Facebook-Chef Zuckerberg "Schwer zu sagen, was wir finden werden"

Mark Zuckerberg in der Facebook-Zentrale während seines Interviews mit CNN.

(Foto: CNN)
  • Facebook-Chef Zuckerberg bricht sein Schweigen und gibt gleich mehreren US-Medien Interviews.
  • Er entschuldigt sich dabei für den Datenmissbrauch, sieht aber Cambridge Analytica als Hauptverantwortlichen.
  • Der Konzern will nun prüfen, ob weitere App-Entwickler Daten im großen Stil absaugten und weitergaben.
Von Johannes Kuhn, Austin

"Wo ist Zuck?", hieß es noch am Mittwochmorgen. "Wo ist Zuck nicht?", lautete die Frage am Mittwochabend. Nachdem der Facebook-Chef bereits nach Börsenschluss sein Schweigen über den Datenabfluss zu Cambridge Analytica gebrochen hatte, tauchte er am Abend gleich an mehreren Stellen auf: Während CNN ein Interview mit dem 33-Jährigen ausstrahlte, veröffentlichten zeitgleich die New York Times, Wired und Recode Gesprächstranskripte vom Nachmittag.

Wie so häufig in Interviews mit gut geschulten CEOs glichen sich viele Aussagen bis aufs Wort. Das Wichtigste im Überblick:

Mea Culpa, aber ...:

"Es tut mir leid, dass es passiert ist", sagte Zuckerberg zu CNN und entschuldigte sich damit erstmals für die Vorgänge rund um den millionenfachen Datenmissbrauch. Zudem gestand er ein, dass seine Firma Fehler im Umgang mit Cambridge Analytica gemacht habe. Facebook wusste bereits 2015, dass Cambridge Analytica über die App eines Mittelsmannes massenhaft Nutzerdaten abgegriffen hatte (Details hier), hatte aber nicht nachgeprüft, ob die Firma der Aufforderung zur Löschung nachgekommen war (was offenbar nicht der Fall war). "Ich bin gewohnt, dass Menschen etwas auch tun, wenn sie es rechtlich bindend zugesichert haben", sagte Zuckerberg. "Das war ein Fehler."

Allerdings betonte der Facebook-CEO, dass die Hauptverantwortung für den Datenmissbrauch nicht bei seiner Firma, sondern bei Cambridge Analytica liege.

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Wie viele Cambridge Analyticas gibt es?

"Wir müssen sicherstellen, dass es keine weiteren Cambridge Analyticas da draußen gibt", erklärte Zuckerberg Wired. Dafür will der Konzern nun jede App prüfen, die von 2010 bis zur Rücknahme der Funktion 2015 im großen Maßstab auf detaillierte Informationen über Freunde von Nutzern zugegriffen hat.

Allerdings könnte dies nicht so einfach sein, gab er zu: Die Daten sind nicht auf Facebook-Servern, sondern bei den Produzenten der Apps - wenn sie überhaupt noch existieren. Facebook will auch Datenhändler genauer unter die Lupe nehmen, die möglicherweise mit Kopien von weitergegebenen Datensätzen handeln. "Es ist schwer zu sagen, was wir finden werden."

Informationen für Nutzer:

Jeder der bis zu 50 Millionen Nutzer, deren Daten mit Cambridge Analytica geteilt wurden, soll darüber informiert werden - allerdings offenbar nur, wenn er es selbst über eine Facebook-Funktion prüft. Bereits am Nachmittag hatte Zuckerberg angekündigt, dass Entwickler von Drittanbieter-Apps künftig nur noch eingeschränkten Zugriff auf persönliche Daten von Facebook-Nutzern erhalten und diesen auch verlieren, sobald ein Mitglied die Anwendung drei Monate lang nicht nutzt. Das Facebook-Login auf Webseiten oder in Apps übermittelt künftig nur noch Name, Profilfoto und E-Mail-Adresse.

