Image der Finanzinstitute Borniert, blind, Banker

Unerträglich und unmoralisch! Derartige Vorwürfe müssen sich die Banker anhören - und das nicht nur von Anhängern der Occupy-Bewegung, sondern auch von gestandenen Managern. Noch vor 20 Jahren waren Banker angesehene Leute - heute fallen gegenüber dieser Berufsgruppe alle Hemmungen. Und das ist deren eigene Schuld: Selten hat sich ein Wirtschaftszweig so borniert gezeigt.

Ein Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

Es läuft nicht gut für die Banker. In Amerika gehen die Bürger gegen sie auf die Straße. In Europa gibt es bereits Demonstrationen gegen die Finanzbranche, und in Deutschland ziehen hochrangige Industrievertreter mit Frustkampagnen gegen ihre Kollegen in den Banken zu Felde. BDI-Chef Hans-Peter Keitel beklagte gerade öffentlich, die Finanzkrise sei allein das Werk der Banker. Im Gegensatz zu ihnen hätten die Macher in der Industrie für Arbeitsplätze und Wachstum gesorgt. "Wir spekulieren nicht, wie produzieren", sagte er pampig. Franz Fehrenbach, Chef des Stuttgarter Industriekonzerns Bosch, hält die Geschäftsmethoden vieler Banker für "unerträglich und unmoralisch". Bei so einem Verhalten drehe sich ihm "der Magen um".

Noch vor 20 Jahren waren Banker angesehene Leute. Sie wurden allenfalls für ihre Risikoscheu gescholten. Heute fallen gegenüber dieser Berufsgruppe alle Hemmungen. Die Kluft zwischen Bankmanagern und dem Rest der Gesellschaft ist riesig geworden. Banker sind in der Defensive wie selten zuvor. Der Grund für die wachsende Spannung ist, dass die Geldhäuser binnen kurzer Zeit zum zweiten Mal von Regierungen und Steuerzahler finanziell gestärkt werden müssen. Gleichzeitig zeigen führende Bankenvertreter ein Selbstbewusstsein, das Anflüge von Arroganz hat. Die Banken und ihre Chefs haben in jüngerer Zeit nicht viel darüber dazugelernt, wie diese Gesellschaft funktioniert.

Jetzt stemmen sich die Finanzinstitute gegen den Plan mancher Politiker, die Eigenkapitalbasis der Geldhäuser mit staatlicher Hilfe so zu erhöhen, dass sie die Verluste wegstecken könnten, die sie nach einem Schuldenschnitt mit entwerteten Griechenland-Anleihen erleiden würden. Den Staat als Gesellschafter, der ihnen die Gehälter und Boni kappt, das wollen sie auf keinen Fall. Gleichzeitig teilt der Bankenverband aber auch mit, die deutschen Banken könnten aus eigener Kraft ihre Kapitalbasis nicht wie gewünscht in ein paar Monaten steigern.

Selten hat sich ein Wirtschaftszweig so borniert gezeigt. Als hätten die Banken mit der europäischen Schuldenkrise rein gar nichts zu tun, schieben sie jede Verantwortung von sich. Der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann behauptet, die Schuldenkrise sei allein das Werk der Politiker. Dass viele Banker die Schuldenmacherei der Regierungen aber gern finanziert haben, erwähnt er nicht. Die Bürger spüren, dass sich hier eine wichtige Gruppe aus der Verantwortung für eine massive Fehlentwicklung stiehlt.

Es hat sich in der Bevölkerung herumgesprochen, dass sich die Banken in den vergangenen beiden Jahrzehnten mit ihren eigenen Spekulationen ruiniert haben. Die Bürger erinnern sich auch, dass die Geldhäuser nach 2008 Hilfen bekamen, ohne eine spürbare Gegenleistung zu bringen. Zuletzt nahmen sie staunend zur Kenntnis, dass die Rating-Agentur Fitch die Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank nach unten zu korrigieren droht, während Vorstandschef Ackermann die Kapitalbasis aus eigener Kraft stärken will. Die Bank-Manager waschen ihre Hände in Unschuld. Aber warum sollen die Bürger den Geldhäusern trauen, wenn die sich nicht einmal untereinander noch Geld geben?

Stabile Banken sind notwendig. Sie versorgen die Unternehmen mit Krediten. Sie sind zentrale Drehscheiben einer Wirtschaftsgesellschaft. Aber sie haben den Spieß längst umgedreht: Die Schaltzentralen der Marktwirtschaft haben sich selbst den Kräften des Marktes entzogen und nehmen Wirtschaft und Politik als Geiseln. Weil sie im Pleitefall riesigen Flurschaden anrichten würden (too big to fail), müssen sie vom Staat vor der Involvenz bewahrt werden. Wer in einer solchen Rolle ist, muss besonders besonnen agieren und darf das Gemeinwohl nicht aus dem Auge verlieren.

Es ist müßig, nach den Alleinschuldigen für die Finanzkrise und ihre Folgen zu suchen. Eine Lösung muss gefunden werden, und das schnell. Daran müssen Banken wie Regierung arbeiten. Wer jetzt den Schwarzen Peter im Kreis herumschiebt, um Schuld von sich zu weisen, verweigert die Erkenntnis in die eigene Mitschuld und Verantwortung. Das ist blinde Trotzhaltung und Destruktion. Wer sich der Lösung der Probleme so verweigert, wie es jetzt die Banken tun, darf sich nicht wundern, dass die Bürger anfangen gegen sie zu rebellieren.

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