Die EU knöpft sich Griechenland vor: Währungskommissar Rehn pocht auf stärkere Sparbemühungen und Luxemburgs Ministerpräsident droht mit drastischen Worten.
Die Europäische Union erhöht ihren Druck auf Griechenland, denn EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn hat von dem Balkanland zusätzliche Sparmaßnahmen gefordert.
EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn fordert von Griechenland stärkere Anstrengungen. (© Foto: AFP)
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Er wolle die griechische Regierung "ermuntern", in den kommenden Tagen weitere Maßnahmen zu prüfen, um die Ziele zu erreichen, sagte Rehn am Montag nach einem Gespräch mit dem griechischen Finanzminister Giorgos Papakonstantinou. Der vom Bankrott bedrohte Mittelmeerstaat müsse noch mehr gegen sein drastisches Haushaltsloch unternehmen, sagte Rehn
Griechenland hat ein Defizit von 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und soll es binnen eines Jahres auf 8,7 Prozent senken. Rehn wollte in Athen auch Wirtschaftsministerin Louka Katseli, Vize-Regierungschef Theodoros Pangalos und Zentralbankchef Giorgos Provopoulos treffen.
Überwachung der Sparbemühungen
Auch ein Gespräch mit Regierungschef Giorgos Papandreou war vorgesehen. Die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) überwachen die Fortschritte bei den Sparbemühungen der Regierung in Athen.
Sollten sie die Maßnahmen für nicht ausreichend erachten, könnten die EU-Finanzminister auf ihrem Treffen am 16. März eine Verschärfung des Sparkurses verlangen.
Unterdessen drohte der luxemburgische Ministerpräsident und Eurogruppen-Chef, Jean-Claude Juncker, den Finanzmarktsakteuren kurz vor der Umschuldung griechischer Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe staatliche Sanktionen an.
"Wir haben die Folterwerkzeuge im Keller, und wir zeigen sie, wenn es nötig ist", sagte Juncker dem Handelsblatt. "Wir müssen das Primat der Politik wieder stärken, sie muss die Finanzmärkte stoppen können", so Juncker.
"Gemeinsame Wirtschaftsregierung notwendig"
Die Politik sei nur soweit erpressbar, wie sie sich erpressen lasse. Sollte Griechenland seine Vorgaben einhalten, die Märkte aber dennoch weiter gegen das Land spekulieren, "werden wir die Märkte da nicht einfach durchmarschieren lassen."
Mit welchen Maßnahmen die EU gegen die Spekulation vorgehen könnte, ließ Juncker offen. Man werde aber ganz allgemein über die Auswirkungen des Verhaltens gerade auch der Banken reden müssen.
Neue Regeln für die Zukunft
Der Chef der Eurogruppe sieht zudem nach einer Lösung der Krise die Notwendigkeit, die Regeln in der Eurozone zu ergänzen. "Wenn wir das griechische Problem gelöst haben, müssen wir uns einen Werkzeugkasten zulegen, um ähnliche Probleme in der Zukunft zu vermeiden", sagte Juncker. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an seinen früheren Vorschlag eines Eurobonds.
Für Griechenland lehnte Juncker eine Hilfe des Internationalen Währungsfonds ab. "Ich halte ein Engagement des IWF, das über die technische Hilfe hinausgeht, für nicht notwendig", sagte er. Juncker wandte sich zudem strikt dagegen, mehr Inflation zuzulassen, wie es der IWF vorgeschlagen hatte.
Die Debatte über eine Entschuldung per Inflation sei schädlich. Zugleich forderte Juncker eine Reform der europäischen Wirtschaftspolitik. Nötig sei eine gemeinsame Wirtschaftsregierung, die vor allem in der Eurozone die Wirtschaftspolitik verstärkt koordiniere. Auf diesem Wege werde die Eurogruppe vorangehen. Im März werde sie eine Erklärung zu Wettbewerbsunterschieden in der Eurozone abgeben. Dann werde sie wirtschaftspolitische Empfehlungen für jedes Land aussprechen.
