Vorsicht bei Werbeversprechen Wie Sie einen teuren Autokredit vermeiden

Die "0 Prozent-Finanzierung" aus der Werbung gibt es in der Realität oft nur unter engen Bedingungen.

(Foto: dpa)

Schicke Stadtflitzer schon für "99 Euro im Monat", das suggeriert die Werbung. In Wirklichkeit zahlen viele Kunden mehr, als sie wollten.

Matthias Urbach, Finanztip

"0 Prozent, 99 Euro Rate, keine Anzahlung, 4 Jahre Garantie." Und daneben das Foto eines schmucken Stadtflitzers. Eine typische Autowerbung - und verlockend für jeden, der einen neuen Wagen sucht. Für den Traum eines Neuwagens sind viele bereit, Schulden zu machen: Vier von zehn Kunden nehmen einen Kredit auf. Im Rundum-sorglos-Paket vom Autohaus lauern allerdings Fallen - und versteckte Kosten.

Die "0 Prozent" aus der Werbung gibt es in aller Regel nur unter engen Bedingungen. Meist handelt es sich um eine sogenannte Ballonfinanzierung. Und die null Prozent gibt es oft nur, solange die Finanzierung nicht länger dauert als zwei bis drei Jahre. Ein aktuelles Beispiel ist ein französischer Kleinwagen für 10.766 Euro. Hier verlangt der Hersteller eine typische Anzahlung von 15 bis 20 Prozent des Kaufpreises. Die günstigen 99 Euro Rate tilgen über 23 Monate nur einen kleinen Teil der Summe. Rund 60 Prozent bleiben übrig - in diesem Fall knapp 6.600 Euro. Diesen Betrag muss der Käufer im letzten Monat auf einmal auf den Tisch legen. Nur so kann er sich die niedrigen Raten sichern. Die Ballonfinanzierung verleitet dazu, sich mehr zu leisten, als man am Ende stemmen kann.

Und sobald die Zinsen höher als null Prozent sind, ist eine Ballonfinanzierung viel ungünstiger als ein normaler Ratenkredit. Denn für den Hauptteil des Kredits, eben die Schlussrate, müssen bis zum letzten Monat die vollen Zinsen gezahlt werden.

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An dieser Stelle bietet der Verkäufer gerne die "3-Wege-Finanzierung" an. Das ist dieselbe Ballonfinanzierung. Aber der Kunde hat dann nach zwei Jahren die Wahl. Erstens: Er zahlt die letzte Rate. Oder zweitens: Er nimmt im Autohaus einen weiteren Ratenkredit auf - dann allerdings zu deutlich höheren Zinsen. Oder, die dritte Variante, der Kunde gibt das Auto zurück. Das klingt gut. Doch er sollte besser davon ausgehen, dass der Autohändler zuvor die Reparatur jeder noch so kleinen Delle verlangen wird. Wahrscheinlich zahlt der Kunde dann deutlich drauf. Kulant wird der Händler nur, falls der Kunde gleich den nächsten Neuwagen kauft. Wohlgemerkt: Diese Finanzierung gibt es nicht nur beim Anbieter des französischen Kleinwagens sondern auch bei Autobauern aus Deutschland und den USA.

Vollkasko-Versicherung statt Kreditschutz

Die Ballonfinanzierung, egal ob mit oder ohne Auswahl am Schluss, verschleiert, dass das Auto gar nicht abbezahlt wird, sondern lediglich den Wertverlust kompensiert. Erst mit der letzten Rate würde der eigentliche Kauf stattfinden.

Die letzte Rate entspricht also etwa dem Restwert, ohne Dellen oder Unfallschäden. Jedenfalls im Prinzip. Kunden sollten bei einer 3-Wege-Finanzierung darauf achten, sich den Betrag in Höhe der Schlussrate im Vertrag als garantierten Mindestwert festschreiben zu lassen.

Auch Autohäuser raten ihren Kreditkunden oft zu einer Restschuldversicherungen - oft "Kreditschutz" oder so ähnlich genannt. Das ist unnötig, schließlich sind die Kredite bereits besichert, und zwar mit dem Auto. In der Regel bleibt deshalb auch der Fahrzeugbrief bei der Autobank. Daher sollte man nicht den Kredit versichern, sondern die Kreditsicherheit, das Auto: mit einer Vollkasko-Versicherung.