Geldanlage Warum sich ein Tagesgeldkonto jetzt lohnt

Ordentliche Zinsen bei wenig Risiko: Spätestens seit der Finanzkrise wollen Verbraucher ihr Geld vor allem sicher anlegen. Aber das einst heilige Sparbuch ist ein Auslaufmodell. Verbraucherschützer raten zu Tagesgeldkonten - doch auch bei denen sollte man genau hinsehen.

Von Jannis Brühl

Krisensicher und solide - das Sparbuch lebt nach wie vor von dem guten Ruf, den es vor allem bei Älteren genießt. Doch wer sein Erspartes mit wenig Risiko für ordentliche Zinsen anlegen will, verschenkt mit ihm bares Geld, Ähnliches gilt für Girokonten.

Auch andere Anlageformen schrecken eher ab: Der Aktienmarkt zeigt sich seit Monaten instabil, komplexe Finanzprodukte wie Derivate gelten seit der Finanzkrise sowieso als brandgefährlich. Deshalb raten Verbraucherschützer, Geld auf einem Tagesgeldkonto zu deponieren.

Mehr als vier Prozent wie vor der Finanzkrise werfen Tagesgeldkonten zwar nicht mehr ab, doch der durchschnittliche Zinssatz liegt konstant bei mehr als 1,5 Prozent, einige Anbieter wie die Bank Santander locken sogar mit 2,5 Prozent. Zum Vergleich: Viele Sparbücher bringen nicht einmal die Hälfte dieses Satzes.

Ein Tagesgeldkonto bietet Verbrauchern außer höheren Zinsen mehr Flexibilität: Während ein Sparbuch als Darlehen gilt und damit die gesetzliche Kündigungsfrist drei Monate dauert, kann der Kunde sofort und ohne Nachteile auf sein gesamtes Tagesgeld zugreifen. Der große Nachteil: Die Bank kann den Zinssatz jederzeit ändern - auch nach unten. "Wenn man da nicht aufpasst, rutscht er schnell ab", sagt Susanne Götz von der Verbraucherzentrale Bayern.

Wen die hohen Zinsen anlocken, sollte deshalb die Entwicklung bei seiner Bank genau beobachten - vom Kleingedruckten im Vertrag bis zu aktuellen Mitteilungen auf der Website. Dennoch: Für Kunden, die bereit sind, sich auf dem Laufenden zu halten, ist ein Tagesgeldkonto laut Götz "sehr zu empfehlen" - allerdings nur bis 100.000 Euro pro Finanzinstitut, weil diesen Betrag die europäische Einlagensicherung garantiert, sollte die Bank pleitegehen.

Tagesgeldkonten als Köder

Die höheren Zinsen für Tagesgeldkonten können vor allem Direktbanken zahlen, weil sie auf ein Filialnetz verzichten, der Kontakt zum Kunden läuft online oder per Telefon. Wie bei jeder Form von Onlinebanking sollten Verbraucher genau aufpassen, wo sie ihre Kontodaten eingeben. Phishing-Filter für E-Mail-Programme können dabei helfen.

Und was bringt es den Banken, sich bei den Zinsen großzügig zu zeigen? Sie benutzen die Anlageform als Köder. Voraussetzung für den hohen Zinssatz ist oft, dass der Kunde auch sein Girokonto oder Wertpapierdepot zu dieser Bank verlegt. Es lohnt sich also, zu prüfen, ob dafür zusätzliche Gebühren entstehen. Neugegründete Banken wollen mit Tagesgeldkonten auch einfach schnell Kapital einsammeln.

Viele Kunden wollen sich möglichst wenig mit ihrer Geldanlage beschäftigen - das nutzen die Banken, sagt Götz. Senken sie die Zinsen, ziehen vielleicht ein paar Kunden ihr Geld ab, die Mehrheit wird aber bleiben - vor allem, wenn sie außer Tagesgeld auch andere Konten bei der Bank hat. Hier zahlt sich der "Köder" für die Banken erst richtig aus.

Verbraucherschützerin Götz empfiehlt den Kunden dringend, die Transparenz des Internets zu nutzen: Tagesgeldrechner und Vergleichstabellen bieten einen Überblick über die verschiedenen Angebote, Zinssätze und Sicherheiten.

Wie hohe Zinssätze bieten die Banken derzeit? Hier geht es zum sueddeutsche.de-Tagesgeldvergleich.