Reden wir über Geld: Katja Kipping "Bei den Linken ist Luxus legitim"

Politikerin Katja Kipping über Lustkäufe, ihren Kampf für 950 Euro Grundeinkommen und die Unbeholfenheit grauhaariger Kollegen.

Interview: A. Mühlauer u. H. Wilhelm

Katja Kipping empfängt in ihrem Bundestagsbüro gleich hinter dem Berliner Reichstag. Draußen geht die Sonne langsam unter. Am nächsten Morgen wird die 31-Jährige wieder hinausfahren ins Land, um in Fußgängerzonen Wahlkampf zu machen für ihre Partei Die Linke, deren Vize-Vorsitzende sie ist. Jetzt nimmt sie sich zwei Stunden Zeit, um über Geld zu reden. Sie nippt noch kurz an ihrer Tasse Tee, fährt sich mit der linken Hand durch die roten Haare, dann kann es losgehen.

SZ: Frau Kipping, reden wir über Geld. Darf man als Linke Geld verprassen und im Luxus leben?

Katja Kipping: In den Köpfen von sehr vielen wird der Sozialismus immer noch mit dem Aschgrau der Wohnblocks in Verbindung gebracht. Ich will keine aschgrauen Uniformen, sondern Frühlingsgrün. Wenn es eine politische Richtung gibt, in der Luxus legitim ist, dann bei den Linken. Wir predigen ja kein Wasser, sondern wir möchten, dass es allen besser geht, nicht nur wenigen.

SZ: Was war Ihr letzter Lustkauf?

Kipping: Intensive Kauferlebnisse habe ich meistens in Leipzig. Ich bin ja viel mit dem Zug unterwegs und am Leipziger Hauptbahnhof muss ich häufiger umsteigen. Da habe ich dann eine halbe Stunde Zeit. Das ist Intensivshopping. Ich mag es, wenn ich es in kurzer Zeit schaffe, etwas Schönes und Günstiges zu bekommen.

SZ: Von wegen linker Luxus - Sie sind ein Sparfuchs.

Kipping: Meine Großmutter ist sehr sparsam. Sie verwendet jeden Plastikbeutel gründlich und mehrfach. Manchmal bemerke ich Verhaltensweisen an mir und denke dann: Oh je, das ist das Erbe deiner Großmutter.

SZ: Zum Beispiel?

Kipping: Wenn ich einen Teebeutel aufgieße und nachher überlege, ob ich ihn sofort wegwerfe oder noch mal aufgieße (lacht).

SZ: Sind Ihre Eltern auch so sparsam?

Kipping: Meine Eltern haben mir vor allem den Wert von kulturellem Reichtum nahegebracht, der nicht immer viel kosten muss.

SZ: Ihr Vater war Ökonom...

Kipping: ... bis zur Wende. Danach hat er eine Villa seiner Großmutter in Dresden reprivatisiert und betreibt dort nun ein Hotel mit seinem Bruder.

SZ: Das erben Sie einmal und werden Hotelbesitzerin.

Kipping: Es gibt Leute, die ein Hotel besser leiten können als ich.

SZ: Empfinden Sie Besitz als Last?

Kipping: Ein richtig guter Laptop ist hilfreich. Und eine gewisse Summe auf dem Konto zu haben, erleichtert Entscheidungsfreiheit. Aber eine Eigentumswohnung oder ein teures Auto? Das wäre eine Belastung für mich. Ich fahre lieber ein gebrauchtes Fahrrad. Die Angst und der Stress, dass ein neues, edles sofort gestohlen würde, wären mir zu groß.