Krankenkassen Wie sich die gesetzliche von der privaten Versicherung unterscheidet

Eine Krankenversicherung muss jeder Deutsche irgendwann abschließen. Ob gesetzlich oder privat, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Die wichtigsten Unterschiede im Überblick.

Von Katarina Lukac

Um die Krankenversicherung kommt in Deutschland keiner herum: Seit der Gesundheitsreform 2007 muss sich jeder Bundesbürger für den Fall einer Krankheit absichern. Damit gehört die Krankenversicherung, wie die ebenfalls staatlich vorgeschriebenen Renten-, Unfall- und Pflegeversicherungen, zur "gesetzlichen" Sozialversicherung.

Seit 1845 unter Bismarck die ersten Unternehmen Krankenkassen für ihre Fabrikarbeiter gründeten, während Handwerker, Kaufleute und freie Berufsgruppen wie Rechtsanwälte und Ärzte sich schon länger in eigenen Genossenschaften oder bei privaten Versicherern absicherten, fährt das deutsche Krankenversicherungssystem zweigleisig: Versicherte kommen in gesetzlichen oder privaten Kassen unter. Auf welchem Gleis sie fahren dürfen oder müssen, regelt das Gesetz. Sowohl für die Vollversicherung in einer der gesetzlichen, als auch in einer privaten Kasse müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Merkmale der gesetzlichen Krankenversicherung:

Als eine der gesetzlichen Sozialversicherungen beruht die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) auf dem Solidaritätsprinzip, alle Versicherten stehen füreinander ein. Die Beiträge werden nicht abhängig vom persönlichen Krankheitsrisiko berechnet, das etwa mit steigendem Alter zunimmt, sondern allein nach dem Einkommen (derzeit 15,5 Prozent). Wer mehr Geld verdient, zahlt mehr.

Auch der Anspruch auf Leistungen hängt nicht vom Beitragsniveau oder Alter ab. Die Behandlung muss jedoch wirtschaftlich sein und darf das Maß des medizinisch Notwendigen nicht überschreiten. Stehen mehrere Heilungsmethoden zur Auswahl, erstattet die Kasse nach dem Minimalprinzip lediglich jene Behandlung, die mit dem geringsten Aufwand Erfolg verspricht (beim Zahnarzt zur Kariesbekämpfung zum Beispiel eine Amalgam- statt einer Kunststofffüllung).

Mehr als 90 Prozent aller Versicherten in Deutschland sind Kassenpatienten. Die meisten von ihnen, nämlich Arbeitnehmer, die weniger als 50.850 Euro im Jahr verdienen, sowie die meisten Studenten und Rentner sind gesetzlich pflichtversichert. Der Rest, zum Beispiel Selbständige oder besser verdienende Arbeitnehmer, kann sich freiwillig gesetzlich versichern. Familienangehörige ohne eigenem Einkommen können sich in der GKV unter bestimmten Voraussetzungen sogar kostenlos mitversichern.

Die zahlenden Mitglieder finanzieren mit ihren Beiträgen, die im Gesundheitsfonds zusammenfließen, die 146 gesetzlichen Kassen. Da die Höhe der Einnahmen nach dem so genannten Umlageverfahren den eigenen Finanzierungsbedarf decken muss, dürfen die Kassen bei Bedarf Zusatzbeiträge erheben. Zugleich dürfen sie, trotz der drohenden steigenden Ausgaben durch den demografischen Wandel, aber keine Rücklagen bilden. Überschüsse müssen die Kassen sogleich wieder bei den Kunden ausschütten - zumindest in der Theorie. Tatsächlich haben die Kassen zuletzt dank der guten Konjunktur Finanzreserven in Höhe von 21,8 Milliarden Euro angehäuft, jedoch nur einem Prozent der gesetzlich Versicherten Prämien ausbezahlt.