Wotan Wilke Möhring über "Call of Duty" "Kein Killerspiel, ein Konzentrationserlebnis"

Im neuen Shooter "Call of Duty: Black Ops 2" spricht Wotan Wilke Möhring den Schurken Raul Menendez, den von Dienstag an Millionen Computerspieler jagen werden. Ein Gespräch über Killerspiele, seine Zeit bei der Bundeswehr und die Frage, wo das wahre Leben stattfindet.

Interview: Mirjam Hauck

Wotan Wilke Möhring spricht Raul Menendez

(Foto: Activision)

Im neuen Actionspiel "Call of Duty, Black Ops 2" spricht Wotan Wilke Möhring die Rolle des Bösewichts Raul Menendez. In einem weltweiten Krieg im Jahr 2025 verfolgen ihn Spezialeinheiten namens "Black Ops". Sie wollen verhindern, dass Menendez die Drohnenflotte der amerikanischen Streitkräfte entführt. "Call of Duty" ist eine der erfolgreichsten Computerspielereihen. "Call of Duty, Black Ops 1" verkaufte sich 2010 in den ersten 24 Stunden rund 5,6 Millionen Mal. "Black Ops 2" ist vom 13. November an im Handel.

Wotan Wilke Möhring hat ihn Kinofilmen wie "Männerherzen" und "Soul Kitchen" gespielt, 2012 bekam er für "Der letzte schöne Tag" den Deutschen Fernsehpreis als bester Schauspieler. Von 2013 an ermittelt er als neuer Tatort-Kommissar.

SZ.de: Wie fühlt es sich an, die Zielscheibe von Millionen Computerspieler zu sein?

Wotan Wilke Möhring: Es fühlt sich gut an, Millionen Spieler in seinen Bann zu ziehen. Wann kann man schon mal den Bösewicht geben, dem alle hinterherjagen müssen? Das macht natürlich Spaß.

Haben Sie keine Angst, mit einem Killerspiel in Verbindung gebracht zu werden?

Nein, diese Angst habe ich nicht. Klar, "Call of Duty" ist ein Shooter und zeigt einen Überlebenskampf. Aber das ist ein Spiel für Erwachsene und nicht für Kinder. Es hat keine Jugendfreigabe. Wer das spielt, weiß in der Regel, worauf er sich einlässt und was er tut. Trotzdem kann so ein Spiel auch Suchtpotenzial haben. Aber das trifft nicht für Erwachsene zu, die einen festen moralischen Unterbau haben. Das ist einfach Unterhaltung.

Unterhaltung, die für einige Kritiker einen schlechten Beigeschmack hat. Sie unterstellen "Call of Duty" einen unkritischen Hurra-Militarismus. Wie beurteilen Sie das, Sie waren ja mal Zeitsoldat bei der Bundeswehr?

Ich bezweifle, dass man das vergleichen kann. Für manche ist ja überall, wo geschossen wird, alles Militär. Aber ein Computerspiel wie "Call of Duty" ist vor allem ein Konzentrationserlebnis, für das man sich Zeit nehmen muss. Beim Militär zu sein ist etwas ganz anderes. Das riecht anders, das fühlt sich ganz anders an, wenn die Füße in Stiefeln stecken und man ein Gewehr in der Hand hat und einem der Wind um die Nase weht.

Gewaltdarstellungen sind auch eine Reflexion der Welt, in der wir leben. In rauen Zeiten wächst die Lust an der Gewalt, sagt der Autor des Shooters Far Cry 3, Jeffrey Yohalem. Hat er Recht?

Ich sehe das nicht so. Zum einen weiß ich nicht, ob wir tatsächlich in einer Zeit leben, in der die Gewalt real zunimmt. Oder ob es sich uns nur so darstellt. Und selbst wenn es so wäre, hieße das für mich eher das Gegenteil. Eine Zunahme von Gewalt sollte doch dazu führen, dass man mehr reflektiert und innehält. Wenn im Straßenverkehr alle rasen, heißt das doch nicht, dass ich genauso Tempo machen muss. Ich schalte dann lieber einen Gang runter. Seit ich Kinder habe und einen Kindersitz im Auto, wird mir sehr viel mehr bewusst, dass ich mich so einem Wettkampf nicht mehr aussetzen muss.

Haben Sie "Black Ops 2" schon gespielt?

Nein, das ist ja alles noch streng geheim. Früher mit meinen Brüdern habe ich auch am Computer gespielt, "Far Cry" oder auch "Call of Duty", aber mittlerweile arbeite ich so viel, dass ich dafür gar keine Zeit mehr habe. Für einen Neueinstieg in so ein Spiel muss man sich schon einige Zeit nehmen.