Offenheit für Regulierung, aber ...:

"Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob wir nicht reguliert werden sollten", sagte der 33-Jährige auf CNN. Diese Aussage ist neu, aber sagt nichts Neues: Auf Nachfrage erklärte Zuckerberg bereits, dass er damit größere Transparenz bei Werbung meint. Hier hatte Facebook bereits im vergangenen Jahr ein Programm angekündigt, das einem Gesetzentwurf für digitale Politikwerbung ("Honest Ads Act") nahekommt, den mehrere Senatoren befürworten. In anderen Medien wie TV, Radio und Zeitungen muss politische Werbung samt Auftraggeber gemeldet und in bestimmten Fällen auch gekennzeichnet werden. Facebook wehrte sich jahrelang erfolgreich dagegen.

Eine Unterstützung der Transparenzinitiative könnte nun auch andere Technologie-Firmen unter Zugzwang setzen. Am eigenen Geschäftsmodell ändert sich damit nichts.

Zuckerberg bereit zur Aussage:

Der Facebook-Chef erklärte sich bereit, wie von mehreren US-Politikern gefordert, vor dem amerikanischen Kongress auszusagen. Er machte jedoch eine Einschränkung: "... wenn ich die richtige Person bin." Bislang hatte Facebook zu Anhörungen stets Manager aus der zweiten Reihe geschickt.

Kritik am Netzwerkdurchsetzungsgesetz:

Zuckerberg sprach mit Wired auch über den Umgang mit "Hate Speech" und warb für einen "flexiblen Umgang". Das deutsche Modell - also das Netzwerkdurchsetzungsgesetz - sei auf "Micromanagement" ausgelegt und "in einigen Punkten nach hinten losgegangen". Er bevorzuge Richtlinien statt Gesetze, weil man ständig intern bessere Prozesse entwickle.

So verwies er in einem anderen Zusammenhang darauf, dass Facebook für die Identifikation von Falschnachrichten inzwischen künstliche Intelligenz einsetze. Damit habe das Unternehmen rund um eine Senatswahl in Alabama Produzenten solcher "Fake News" aus Mazedonien dingfest machen können.

Fazit: Was Zuckerberg erreichen will ...

Für den Facebook-Chef geht es in der aktuellen Debatte um mehrere Dinge: Einerseits benötigt Facebook das Vertrauen von Nutzern und Politikern. Andererseits will es im Hinblick auf die Erwartungen der Aktionäre keine Änderungen an seinem Geschäftsmodell vornehmen, das auf der intensiven Auswertung des Verhaltens und der Vorlieben der Nutzer in Facebook-Produkten (kurz: Überwachung) basiert, um zielgenaue Werbung schalten zu können.

... und wo die größte Gefahr für die Firma liegt:

Größtes Ungemach droht derzeit wohl von der US-Handelsbehörde FTC. Ihr gegenüber hatte sich Facebook 2011 verpflichtet, Nutzer zu informieren und sie explizit um Einwilligung zu bitten, wenn Daten jenseits der eigenen Privatsphäre-Einstellungen geteilt werden.

Die Freunde, deren Profile nun über eine App in die Datenbank von Cambridge Analytica wanderten, wurden aber offenbar nicht informiert - womöglich wussten nicht einmal die Nutzer der App, die für den Download bezahlt worden waren, welche Daten sie freigaben. Die FTC wird deshalb prüfen, wie die Weitergabe der Daten genau ablief und ob sie sich mit den Nutzungsbedingungen und Privatsphäre-Einstellungen von damals verträgt. Sollte Facebook gegen seine Verpflichtung verstoßen haben, drohen Milliardenstrafen und aussichtsreiche Sammelklagen von Betroffenen.

Obwohl Facebook in den vergangenen Monaten rund um Wahlbeeinflussung und Hass-Inhalte bereits häufiger in der Kritik stand, entwickelt sich der aktuelle Fall zur größten Krise in der Geschichte des Konzerns. Für den Gründer, Chef und Hauptaktionär Zuckerberg ist es die bislang größte Bewährungsprobe.