Schon in der Finanzkrise wurde deutlich, wie schlecht private Kunden oft beraten werden - jetzt stellt die Stiftung Warentest fest: Es ist alles noch viel schlimmer geworden. Bankenvertreter geben sich ungewöhnlich kleinlaut.
Nach der Finanzkrise schworen die Banken: Alles soll besser werden bei der Beratung privater Kunden. Jetzt aber stellt die Stiftung Warentest der Kreditwirtschaft ein vernichtendes Zeugnis aus: Es sei alles noch viel schlimmer geworden: Die Qualität der Anlageberatung habe sich in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert und sei inzwischen gar auf "jämmerlichem" Niveau.
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Nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest bei 21 Banken und Sparkassen bekamen sechs Häuser das Urteil "mangelhaft" und nicht eines schnitt mit "gut" ab. (© ddp)
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Nach einer Untersuchung bei 21 Banken und Sparkassen bekamen sechs Häuser das Urteil "mangelhaft" und nicht eines schnitt mit "gut" ab. Eine Blamage, zumal bei einer Untersuchung Ende vergangenen Jahres die Tester nur zwei Geldinstitute mit "mangelhaft" bewertet hatten.
Schon damals drohte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) den Banken schärfere Kontrollen und weitere Gesetze an, sofern sie ihre Leistungen nicht verbesserten. Darum geben sich die Institute nun ungewöhnlich zerknirscht. Der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) - gewöhnlich nicht für schnelle Reaktionen bekannt - erklärt, bei der "Handhabung von Protokollen nach einer Wertpapieranlageberatung" bestehe "offenbar noch deutlicher Nachholbedarf".
Gleichwohl spart der ZKA, der sowohl für die öffentlichen als auch die privaten Banken spricht, nicht mit Selbstlob: "Die Anstrengungen zur Verbesserung der Kundenberatung ... zeigen Wirkung", heißt es. Der Beratungstest berichte "von einer insgesamt verbesserten Qualität der Anlageberatung bei praktisch allen getesteten Kreditinstituten" - zumindest "ohne Berücksichtigung einer eventuellen Protokollierungspflicht", wie der ZKA nachschiebt.
Das ist wohl der Knackpunkt: In dem Test wurden fast die gleichen Institute, die die Stiftung Warentest schon einmal untersucht hatte, unter die Lupe genommen. Die Testkunden führten 146 Beratungsgespräche. Sie sollten darin klären, wie sie 35.000 Euro zehn Jahre lang anlegen könnten.
Nach dem neuerlichen Test bekamen nun Postbank, Hypovereinsbank, Targobank, BW Bank, Nassauische Sparkasse und Volksbank Mittelhessen ein "Mangelhaft".
Protokoll gibt es nicht
In mehr als der Hälfte der Fälle hätten Testkunden kein Beratungsprotokoll bekommen, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Schlimmer noch: Die Kunden hatten sogar explizit nach diesem Protokoll gefragt und es nicht erhalten.
Auch müssten die Banken ihre Kunden nach den finanziellen und persönlichen Verhältnissen fragen und ermitteln, welche Ziele die Kunden mit ihrer Geldanlage verfolgten und welche Kenntnisse sie haben.
Oft genug unterblieb dies - selbst wenn zumindest in diesem Bereich die Stiftung Warentest eine leichte Verbesserung feststellte. Stephanie Pallasch, zuständig für den Bereich Finanzdienstleistungen bei der Stiftung Warentest, sagte, dass entsprechende Fragen "zwar häufiger gestellt wurden als in unserer Voruntersuchung", doch die Banken noch "weit von einem guten Ergebnis entfernt seien".
Doch ein Institut glänzte in diesem Teilsegment: die Berliner Sparkasse bekam ein "Sehr gut". Pallasch sieht dies als Beleg dafür, dass die gesetzlichen Vorgaben keine unüberwindliche Hürde seien und konsequent umgesetzt werden könnten.
Pallasch rät den Kunden, selbst aktiv zu werden: Sie müssten sich schon vor dem Gespräch ihre Anlageziele klarmachen. Auch könne es hilfreich sein, zu dem Gespräche einen Freund mitzunehmen, der notfalls als Zeuge fungieren könnte. Auf die Aushändigung eines Beratungsprotokolls könnten die Kunden bestehen. Wichtig sei, dass es mit der Unterschrift des Beraters versehen sei. Selbst unterschreiben sollten die Kunden "jedoch auf keinen Fall".
Im Mai 2010 hatte die Sparkassen-Finanzgruppe ein Versprechen gegeben: "Im Mittelpunkt der Beratung stehen die Ziele und Bedürfnisse des Kunden." Ein "reiner Produktverkauf ohne Rücksicht auf die Bedürfnislage des Kunden" sei mit der Philosophie von Sparkassen nicht vereinbar. Ernüchtert stellt die Stiftung Warentest fest, dass sich in der Anlageberatung diese Philosphie nicht widerspiegele: bei den Sparkassen nicht - und bei den übrigen Instituten genauso wenig.
