Vodafone-Bericht zur Überwachung Regierungsbehörden können Telefonate live mithören

Zugang zum Telefon: Vodafone veröffentlicht, wie häufig staatliche Überwachung vorkommt

(Foto: Bloomberg)

Vodafone macht erstmals öffentlich, welches Ausmaß die Überwachung seiner Kunden in vielen Ländern hat. Der Konzern offenbart, wie häufig Polizei und Geheimdienste auf Daten zugreifen wollen. Doch Anfragen sind für die Behörden gar nicht immer nötig.

Von Pascal Paukner

Der Mobilfunkanbieter Vodafone geht ein Jahr nach Beginn des NSA-Skandals in die Offensive. Das Unternehmen stellt an diesem Freitag einen umfassenden Bericht* zur Telefonüberwachung vor. Süddeutsche.de stellt das Dokument hier online zur Verfügung. Darin beschreibt das Unternehmen, in welchem Ausmaß Regierungsbehörden in den 29 Staaten, in denen das Unternehmen tätig ist, auf Telekommunikationsdaten und Gesprächsinhalte zugreifen.

Regierungsbehörden in "einer kleinen Zahl von Staaten" haben demnach die Möglichkeit, sich über geheime Zugänge live in Telefongespräche einzuschalten. In den betroffenen Ländern hätten die Regierungsbehörden ihre Kabel direkt an das Vodafone-Netzwerk angeschlossen, heißt es. Um Telefonate abzuhören, müssten die Behörden in diesen Ländern daher auch keine Anfragen an das Unternehmen stellen. Vodafone habe somit keine Handhabe darüber, wer wie abgehört wird. Um welche Staaten es sich dabei handelt, teilte Vodafone nicht mit.

Die Veröffentlichung eines so detaillierten Berichts kommt überraschend. In der öffentlichen Debatte der vergangenen Monate über staatliche Überwachung hatten sich die Telekommunikations-Provider auffallend zurückgehalten. Im Gegensatz zu den großen Konzernen im Silicon Valley wie Facebook und Google hatten sich die großen Telefonanbieter auch nicht öffentlichkeitswirksam mit den Regierungen der überwachenden Staaten angelegt.

Deutsche Behörden überwachten 24 000 Vodafone-Anschlüsse

Erst im Mai hatte Vodafone-Konkurrent Telekom einen ähnlichen Transparenzbericht vorgelegt. Dieser führte vor allem Statistiken auf: Demnach haben Justiz- und Sicherheitsbehörden im vergangenen Jahr 49 796 Anschlüsse überwacht. Vodafone nennt diese Zahlen nun auch**.

In manchen Ländern sollen die staatlichen Behörden dem Bericht zufolge auch in der Lage sein, den Aufenthaltsort von Vodafone-Kunden nachzuverfolgen. Vodafone listet in dem Bericht für jedes Land die Zahl der Regierungsanfragen auf. Allerdings reglementieren die meisten Staaten die Veröffentlichung solcher Zahlen, wodurch sich das Ausmaß der Überwachung in den einzelnen Staaten nur schwer vergleichen lässt.

In Albanien, Ägypten, Ungarn, Indien, Malta, Katar, Rumänien und Südafrika dürfen Provider sogar gar keine Informationen zur Anzahl der Regierungsanfragen veröffentlichen. In anderen Staaten ist es nur erlaubt, aggregierte Daten zu veröffentlichen oder nur solche, die von den Behörden ohnehin veröffentlicht werden.

Meiste Anfragen aus Italien

Die größte Zahl der Anfragen auf Herausgabe von Kommunikationsdaten hat Vodafone dem Bericht zufolge in Italien erhalten. Dort seien im vergangenen Jahr 605 601 Anfragen eingegangen. In Tansania waren es 98 765 und in Ungarn 75 938. Für Länder wie Australien stehen im Report nur unspezifische Daten, die für das ganze Land gelten und ohnehin bereits öffentlich bekannt waren. In Deutschland sei es rechtlich ungeklärt, ob die Provider detaillierte Zahlen über die Zahl der Regierungsanfragen auf Datenherausgabe oder das Abhören von Gesprächen mitteilen dürften, so Vodafone.

Der Konzern kündigt an, nun jährlich einen solchen Bericht zu veröffentlichen. "Unsere Kunden haben ein Recht auf Privatsphäre", schreibt das Unternehmen ganz zu Beginn des Berichts. In der Vergangenheit war der Konzern mit Sitz in Großbritannien immer wieder von Bürgerrechtlern und Datenschützern für eine zu große Nähe zu staatlichen Stellen kritisiert worden.

*Anmerkung der Redaktion: Link zu Vodafone um 13.11 Uhr ergänzt, beim Erscheinen des Artikels war der Report noch nicht auf vodafone.com online.

**In einer früheren Version stand hier: "Vodafone nennt für Deutschland nur die Zahl aller überwachter Anschlüsse, nicht die der eigenen Kunden - aufgrund rechtlicher Bedenken." Vodafone nennt nun diese Zahlen, sie stehen in der Tabelle.