziehen wollen oder müssen, eine neue Wohnung finden.

Die Folge der niedrigen Zahl leerstehender Wohnung seien "explodierende Wiedervermietungsmieten", da die Vermieter dann die Miete nahezu "nach Belieben" festsetzen könnten.

Menschen, die heute in Frankfurt eine Wohnung neu anmieten, müssten darum derzeit 31 Prozent mehr zahlen als dort im Durchschnitt gezahlt werde. In München liege dieser Wert bei 28 Prozent, in Düsseldorf 25 Prozent, im Hamburg 24 Prozent und in Berlin bei 19 Prozent.

Neuvermietungsmieten von heute sind Vergleichsmieten von morgen

Besonders groß sei der Preisunterschied zwischen bisheriger Miete und Wiedervermietungsmiete in den kleineren Universitätsstädten wie Konstanz (44 Prozent), Münster (40 Prozent) oder Regensburg (39 Prozent).

Unmittelbar betroffen von dieser Entwicklung seien zwar zunächst nur jene etwa zehn Prozent der Haushalte, die pro Jahr die Wohnung wechselten. Auf längere Sicht wirken sich die hohen Wiedervermietungsmieten aber nach Angaben von Rips auf das allgemeine Mietniveau aus. Denn die sogenannte ortsübliche Vergleichsmiete, die der Maßstab für das Mietniveau einer Stadt ist, wird aus den Vertragsabschlüssen der letzen vier Jahre gebildet. "Die hohen Neuvermietungsmieten von heute sind also die Vergleichsmieten von morgen, die dann alle Mieter zahlen müssen."

Schon jetzt müssten viele Mieter einen erheblichen Teil ihres Einkommens für Miete ausgeben. Im Schnitt gingen 34 Prozent ihrer Konsumausgaben für Wohnen und Energie drauf. In manchen Gegenden seien es sogar 40 bis 50 Prozent.

Die Lösung für diese Probleme? Der Mieterbund fordert einerseits die Begrenzung der Wiedervermietungsmieten - sie dürften höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen.

Andererseits müsste der Wohnungsbau vorangetrieben werden - benötigt würden vor allem Wohnungen im mittleren und unteren Preissegment. In Zahlen bedeutet das aus Sicht des Mieterbundes: Bundesweit müssten jährlich 140.000 bis 150.000 neue Mietwohnungen fertiggestellt werden. Derzeit werde nur die Hälfte davon davon gebaut.

Für Mieter in den Ballungszentren, daran lassen die Ausführungen des DMB nur wenig Zweifel, sind die Zeiten höchst ungemütlich.