Die Erfahrungen der Stiftung Warentest decken sich auch mit den Erkenntnissen anderer Institutionen: Annabel Oelmann, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, bestätigt, dass die Anlageberatung nicht besser geworden sei. Schlimmer noch: Viele Banken würden sich mit einem Trick aus der Verantwortung stehlen, die ihnen das Gesetz auferlege: In den Beratungsprotokollen sei oft vermerkt, dass abweichend von den im Beratungsgespräch festgehaltenen Anlagezielen der Kunde doch eine riskantere Anlage kaufen wolle. Vielen sei allerdings nicht bewusst, dass an der entsprechenden Stelle vom Bankberater ein Kreuzchen gesetzt worden sei. Die Verbraucherschützer fordern angesichts der schlechten Noten der Stiftung Warentest für die Banken jetzt gesetzliche Schritte. Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, sagte: "Ohne klare gesetzliche Vorgaben und effektive Kontrollen durch die Finanzaufsicht wird sich an der Qualität der Anlageberatung durch Banken und Finanzvermittler nichts ändern."
Die Beratung dürfe nicht mehr von Provisionen "getrieben" sein. Die Ankündigungen der Banken, kundenfreundlicher zu werden, bezeichnete der oberste Verbraucherschützer als leere Worthülsen.
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(sueddeutsche.de/dpa/hgn/pak)
@tinididi schreibt" Selbst ist der Mann oder die Frau"
Das ist doch Quatsch, Finanzprodukte sind derart kompliziert gestaltet und das bewußt, wer soll da durchsteigen.
Ein Finanzprodukt ist nicht anderes wie ein Auto. Wenn ich in ein BMW Autohaus gehe oder in eine Spaarkasse, so werde ich über die Produkte des Hauses informiert. Was ist hierbei ungewöhnlich ? Als Kunde treffe ich meine Entscheidung beim Betreten des Hauses ob Bank oder Autohaus und normalerweise sollte man sich schon vorher etwas informiert haben. Wer meint, er könne die Verantwortung für Erfolg sich selbst zuschreiben und bei Misserfolg einen anderen verantwortlich machen, wird nicht glücklich werden. Im Prinzip sind beides Verkaufsberater und sind in erster Linie interessiert den Kunden zufrieden zu stellen und natürlich ein Geschäft zu tätigen. Ein zufriedener Kunde kommt wieder. Nun sind alle Kunden und auch alle Berater nicht gleich und beide Seiten haben Negativbeispiele. Dem Berater kann kann Provisionsgeilheit unterstellen und dem Kunden den Wunsch auf riesen Rendite mit hunderprozentiger Absicherung. Beides funktioniert auf Dauer nicht.
Wenn man als Kunde, egal wo, etwas mehr auch sich sebst achtet und sich informiert, so geht es einem nicht schlecht.
Also wenn wir in ein BMW-Authohaus gehen und dort ein dieselgetriebenes Kfz mit 170 PS suchen, dann würden wir uns doch alle sehr wundern wenn der Autoberater zu uns sagt: "Ich habe da zwar etwas da, aber schau doch mal bei Audi, deren Auto ist für Dich einfach besser geeignet". Meines Erachtes liegt der Fehler doch darin einen Verkäufer, der in einer Bank arbeitet, als "Berater" zu bezeichnen. Das war der nie und wird es auch nie sein, denn wenn die Sparkasse Finanzprodukte vertreibt, dann verkauft der Sparkassen"berater" auch vorwiegend deren Produkte. Ist für mich logisch. Aus meiner Sicht ist das Problem nicht unbedingt das geringe Wissen der Bankkunden, sondern das übersteigerte und unendliche Vertrauen in diese Schnarchnasen. Selbst wenn man von einem seriösen Vermögensberater (die es auch gibt) einen tollen Anlageplan aufgestellt bekommen hat knicken 99% der Bevölkerung diesen wieder wenn der Pförtner der Sparkasse sagt dass das nix bringt. Diese vielleicht typisch deutsche Kratzbuckelei vor Institutionen, einschließlich der Banken, ist für mich ein großes Problem. Aus diesem Grunde schauen die Bänker auch herablassend auf die Kunden herab und glauben dass diese nur dummes Geldvieh sind. Wörtlich sagte mal einer im TV: "Na wenn die so blöd sind und uns ihr Geld anvertrauen ..."! Also Volk: Hirneinschalten und Bank"berater" als Verkäufer sehen - dann kommt vielleicht auch ein gesundes Mißtrauen auf.
Wieso spricht man nicht Klartext und benennt die Dinge bei Namen: Was die banken machen hat System, Punkt! Während der Krise haben Hunderte sogenannte "Aussteiger" ganz explizit erklärt wie es funktioniert. Jetzt findet Stiftung Warentest das heraus, was ohnehin jeder seit spätestens 2 Jahren wissen MUSS heraus und alle schauen verblüfft in den Wolkenhimmel...
Wo lebe ich hier eigentlich? Die Banken treiben nach Belieben (durch Milliardeneinkäufe) die Kurse nach oben und Unten. Sie kaufen, wenn das Papier unten ist und verkaufen wenn es oben ist, um es mal leichtverständlich zu erklären: Verliert der kleine Mann Geld, Gewinnt es die Bank. Ackermann ist doch das beste Beispiel dafür.
Geld verbrennt nicht und es wird auch nicht "vernichtet". Jeder Cent der verloren geht hat einen Empfänger, Merken!
Für die Freiheit des Marktes wird alles getan, sogar Menschen in den Tod getrieben und das auf beiden Seiten. Die Provisionsgeber (Kunden) nach einem schlichtweck betrügerischen Kauf eines Produktes wie die Provisionsnehmer (Angestellte, Manager) die das schlechte Gewissen ihrer Machenschaften nicht mehr ertragen. Eine Lösung? Zurück zum guten alten Festgehalt.
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