Den ersten Schlag erhielt das weltweite Finanzsystem bereits am 6. Mai, als die Kurse der amerikanischen Börse plötzlich einbrachen. Die Ursache für diesen Einbruch würden noch immer untersucht. An diesem Tag griffen die Bedenken, die bereits gegen griechische Staatsanleihen bestanden, plötzlich auf alle Finanzmärkte über.

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Ängstliche Bankkunden stehen an, um ihre Konten zu plündern. Für die Fieberkurve des Systemrisikos bitte auf das Foto klicken. (© online.sdeauto)

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Staatsfinanzierung durch die Hintertür

Im Eurogebiet weiteten sich die Abstände der Renditen griechischer Staatsanleihen zur deutschen Bundesanleihe beträchtlich aus. Am Markt wurde die Ansteckungsgefahr für Portugal und Irland sowie Spanien und Italien diskutiert. Angebot und Nachfrage bei den Anleihen mehrerer Euroländer gerieten ins Stocken, für Griechenland versiegte die Liquidität vollständig. Zugleich registrierte die EZB eine Störung des Marktes, an dem sich Banken untereinander versorgen.

Die Folgen des Beinahe-Kollapses sind bekannt. Am Wochenende des 8. und 9. Mai schnürten die europäischen Staats- und Regierungschefs ein riesiges Rettungspaket für den Euro-Raum im Umfang von 750 Milliarden Euro. Zuvor hatte ihnen EZB-Präsident Jean-Claude Trichet die dramatische Lage geschildert, wie sie nun im Monatsbericht veröffentlicht wird.

Die EZB selbst begegnete dem dramatischen Stillstand mit einem Tabubruch. Sie kauft seit diesem Wochenende Staatsanleihen, was selbst in ihren eigenen Reihen umstritten ist. 47 Milliarden Euro hat sie seither in ihre Bücher genommen, vor allem Schuldtitel aus Griechenland, Irland und Portugal. Die Käufe sind umstritten, weil es sich um eine Staatsfinanzierung durch die Hintertür handelt. Die EZB hat noch kein Limit für diese Käufe genannt.

Böse Überraschungen griffen plötzlich über

Die Märkte haben all diese Maßnahmen jedoch nur teilweise beruhigt. Das Misstrauen der Banken hat sich sechs Wochen nach dem Beinahe-Kollaps sogar noch gesteigert. In zunehmendem Maß legen die Geldinstitute ihre Euros bei der EZB an, weil sich am sichersten ist, aber kaum Zinsen bringt. EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark sagte im Gespräch mit der Wochenzeitung Die Zeit: "Wir haben erneut eine Situation, in der sich die Banken untereinander nicht vertrauen. Sie deponieren überschüssige Liquidität eher bei uns, statt sie an andere Banken weiterzugeben."

Der Bericht der EBZ über die Ereignisse kommt in einem Moment, da die EU-Staaten über die Offenlegung der Ergebnisse von Stresstests diskutieren. Diese Tests, die von dem Verbund der europäischen Aufsichtsbehörden CEBS durchgeführt werden, sollen Hinweise geben, inwieweit Banken gegen neue Finanzmarktturbulenzen gewappnet sind. Bundesregierung und Bundesbank haben sich für eine Offenlegung der Tests ausgesprochen. Es gibt jedoch auch Stimmen in Bankenkreisen, die für deutsche Banken böse Überraschungen im Falle einer Veröffentlichung befürchten.

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(SZ vom 18.06.2010/pak)