Deutschland und das Problem der Binnennachfrage
Jedes Land werde sagen müssen, in welchem Zeitraum es seine Wettbewerbsungleichgewichte beseitigen wolle. Ein nationales Vorpreschen einzelner Länder ohne Absprache mit seinen Partnern im Euroraum wäre nicht hilfreich.
Juncker mahnte in diesem Zusammenhang aber auch Deutschland. Auch wenn Deutschland nicht das größte Problem darstelle, müsse sich das Land fragen lassen, "ob es nicht eine weitere Stärkung der Binnennachfrage braucht". Er nannte dabei die Tarifpolitik.
Rürup mahnt Hilfe für Griechenland an
Der frühere Chef der Wirtschaftsweisen Bert Rürup warnte unterdessen vor den Folgen einer möglichen Staatspleite Griechenlands. "Die europäische Staatengemeinschaft muss Griechenland bei der Bewältigung seiner Schuldenkrise helfen - und zwar im eigenen Interesse. Denn im Falle einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands - also eines Staatsbankrotts - würden rasch Länder wie Portugal, Spanien, Italien und Irland finanziell in die Knie gehen.
Diese Länder müssten dann aufgrund des gestiegenen Misstrauens sehr viel mehr bezahlen, um Kredite zu bekommen," sagte der Ökonom der Bild-Zeitung. Der Euro wäre dann als gemeinsame europäische Währung gefährdet.
(sueddeutsche.de/Reuters/pak/mel)
Wohl wahr, gfs. habe ich etwas weit voraus-formuliert - siehe heutige Presse - Pfund .... :))
Warum eigentlich keine Entschuldung über Inflation? Warum eigentlich kein Verzicht auf den Euro? So doll war die gemeinsame Währung nun auch wieder nicht. Und die Mehrheit der Menschen verliert nichts, wenn man diesen Murks wieder abschafft. Ach, stimmt, Hr. Rurüp, Hr. Juncker und alle ihre Freunde aus Politik und Wirtschaft haben Euro gehortet und würden auf einem Stapel wertloser Papierschnitzel sitzen. Aber wer sind denn schon Rurüp, Juncker und ihre Freunde? Doch genau die Leute die das Geld gehortet haben, es aus dem wirtschaftlichen Kreislauf entzogen haben, mit keinem geteilt haben, die Misere erst hervorgerufen haben!
Griechenland hat keine "LeistungsGesellschaft" wie die meisten
Länder im zentralen Europa. Noch nie gehabt und wird es auch
so schnell nicht haben. Da tickt alles halt etwas anders.
ABER das wusten doch die Verantwortlichen der EU, die GR ins Boot geholt haben, ganz genau. Nur das die Griechen halt auch seehr gute Konsumenten sind...!?!
Auf alle Fälle....
solange unsere lieben Politiker ein System zulassen, in der
so etwas wie die "Bankenkriese" möglich ist und die Gierschlunde
nicht nur Konzerne, sondern schon ganze Länder zerreißen können, braucht keiner von denenn mit erhobenen Zeigefinger auf Griechenland zeigen. Das ist überlste Doppelmoral.
Jasou
und die EZB. Massenarbeitslosigkeit - egal. Zunehmende Armut - sch...egal. Aber die vage Gefahr von vielleicht, eventuell, möglichen, inflationären Tendenzen lässt alle rufen SPAREN.
In der tiefsten Wirtschaftskrise seit 1945 halte ich dagegen: INVESTIEREN.
aber eben auch "Brutto"profiteur der EU - denn der Löwenanteil der Exporte des Exportweltmeisters, (neuerdings Zweiter auf dieser Rangliste), geht schließlich in EU-Länder.
Steuergeld fließt also ab und kommt als Nachfrage bei unseren Unternehmen wieder an. Gepaart mit Lohndrückerei bei uns ergeben sich daraus seit Jahren prima Gewinnchancen für unsere deutsche Wirtschaft.
Wen interessiert da die Folge einer sinkenden deutschen Binnennachfrage? Unsere Exportwirtschaft gewiss nicht!
Aber selbstredend die anderen EU-Partner, die jetzt die Zeche in Griechenland mit blechen dürfen.
Paging