Vatikanbank Der Papst und das Geld

Düstere Geschichten über Mafia-Finanzen und Geldwäschedeals umranken die Vatikanbank. Mit einem Gesetz möchte Papst Benedikt XVI. kriminelle Geschäfte verhindern - und das Image des Kirchenstaates verbessern.

Von Andrea Bachstein, Rom

Geheimnisvoll wirkt schon der Sitz dieses Geldinstitutes in einem mittelalterlichen Festungsturm des Vatikan-Staats. Düstere Geschichten von Mafia-Finanzen und Geldwäschegeschäften haben den Ruf der Vatikan-Bank IOR verdunkelt. Dass sie ihre Bilanzen und Transaktionen bisher nicht offenlegt, setzt sie für viele schon grundsätzlich unter Verdacht. Aus diesem Zwielicht will Papst Benedikt XVI. das Institut nun holen und die Finanzen des Kirchenstaats insgesamt; er möchte es künftig unter den unverdächtigen Staaten auf der Weiße Liste der OECD sehen.

Transparenz soll herrschen und alles nach den internationalen EU-Regeln gegen Geldwäsche ablaufen, im Kampf gegen organisierte Kriminalität und Terrorismus. Am Donnerstag hat der Vatikan ein Motu Proprio veröffentlicht, einen Gesetzeserlass des Papstes, der für sämtliche Kurienämter, dem Vatikan unterstehenden Einrichtungen und deren Geschäfte gilt. Er sieht harte Sanktionen vor: Bis zu zwölf Jahren Haft können die Vatikanischen Justizbehörden für Geldwäschegeschäfte nun verhängen, und bis zu 15 Jahren bei Vergehen in Verbindung mit Terrorismus. Haft und hohe Geldstrafen drohen nun auch für Insidergeschäfte und andere Marktmanipulationen.

Kontrollieren soll die Wirtschaftsaktivitäten des Vatikan ein neu eingerichtetes Finanzinformationsamt (AIF) - von der Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhls (APSA) bis zu den Eintrittskarten für die Museen. Die Aktivitäten des Instituts für die Religiösen Werke (IOR) haben die Finanzen des Vatikans immer wieder in die Schlagzeilen gebracht. Dabei versteht sich das IOR noch nicht einmal als Bank. Der seit gut einem Jahr amtierende IOR-Präsident Ettore Gotti Tedeschi definiert sein Haus eher als eine Vermögensverwaltung - es geht dabei geschätzt um fünf Milliarden Euro.

Benedikt XVI. hatte Tedeschi geholt, damit er für saubere Geschäfte sorgt und für Transparenz. Der Vorgänger Tedeschis hatte nach 20 Jahren gehen müssen, als 2009 ein Buch des italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi Aufsehen erregte. In "Vatikan AG" schilderte Nuzzi ein teilweise sehr zweifelhaftes Finanzgebaren der Vatikanbank. Doch nach einem Jahr hat auch Tedeschi schon großen Ärger mit der italienischen Bankenaufsicht. Es läuft ein Ermittlungsverfahren, das Überweisungen von insgesamt 23 Millionen Euro betrifft. Das Geld ist seit September eingefroren.

Tedeschi beteuert, es handle sich nicht um Geldwäsche, sondern um ganz normale Transaktionen. Das IOR habe lediglich eigene Guthaben von einer Bank auf andere überwiesen, um Anlagen vorzunehmen. 20 Millionen der Summe sollten auf ein Konto bei der J.P. Morgan-Bank in Frankfurt gehen. Der Fall ist weiter in der Schwebe und hat den Start des überzeugten Katholiken Tedeschi überschattet. Auch solchen Fällen sollen die neuen Gesetze nun vorbeugen.

Die finsteren siebziger und achtziger Jahre

Die finsterste Phase des 1942 von Papst Pius XII. gegründeten IOR waren jedoch zweifellos die siebziger und achtziger Jahre. Der amerikanische Erzbischof Paul Casimir Marcinkus ließ sich als Chef der Vatikanbank offenbar mit Kriminellen ein. Ganz aufgeklärt sind die Vorgänge nicht. Aber Investitionen des später im Gefängnis vergifteten Anlagebetrügers und mutmaßlichen Geldwäsche-Helfers der Mafia, Michele Sindona, kosteten das IOR 1975 rund 50 Millionen Dollar.

Vollends ruiniert war der Ruf nach dem Zusammenbruch der Bank Ambrosiana, bei der das IOR Konten unterhielt und mit der es Geschäfte machte. Der frühere Ambrosiana-Chef Roberto Calvi endete 1982 unter der Londoner Blackfriars Bridge. Es sah so aus, als habe er sich aufgehängt. Doch bis heute gibt es daran Zweifel, vermutet wird ein kaschierter Mafia-Mord. Ein römischer Staatsanwalt bemüht sich derzeit um die Wiederaufnahme der Untersuchungen.

Mehr Transparent wagen

Die neuen Gesetze des Papstes treten am 1. April in Kraft. Es gibt ganz praktische Motive für sie, wie das Image des Kirchenstaats. Doch die Vorschriften liegen auch voll auf der Linie von Benedikt XVI., mehr Transparenz auch in anderen Vatikanbereichen einzuführen. Vor allem stimmen sie aber überein mit seiner Ethik in Wirtschaftsfragen, wie er sie beispielsweise in seiner Sozialenzyklika "Caritas e Veritate" 2009 formuliert hat.

Im jetzigen motu proprio schreibt Benedikt XVI.: "Der Frieden ist heute in einer immer stärker globalisierten Gesellschaft leider von mehreren Seiten bedroht. Dazu gehören der Missbrauch der Märkte und der Wirtschaft und die schreckliche, zerstörerische Gewalt des Terrorismus, der Tod, Leid, Hass und soziale Instabilität bringt."

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