Verwendung von Pseudonymen Facebook fragt Nutzer über Freunde aus

"Ist dies der echte Name deines Freundes?" Eine einfache Frage sorgt bei Facebook für großen Wirbel: Die Plattform versucht damit herauszufinden, welche Mitglieder ein Pseudonym nutzen. Facebook spricht von einem Test - doch der kratzt schon jetzt am Image des Netzwerks.

Von Johannes Kuhn

Erst vor wenigen Tagen verärgerte Facebook seine Mitglieder, als es deren E-Mail-Adressen ungefragt gegen neue @facebook.com-Kennungen austauschte. Nun zieht sich der Konzern erneut den Unmut seiner Nutzer zu.

"Ist dies der echte Name deines Freundes?", fragt Facebook seit einigen Tagen manche Mitglieder. Das zugehörige Dialogfenster zeigt Name und Bild eines Kontakts. "Deine Antwort bleibt anonym und hat keinen Einfluss auf das Konto deines Freundes", heißt es auf Screenshots, die derzeit kursieren. Als Antwortmöglichkeiten stehen "Ja", "Nein", "Ich kenne diese Person nicht" und "Ich möchte nicht antworten" zur Auswahl.

Auf Anfrage von Süddeutsche.de bestätigt Facebook die Echtheit der Bildschirmfotos und erklärt, es handele sich um einen Test, mit dem Fake-Accounts identifiziert werden sollen. Die Auswertung erfolge anonym und diene einzig dazu, aggregierte Daten für statistische Zwecke zu erhalten.

Das Portal hat in seinen Geschäftsbedingungen festgelegt, nur den echten Namen von Nutzern zu akzeptieren. Einzig prominente Mitglieder mit Künstlernamen, zum Beispiel Lady Gaga, dürfen höchstoffiziell ihr Pseudonym verwenden.

Streit um Pseudonyme

Im Zuge des Börsengangs musste der Konzern eingestehen, dass rund 40 Millionen Nutzer die Seite unter falschem Namen verwenden. Klarnamen gelten als wichtiger Schlüssel für den Erfolg eines sozialen Netzwerks. Der Niedergang von StudiVZ begann, als die Nutzer der Seite aus Angst um ihre persönlichen Daten begannen, Fantasienamen und -steckbriefe zu verwenden. 2011 erklärte Facebooks damalige Marketingchefin Randi Zuckerberg (die ältere Schwester von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg) sogar, Anonymität im Netz müsse generell "verschwinden".

Gleichzeitig fordern Aktivisten Facebook bereits seit längerem dazu auf, auch Pseudonyme zuzulassen, da diese beispielsweise politisch aktive Nutzer während der arabischen Revolution vor der Verfolgung durch die Geheimdienste geschützt habe. Auch in Deutschland gab es starken Gegenwind für den Vorstoß von Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Anonymität im Netz zu beschränken.

Auch der Facebook-Versuch, Mitglieder zur Identifikation falscher Namen hinzuzuziehen, dürfte wenig positive Resonanz hervorrufen. In Medien und Blogs ist bereits von "Spitzeldiensten" oder "Stasibook" die Rede.

Ob das Unternehmen mit Hilfe der gesammelten Daten mittelfristig härter gegen Nutzer falscher Namen vorgehen wird, ist noch unklar. Einem niederländischen Zeitungsbericht zufolge werden dort derzeit vermehrt Nutzer geblockt, die Nachnamen mit nur zwei oder drei Buchstaben angegeben haben. Um die Sperre aufzuheben, müssen sie eine Kopie ihres Personalausweises an Facebook schicken.